Ein Rückblick auf das World Scout Moot in Island

von Franz Herling

Vom 22. Juli bis 12. August 2017 fand das 15. World Scout Moot in Island statt. Über 4.000 Pfadfinder*innen zwischen 18 und 25 Jahren aus über 90 Ländern waren nach Island gekommen, um ein Lager unter dem Motto „change – inspired by Iceland“ zu erleben. Dass das so reibungslos ablief ist auch den über 600 IST’ler*innen zu verdanken, die vom Programm bis zum Küchenzeltaufbau alle Aufgaben meisterten.

Im deutschen Ring-Kontingent aus über 170 Teilnehmer*innen waren auch 60 VCPer*innen vertreten, die sich vor dem Lager auf einem Zeltplatz in Reykjavik trafen, um in aller Ruhe die Stadt und das Umland der isländischen Hauptstadt zu erkunden. Mit der Eröffnungszeremonie in der Turnhalle nebenan gingen dann nämlich 10 verrückte Tage mit vielen neuen Freund*innen und Erlebnissen los und nicht nur aufgrund der hellen Nächte Islands gab es dann für alle erst einmal wenig Schlaf.

Nachdem im Trubel der tausenden Menschen und Bergen von Gepäckstücken und Lunchpaketen alle ihre Patrols aus zehn Teilnehmer*innen gefunden hatten, ging es mit Bussen in eins der zwölf verschiedene Expeditionszentren, die verstreut über Island lagen und ganz unterschiedlichen Charakter hatten: Vom nördlichen Akureyri direkt am Fjord, zu den verschiedensten Nationalparks oder den abgeschiedenen Vestmannaeyjar Inseln ohne Strom und Duschen waren alle Zeltplätze meist direkt in der wunderschönen isländischen Natur gelegen.

In den fast schon familiären Lagern mit 400 Teilnehmer*innen hatte man dann vier Tage Zeit sich gegenseitig kennenzulernen, viele neue Freundschaften zu schließen und die verschiedenen Ecken Islands zu erkunden, sei es zu Fuß, auf dem Boot oder im Bus. Tagsüber wurde gewandert, geklettert oder eins der zahlreichen Schwimmbäder besucht, abends gab es Lagerfeuerabende mit Spielen und Musik. Gekocht wurde in Tribes von 40 Personen, so dass jede Mahlzeit zum interkulturellen Abenteuer wurde: Von Pommes aus der Dose bis zu den verschiedenen Arten Reis zu zubereiten gab es reichlich Gesprächsstoff und viel zu lachen. Um Pfadfinden auch vor Ort zu repräsentieren, leistete jeder einen halben Tag Community Service, so dass die Teilnehmenden mit neu angelegten Wanderwegen oder reparierten Zäunen ihre Lagerplätze etwas besser zurück ließen, als sie sie vorgefunden hatten.

Die Zeit verging wie im Flug, doch der eigentliche Höhepunkt des Moots stand ja noch bevor, das gemeinsame Lager im Úlfljótsvatn Scout Center. Aus dem Isländischen Alþingi, also Thing, genannt, war es tatsächlich ein besonderes Zusammentreffen: Der Lagerplatz war kurzzeitig eine der zehn größten Städte Islands und so viele verschiedene Nationen haben sich offiziell noch nie in Island versammelt. Um diese Vielfalt richtig kennenlernen zu können, war der erste Tag International Day, an dem sich jedes Land vorstellen konnte. So hatte man einen ganzen Nachmittag Zeit, sich nicht nur über Pfadfinden in den verschiedenen Ländern zu informieren, sondern sich auch an den kulinarischen Köstlichkeiten eines jeden Landes satt zu schlemmen.

In den nächsten drei Tagen besuchte man dann tagsüber eines der fünf Programmzentren, die von sportlichen Aktivitäten, interkulturellen Kennenlernen oder isländischer Kultur verschiedene Schwerpunkte hatten. Abends gab es zahlreiche Cafes, ein Disko-Zelt oder ganz klassisch eine Lagerfeuerrunde, an denen man die hellen isländischen Nächte ausklingen lassen konnte, die auch dazu einladen Sonnenauf- und untergang auf den nahe gelegenen Hügeln oder am See zu genießen. Und dann stand schon das bittere Ende eines jeden Pfadfinderlagers auf dem Programm: Abschied nehmen nach zehn ereignisreichen Tagen. Gedämpft wurde die Traurigkeit mit den Einladungen zu Besuchen rund um die Welt, von Brasilien bis Kenia, von England bis Hongkong, Länder in denen man auf einmal zahlreiche (Pfadfinder-)Freund*innen hat.
Für die eine Hälfte des VCP-Kontingents ging es nun auf eine abenteuerliche Wanderung, der Landmannavegur stand auf dem Programm. Ein Weg, auf dem man in fünf Tagen und 82 km einmal durch alles, was die atemberaubende isländische Natur bietet, wandern kann: An Schwefelfeldern, grünen Hügeln, regenbogenfarbigen Bergen und Gletschern vorbei.

Für die andere Hälfte ging es mit dem Auto einmal um Island herum. Auf 1.600 km Straße, mal geteert, mal geschottert, konnte man die verschiedenen Ecken Islands erkunden und feststellen, dass dieses Land alles zu bieten hat: schwarze Lavastrände, heiße Quellen und bizarren Felsformationen, genauso wie eine einzigartige Tierwelt mit Walen, Papageientauchern und Islandponies.

Nach den beiden Nachtouren wieder zusammen im Skaftafell Nationalpark, direkt am Gletscher gelegen, fiel es allen schwer so kurz vor der Abreise den besten Höhepunkt des Moots und der Zeit in Island zu nennen. So vielfältigen waren die Eindrücke und so unterschiedlich die einzelnen Erlebnisse. Einig waren sich alle, dass das Moot unvergesslich bleiben wird und man jeder und jedem nur empfehlen kann selber hinzufahren. Glücklicherweise gibt es auch ein 16. World Scout Moot 2021, dann in Irland. Wie soll man es nur so lange ohne Mooooot aushalten?

15th World Scout Moot 2017 in Island

 

Tolle Zusammenfassung des Moots und des Gastgeberlandes Island.

Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus aller Welt tanzen in einem Musikvideo als Vorbereitung aufs Moot 2017.