Das erste VCP-Bundeslager 1978

Ein Lager mit viel Raum für Eigeninitiative – so wünschten sich die Vorbereitenden das erste Bundeslager des erst fünf Jahre jungen VCP. Am 01.01.1973 war offiziell aus den beiden Mädchenbünden BCP und EMP sowie der Jungen-Pfadfinderschaft CP ein gemeinsamer evangelischer Verband entstanden. Dass nun zum ersten Mal Mädchen und Jungen im Alter von 11 bis 14 Jahren zusammen ein so großes Lager besuchten, dürfte im Vorfeld für manches Herzklopfen gesorgt haben… Das Logo aus verschränkten Zeltsilhouetten gab es als Brennzeichen auf einem Lederanhänger. Außerdem wurden zum ersten Bundeslager rote, heute giftig müffelnde Plastiktaschen hergestellt . Das abgebildete Exemplar trägt die Aufkleber der acht „Projektzentren“.

Themen und Projekte

In den „Projektzentren“ wurden verschiedenste Angebote zum Diskutieren, Gestalten und Erproben gemacht. Der Abenteuerspielplatz, das Spiel- und Sportzentrum und das Reisebüro luden zum Austoben ein. An den weiteren Themen wie „Zusammenleben“, „Mensch und Gott“ oder dem Verbands-Arbeitsschwerpunkt „Der Ort, an dem wir leben“ wird deutlich, dass der VCP auf der Suche nach neuer innerer Ausrichtung war. Parallel dazu wurde in den Jahren 1978 und 1979 zu einer verbandsweiten Standortbestimmung aufgerufen, aus der sich das Vorhaben „Pfadfinder für den Frieden“ als Wunsch der VCP-Mitglieder ergab. Mit der gewählten männlichen Wortform sollte sich offenbar auch das weibliche Pfadfinden angesprochen fühlen…

Alt und Neu nach `68

Auch wenn der radikale Aufbruch im Deutschland der 68er bereits einige Jahre her war, machten sich die Auswirkungen dieses ideellen Erdbebens in den Anfängen des VCP noch stark bemerkbar: Traditionell denkende CPer hatten sich vom neuen Verband abgewandt und 1976 die CPD e.V. gegründet. Noch 1980 verfasst „Karli“ eine Streitschrift zum christlichen Pfadfinden als „Plädoyer gegen den Ungeist“. Ein anderer Konservativer notiert zu seinem Besuch des VCP-Bundeslagers 1978: „In der Stadt Kirchberg begegneten uns die ersten Lagerteilnehmer in so unmöglicher, liederlicher Aufmachung, daß wir gleich umkehren wollten.“ Möglicherweise bezieht der ältere Herr sich auf die (gerade wieder aktuellen) Hotpants der Mädchen, die auch den Blick des VCP-Fotografen Gerd Pfetscher immer wieder anzogen . Der Alt-CPer kritisiert die „Revoluzzer“-Lieder im Lagerheft und fürchtet, der neue VCP-Bundesvorsitzende Hans-Jürgen Geischer sei „den Radikalinskis nicht gewachsen“. Dagegen lobt die Zeitung „Unsere Kirche“ am Kirchberger VCP-Lager, dass das Pfadfinden hier gar nicht mehr rückständig und überholt, sondern modern und offen daherkomme.

Daten und Fakten zum Lager bei Kirchberg

20.-30.07.1978
über 3000 VCP-Teilnehmerinnen und Teilnehmer
über 400 ausländische Gäste aus über 20 Ländern
Lagerbeitrag inkl. Verpflegung 120 DM
Lagerzeitung „Hunzbuckel“