Kuscheltiere Verboten!

Eine Reise zum Taj Mahal

Nach einer so spannenden und interessanten wie auch anstrengenden Woche als Teilnehmende der deutschen Delegation auf der WAGGGS Weltkonferenz in Neu-Delhi, Indien heißt es für die meisten der Delegation wieder zurück nach Deutschland, nach Hause, zum Studium, zu Arbeit.

Aber nicht für uns! Sören, 23 VCP Heide, Junger Delegierter und Fabian, 87, VCP Sonthofen, Internationaler Beauftragter WAGGGS machen sich nach einer Woche Konferenz-Parallel-Welt auf für eine gute Woche das „echte“ Indien zu erleben!

Angedacht ist das „Golden Triangle“ mit dem Zug zu bereisen. Also im Dreieck von Delhi nach Jaipur und dann über Agra zurück nach Delhi. Mit dem Zug gut zu machen, aber im Sinne des großen Improvisationstalents von Pfadfinder*innen, am ersten Reisetag noch nichts gebucht.

Also auf vom Flughafen Hotel in die Innenstadt von Neu Delhi zum Schalter. Hier erwartet uns ein extra Ticketschalter für Touristen an dem 2 von 8 Schaltern besetzt sind und wir das erste Mal so richtig die Indische Gelassenheit erleben dürfen. Schlappe 2 Stunden später haben wir unsere Zugtickets.

Nach zwei Übernachtungen in Delhi inklusive Besichtigung des Red Forts, einer alten Maharadscha Festung, geht es los zur ersten Etappe der Reise nach Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Radjastan.

Delhi <-> Jaipur

Schon am Bahnhof von Delhi wartete die erste positive Überraschung auf uns. An einem Wagen des Fernzuges in Richtung Westindien standen tatsächlich unsere Namen auf einer Liste. Was am Vortag beim Ticketkauf noch sehr konfus wirkte, war am Ende erfolgreich.
Nachdem wir es uns auf unseren Plätzen inkl. Bett gemütlich gemacht hatten, ging es auch schon los. Langsam fuhr der Zug über die Gleise, vorbei  an spielenden Kindern an den Gleisen, Mülldeponien, Hochhaussiedlungen und Slums immer weiter raus aus der Millionenmetropole Delhi. Im Zug wurde es ruhiger und bei indischem Tschai konnte man während der untergehenden Sonne träumen und die Welt vorbeiziehen sehen.

Jaipur

Unseren nächsten Aufenthalt wählten wir in der Stadt, die 1727 von Maharaja Jai Singh II. (1686–1743) als neue Hauptstadt des Fürstenstaates Jaipur gegründet und nach den Lehren der Shilpa Shastra erbaut. Jaipur wird wegen der einheitlich rosaroten Farbe der Gebäude im Altstadtviertel „Pink City“ („rosa Stadt“) genannt. Den Anstrich erhielt sie 1876 in Vorbereitung auf den Besuch von Kronprinz Albert Eduard, Prince of Wales. Rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe der Gastlichkeit. Gastlich aufgenommen fühlten wir uns ganz besonders in unserer Unterkunft zu goldenen Tulpe. Hier konnte man etwas Abstand vom Trubel der quirligen, turbulenten und dreckigen Stadt Delhi gewinnen. Sei es beim Schlendern über die Märkte der Pink City, dem Besuch der Sternwarte (UNESCO Weltkulturerbe) oder des Palasts der Winde.
Ganz besonders gefiel und das Amber Fort etwas außerhalb von Jaipur. Nach einer längeren, gemütlichen Rickscharfahrt vorbei  an sich im Straßenverkehr bewegenden Kamelen gelangt man an das imposante Gebäude, welches förmlich zum Versteckspielen einlädt. Die riesige Palastformation aus unzähligen Gängen, Räumen und Treppen wurde aus Königspalast konzipiert. Besonders sehenswert ist der Spiegelsaal gewesen, dessen Inneres mit einer Vielzahl von kleinen Spiegeln dekoriert ist.

Jaipur <-> Agra

Nach den zwei Tagen in Jaipur fuhren wir weiter mit dem Zug in 8 Stunden nach Agra. Ein Glück hatten wir die Zugtickets schon im Vorhinein in Delhi gekauft. Wie schon eingangs erwähnt ist der Ticketkauf in Indien etwas komplizierter.  Dadurch konnten wir noch einen Snack in der typisch, indischen Bahnhofskneipe zu uns nehmen und das Treiben der Menschen beobachten. Auch in diesem Zug gab es Betten für uns, sodass die Fahrt beim uns vor der Fahrt durch Fuchs (BdP) zugespielten Soundtracks „Mein Kalender“ und „Die beste Zeit im Leben“ wie im Nu verging.

Agra

Taj Mahal

In Agra angekommen ist es schon Nacht und nur noch die Silhouette des Taj Mahal über der Stadt zu erkennen. Nicht schlimm, wir treffen uns eh erst noch mit einer Gruppe Pfadfinderinnen aus Norwegen, die wir auf der Konferenz kennengelernt haben und die die gleiche Reiseroute genommen haben, zum gemeinsamen Abendessen. Im Gespräch lernen wir, dass es wohl leider doch noch angebracht ist als Frau mit blonden Haaren und heller Haut in Indien sehr darauf bedacht zu sein nicht alleine unterwegs zu sein. Alle drei haben sich so zum Beispiel Plastikringe als Eheringe gekauft, da man anscheinend zu häufig angesprochen wird ob man denn schon verheiratet wäre. Ein unschöner Eindruck von einem Land das einen ansonsten sehr beeindruckt und von seiner Herzlichkeit einnimmt.

Am nächsten Morgen dann also sehr früh los um vorne in der Schlange am Taj Mahal zu stehen. Bei der sehr gründlichen Taschenkontrolle am Eingang wird dann schließlich leider unserem internationalen Maskottchen Miles der Eintritt verwehrt: Kuscheltiere verboten!

Obwohl man das Taj Mahal schon zigmal auf Bildern gesehen hat und eigentlich sehr genau weiß wie es aussieht, ist man dennoch mehr als beeindruckt wenn man schließlich davor steht! Durch die mit Koranversen verzierten Portale gelangt man in die Haupthalle, die kleiner ist als gedacht. In dieser befinden sich die Grabmale für den Erbauer des Taj Mahal und seine Geliebte, für die er das Taj Mahal errichten nach deren Tod als Symbol ihrer Liebe bauen ließ.

Agra <->Delhi

Noch am selben Tag ging es abends weiter mit dem Expresszug von Agra nach Delhi. Tatsächlich ist dieser vergleichbar mit den ICs der deutschen Bahn, nur dass es hier auf einer Seite 2 Sitz nebeneinander und auf der anderen 3 Sitze nebeneinander gibt. Ganz im Stil von Flugzeugessen bekommt hier auch jeder Fahrgast eine Mahlzeit auf einem Plastiktablett serviert.

In Delhi angekommen geht es zurück in das Hotel in dem wir während der Konferenz als Delegation untergebracht waren, da wir hier auch einen Teil des Konferenzgepäcks gelagert haben.

Delhi

Ein letztes Mal stürzten wir uns ins Getümmel der indischen Hauptstadt, um Geschenke, Gewürze und das eine oder andere Produkt aus Kaschmir zu kaufen. Ausgeklungen ist der letzte Abend dort, wo der erste für uns in Indien begonnen hat.  Es ging  ins Konferenzhotel in Delhi, wo wir überraschenderweise ein letztes Mal auf die drei Norwegerinnen trafen. Sören verdiente sich als „Billard Coach“ von zwei  Indischen Geschäftsmännern das eine oder andere Kaltgetränk. Damit endete auch der letzte Abend in Indien und der Refrain aus Fuchs Lied, der uns während der Nachtour begleitete brachte uns in den Schlaf nach einer von Abenteuer und interessanten Begegnungen gespickten Tour durch Indien.
„Es ist die beste Zeit im Leben, spontan, offen und herzlich durch fremde Länder zu ziehen und neues auszuprobieren und kennenzulernen.“

 

Die WAGGGS-Weltkonferenz in Indien