Porträt Gisela Tidow, geb. Pöhlmann (1938-2016)

Giselas Zeit als Pfadfinderin begann in der EMP-Schar St. Michael in Hildesheim. Später leitete sie als Scharälteste verschiedenste EMP-Gruppen. Einer ihrer Jahresberichte von 1958 ist gekennzeichnet vom aktiven Glaubensleben: „Um ihnen gleich deutlich zu machen, daß es sich bei uns um mehr handelt als als naturverbundener Mensch durch Felder und Wälder zu streifen, habe ich schon bei den ersten Scharstunden (…) die Bibelarbeit in den Mittelpunkt gerückt.“

Im Gelnhauser Burckhardt-Haus des Ev. Verbands weiblicher Jugend Deutschlands, dem der EMP zugeordnet war, gewann Gisela ein Jahr lang Erfahrungen in der Wirtschaftsstelle. Danach war sie im Hauptberuf als Gemeindehelferin tätig, zugleich aber stets im EMP Niedersachsen engagiert. Das fröhliche Foto zeigt sie – in dunkelblauem Führerinnen-Kostüm – auf dem Sommerlager 1962 in Sachsenhain bei einem der beliebten Volkstänze.

Von 1962 bis 1966 arbeitete sie als hauptamtliche Referentin des EMP im Bereich der Landeskirche Hannover im Landesjugendpfarramt. Dort lernte sie Pfarrer Peter Tidow kennen und heiratete so spontan, dass sie das vorgesehene Amt der EMP-Bundesreferentin doch nicht antreten konnte. Statt ihrer wurden Barbara von Cappeln (geb. Gruner) und Gisela Bögershausen (geb. May) berufen. Gisela B. erinnert sich: „Als Delegierte in der Bundeskonferenz – vor allem in der Zeit der letzten Neuformulierung der Bundesordnung, und später dann bei den Diskussionen zur Frage der Fusion – waren nicht nur Giselas Gedanken und Beiträge hilfreich, sondern auch ihre Fähigkeit, diese zu formulieren. Sie überzeugte durch sachlich fundierte Argumentation.“ Ihre Bedeutung im Verband, aber auch ihr Wortwitz und Ideenreichtum zeigen sich beispielhaft in ihrer Abschiedsrede für Bundesmeisterin Elisabeth Beyersdörfer auf der Bundeskonferenz 1970 – im Bild ihr Manuskript.
Mit ihrem Mann bekam Gisela Tidow drei Kinder und drei Enkelkinder, engagierte sich in der überregionalen Pfarrfrauenarbeit und gab Religions-Unterricht. Von 1975 bis 1986 war ihr Mann Propst im niedersächsischen Lüchow-Dannenberg, wenige Kilometer vor der Grenze zur damaligen DDR. Dort unterstützte sie die kirchlichen Proteste und Aktionen gegen die Castor-Transporte zum nahegelegenen Atommüll-Endlager Gorleben. Schon 1978 hatte auch der VCP Niedersachsen eine Parzelle des Geländes angekauft, um den Bau der Lagerstätte zu verhindern. Auf der Superintendenten-Stelle in Verden waren Gisela und ihr Mann dem Sachsenhain sehr nahe, der für sie persönlich, aber auch für den EMP, die CP und später den VCP in Niedersachsen sehr wichtig war und für dessen Arbeit sie sich stark engagierten. Sie hätten gern dort im Herbst diesen Jahres ihre Goldene Hochzeit gefeiert.

Zum VCP Niedersachsen hielt Gisela stets Kontakt und besuchte gelegentlich die Erwachsenen-Treffen. Ihre langjährige Verbands-Erfahrung trug entscheidend zur Entstehung der vom VCP herausgegebenen „Geschichte des Evangelischen Mädchen-Pfadfinderbundes EMP“ bei. Glaubensstark ging Gisela Tidow in ihrer zuletzt schweren Krankheitszeit dem Lebensende zu. „Herr, wohin sollen wir gehen?“ Joh.6, 68. Sie sagte: „Zu dir, Herr, wohin denn sonst?“