Was macht der VCP gegen Rechts? Podiumsdiskussion beim Kirchentag

Von Mareike Schwartz

Darf ich mit meiner Gruppe in Kluft auf eine Demo gegen Rechts? Wie gehen wir mit der AfD um? Und was ist mit rechten Menschen in den eigenen Reihen? Um diese Fragen ging es bei der vom VCP initiierten Podiumsdiskussion „Jugendverbände gegen Rechts“ auf dem Kirchentag 2017.

Podiumsdiskussion „Auf die Plätze gegen Hetze“ auf dem Kirchentag. Foto: Lena Dohmann


Mit dabei waren auch Gäste von anderen Verbänden: Lisi Maier vertrat den BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), Lutz Hüser war für die Malteser Jugend dabei und Robert Kreyßing sprach für den dbb beamtenbund und tarifunion jugend. Fabienne Schwartz, Referentin für Bildung in der VCP-Bundesleitung, komplettierte die Runde, die von Esther Koch, der hauptberuflichen Bildungsreferentin des VCP, moderiert wurde.

Die verschiedenen Verbände stellten zunächst nacheinander ihre Organisation und aktuelle Projekte gegen Rechts vor. Dabei konnte man sehen, dass die Verbände zwar unterschiedliche Kernthemen haben, aber dass der Umgang mit und Aktivität gegen Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus als immer zentraler wahrgenommen werden und die Mitglieder sich klare Positionierungen und Arbeitshilfen wünschen.
Der VCP stellte hierbei unter anderem die neue Kampagne „Auf die Plätze gegen Hetze“ vor, die gerade mithilfe eines lustig-lehrreichen Heftchens um die Geschichte der „deutschen Pfadikartoffel“ in Gang gesetzt wurde.

Per Kärtchen durfte sich aber auch das Publikum mit kritischen Fragen in die Diskussion einmischen. So ging es zum Beispiel darum, ob sich parteilose Jugendverbände überhaupt politisch engagieren sollten und dürfen. Fabienne vertrat dabei die Auffassung, dass die Werte, die der VCP vertritt, durchaus zu einer Teilnahme an einer Demo gegen Rechts ermuntern können, wir aber als Verband parteineutral bleiben müssen. Die anderen Verbände stimmten dem zu und Lisi vom BDKJ ergänzte, dass wir in Gruppenstunden Raum für Dialog auch über politische Themen schaffen sollten, in dem alle Positionen gehört und kritisch hinterfragt werden.

Zur Frage nach dem Umgang mit der AfD kamen die Vertreter*innen zu keiner endgültigen Antwort. Lutz von der Malteser Jugend hob hervor, dass wir den Dialog nicht von unserer Seite abbrechen dürfen. Alle waren sich aber einig, dass wir im Gespräch darauf achten müssen, auf Populismus nicht selbst mit einfachen Parolen zu antworten. Außerdem sollte auf ein Gleichgewicht beispielsweise in der Redezeit geachtet werden, um Populismus keinen zusätzlichen Raum zu bieten.

Zurück beim Thema Rechtsradikalismus ging es um Leitlinien zum Umgang mit Rechten in den eigenen Reihen und wie und ob man diese überhaupt erkennt. Alle Verbände sahen Bildungsangebote, Schulung der Gruppenleitungen und vielfältige Prävention als zentrale Maßnahmen im Kampf gegen Rechts.

Den Abschluss bildete eine kurze Diskussion darüber, wie neue Zielgruppen aus unterschiedlichen sozialen Milieus für die Jugendarbeit besser erreichen werden können. Außerdem wurden Erfahrungen zu den Kampagnen gegen Rechts in den verschiedenen Verbänden geteilt. Der BDKJ, dessen Kampagne am längsten läuft, sagte zwar, dass Verbandsmitglieder sich dadurch von Rechten angreifbarer gemacht hätten, was die anderen Verbände aber vor allem dazu ermutigen sollte, geschlossen weiterzumachen und den Mitgliedern alle Unterstützung zuzusichern, die sie benötigen. Die Malteser Jugend erlebte das ähnlich und hob außerdem hervor, dass das Engagement der Mitglieder gegen Rechts auch zu einem stärkeren Zusammenhalt geführt habe. Fabienne vom VCP betonte noch einmal die wichtige Rolle von Jugendarbeit in der Radikalismusprävention und wies darauf hin, dass wir auch von anderen Ländern und Gruppen lernen können, die mit ähnlichen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen ringen.

Die Repräsentant*innen nahmen sich vor, zukunftsfähig Strukturen und Strategien in den Verbänden aufzubauen, um stärker für Vielfalt, Partizipation und Dialog einzustehen und hoffen auf eure Mithilfe bei der Verbreitung der Kampagne „Auf die Plätze gegen Hetze“.