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Was soll ich tun?

„Ich habe einen Verdacht“ - Krisenplan im Verdachtsfall

Folgende Schritte sind hilfreich:

  • Ruhe bewahren! Nicht voreilig und unbedacht handeln
  • Dokumentieren! Überlege, woher die Vermutung beziehungsweise der Verdacht kommt. Schreibe Anhaltspunkte für den Verdacht auf (Falldokumentation, s. u.).
  • Sprich mit jemandem! Du fi ndest Rat und Hilfe bei einer VCP-Vertrauensperson, bei deiner Orts-/Stammesleitung, bei einer Fachberatungsstelle oder bei einer erwachsenen Person deines Vertrauens (z. B. Eltern oder Lehrer). Schildere deine Beobachtungen und Eindrücke und lass dich für das weitere Vorgehen in dem konkreten Fall beraten.
  • Gesprächsangebote machen: Biete dem Kind oder Jugendlichen ein Gespräch an. Akzeptiere, wenn es abgelehnt wird.
  • Grenzen erkennen: Erkenne eigene Grenzen und Möglichkeiten und akzeptiere sie.

Auf keinen Fall:

  • sofort die Familie informieren,
  • die mutmaßliche Täterin oder den mutmaßlichen Täter informieren,
  • sofort die Polizei oder eine Behörde einschalten.

„Jemand hat mir von einem Vorfall sexualisierter Gewalt berichtet“ Krisenplan im Mitteilungsfall

Folgende Schritte sind im Gespräch mit der/dem Betroffenen hilfreich:

  • Ruhe bewahren! Nicht voreilig und unbedacht handeln.
  • Glaube dem Kind oder Jugendlichen und nimm seine Äußerungen ernst.
  • Versprich nichts, was du anschließend nicht halten kannst, z. B. niemandem etwas davon zu erzählen. Sage lieber: Da muss ich mir jetzt selbst erst einmal Rat holen. Stimme dein Vorgehen mit der/dem Betroffenen ab.
  • Versichere der/dem Betroffenen, dass sie/er an dem Geschehen keine Schuld hat und dass es richtig war, sich dir mitzuteilen. Keine Vorwürfe machen.
  • Biete dem Kind oder Jugendlichen an, dass sie/er jederzeit wieder zum Gespräch kommen darf. Akzeptiere, wenn es abgelehnt wird.
  • Versuche nicht, das Erzählte herunterzuspielen (»Ach, das ist doch nicht so schlimm.«) oder aufzubauschen. Höre einfach zu und versuche zu verstehen, ohne zu werten. Jetzt zählt nicht, wie es dir in der Situation ginge, sondern wie es der/dem Betroffenen geht.
  • Vermittle der/dem Betroffenen, dass du es aushältst, wovon sie/er dir erzählt. Wenn Kinder oder Jugendliche spüren, dass sie bei dir große Angst, Panik, Bestürzung oder übermäßige Betroffenheit auslösen, haben sie oft das Gefühl, dich zu überfordern und ziehen sich dann wieder zurück.

Folgendes ist nach dem Gespräch hilfreich:

  • Behandle das Gespräch vertraulich. Erzähle nur denjenigen davon, bei denen es wichtig ist.
  • Fälle keine Entscheidung über den Kopf des Kindes oder Jugendlichen hinweg. Stimme das weitere Vorgehen mit der/dem Betroffenen ab.
  • Protokolliere Aussagen und Situationen des Gesprächs. Trenne den Tatsachbericht von eigenen Interpretationen.
  • Sprich mit einer (nicht involvierten) erwachsenen Person deines Vertrauens, z. B. deinen Eltern oder einem Lehrer.
  • Berichte der Vertrauensperson im VCP von dem Vorfall.
  • Kontaktiere in Absprache mit der Vertrauensperson eine Fachberatungsstelle, schildere Beobachtungen und Eindrücke und lass dich für den konkreten Fall beraten.
  • Stelle sicher, dass sich die/der Betroffene nicht ausgegrenzt oder bestraft fühlt (z. B. durch eine Sonderbehandlung, Heimschicken, etc.).
  • Erkenne und akzeptiere deine eigenen Grenzen und Möglichkeiten.

Auf keinen Fall:

  • sofort die Eltern der/des Betroffenen gegen den Willen des Kindes oder Jugendlichen informieren,
  • die mutmaßliche Täterin oder den mutmaßlichen Täter informieren,
  • ein gemeinsames Gespräch mit Betroffenen und mutmaßlicher Täterin/mutmaßlichem Täter initiieren,
  • sofort die Polizei oder eine Behörde einschalten.


Weitere Informationen findest du in der Handreichung „achtsam & aktiv im VCP“.