Prävention sexualisierter Gewalt
Der VCP als Schutzraum für Kinder und Jugendliche
Hintergrund
Kinder und Jugendliche lernen im Laufe ihrer Entwicklung die Welt kennen. Sie beobachten, fragen, probieren mit unerschöpflicher Energie und Phantasie. Um leben und wachsen zu können, brauchen sie Vertrauenspersonen, die ihnen Liebe und Geborgenheit schenken. Sie brauchen Unterstützung, Zärtlichkeit, Hilfe, Schutz und Sicherheit. Darauf sind Mädchen und Jungen angewiesen und darauf vertrauen sie. Erfährt ein Kind oder eine Jugendliche/ein Jugendlicher sexualisierte Gewalt, missbraucht eine Täterin oder ein Täter die Liebe, die Abhängigkeit oder das Vertrauen für eigene sexuelle Bedürfnisse – und setzt das eigene Bedürfnis nach Unterwerfung, Macht oder Nähe mit Gewalt durch. Sie/Er gefährdet die Lebens- und Entwicklungsgrundlagen und schädigt die Seele des Kindes oder der/des Jugendlichen.
Der VCP will Kinder und Jugendliche in ihrer positiven Entwicklung begleiten und unterstützen. In der Stufenkonzeption heißt es dazu:
„Grundlegendes Ziel von Pfadfinden ist die Begleitung von Kindern und Jugendlichen zum ‚mündigen Menschen’, der sich in der Gesellschaft zurechtfindet und seine Umwelt verantwortungsvoll mitgestaltet.“
Sexualisierte Gewalt ist jedoch trauriger Alltag. Täglich sind tausende Kinder und Jugendliche Situationen ausgesetzt, in denen ihre Grenzen achtlos, schamlos und brutal missachtet werden. Jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder achte bis zehnte Junge hat bereits mindestens einmal sexualisierte Gewalt erlebt. Sexualisierte Gewalt kommt so häufig vor, dass man davon ausgehen kann, in jeder Kindergartengruppe, in jeder Schulklasse, in jeder Jugendgruppe, in jeder Nachbarschaft oder Verwandtschaft Kinder und Jugendliche zu finden, die sexualisierte Gewalterfahrungen gemacht haben. Auch im VCP gibt es Mädchen und Jungen, die sexualisierte Gewalt erfahren bzw. erfahren haben oder die von ihr gefährdet sind.
Als VCP setzen wir uns mit dem Thema auseinander, weil wir Opfer und möglicherweise auch Täterinnen und Täter in unseren Reihen haben. Wir wollen uns unserer Verantwortung bewusst werden und Kinder und Jugendliche bestmöglich vor sexualisierter Gewalt schützen.
Das Thema sexualisierte Gewalt im VCP
Im Jahr 2005 beschloss der Bundesrat des VCP, sich des Themas explizit anzunehmen und Schulungen sowie Arbeitshilfen für den Verband zu entwickeln und das Thema auf breiter Basis zu behandeln. Zu diesem Zweck wurde vom Bundesrat die Arbeitsgruppe »AKTIV! gegen sexualisierte Gewalt« als Expertengruppe gegründet. Der herausgestellte Begriff AKTIV! unterstreicht, dass wir im VCP aktiv gegen sexualisierte Gewalt eintreten. Wir achten auf die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen und treten aktiv für ihr Wohl ein. Die Arbeitsgruppe entwickelte Vorlagen für die Diskussion in den Gremien des Verbandes, stand als Expertengremium beratend zur Seite und erstellte eine ausführliche Handreichung zum Thema.
Das Thema wird auf Landes- und Bundesebene zunehmend in Schulungen berücksichtigt. Auf allen Ebenen des Verbandes haben Personen in Multiplikatorenfunktion entsprechende Qualifizierungen erworben. Weitere Schritte sind die Entwicklung konkreter Präventions- und Interventionselemente sowie die Erstellung von Schulungskonzepten und -materialien für die Ausbildung und Fortbildung von Gruppenleitungen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
Die 38. Bundesversammlung 2010 des VCP hatte das inhaltliche Schwerpunktthema „Prävention sexualisierter Gewalt“. Dabei wurde einstimmig beschlossen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Bundesordnung zu verankern und ein Selbstverständnis zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in den Anhang der Bundesordnung aufzunehmen. Darüber hinaus wurde der Umgang mit einer individuellen Selbstverpflichtung auf Grundlage dieses Selbstverständnisses beschlossen. Selbstverständnis und Selbstverpflichtung liegen der Präventionsarbeit im VCP zugrunde.
Materialien
Der VCP hat verschiedene Materialien zu dem Thema herausgegeben, die die Prävention von sexualisierter Gewalt in den Blickpunkt des Verbandes rücken. Sie sollen Verantwortungsträgerinnen und –träger auf den verschiedenen Ebenen des Verbandes sensibilisieren, informieren und mit Handlungskompetenz ausstatten.
Aktuell liegt bereits die 2. Auflage einer ausführlichen Handreichung zu dem Thema mit Hintergrundinformationen und Anleitungen zum Vorgehen im Krisenfall vor. Außerdem gibt es die Selbstverpflichtung mit entsprechenden Hintergrundinformationen sowie eine Broschüre mit Anregungen und Methodenvorschlägen zur Behandlung des Themas in der VCP-Grundkursausbildung. Alle Materialien können über die Bundeszentrale kostenfrei bezogen werden.
Hier kann das Selbstverständnis des VCP heruntergeladen werden (beschlossen auf der 38. VCP-Bundesversammlung 2010).
Kontakt
Fachlicher Ansprechpartner innerhalb des VCP ist auf Bundesebene die Arbeitsgruppe „AKTIV! gegen sexualisierte Gewalt“.
E-Mail: ag.aktiv(at)vcp.de
Zuständiger Referent in der Bundeszentrale:
Tim Gelhaar
E-Mail: tim.gelhaar(at)vcp.de

Seite mit anderen teilen: