„Burgen von vielen Händen erbaut, trotzen den Wettern und Winden …“

Kreuz und quer durch die Ruinen in Pfälzerwald und Nordvogesen

Till Schöllhammer

Vollgepackt mit Abenteuern, mit Wildnis und großen Erlebnissen, mit Gruppe,Freundschaft und Gemeinschaft – so sollte ein waschechter Fahrtenbericht sein.

Ganz so ist dieser Fahrtenbericht jedoch nicht – vielleicht klingt er eher wie der Bericht aus einem Reiseführer. Doch er speist sich aus einem Sammelsurium solcher tollen Erfahrungen, gesammelt auf einigen kurzen Fahrten zu verschiedenen Jahreszeiten in diesem wunderschönen Fahrtengebiet. Er soll so dazu anregen, diese Region selbst zu erwandern, statt nur von großen Abenteuern zu lesen!

Der Pfälzerwald ist an sich schon ein tolles Wandergebiet – besonders erlebnisreich präsentiert er sich aber an der Französischen Grenze, wo er auf die Nordvogesen stößt. Zwischen Dahn und Lembach erstrecken sich kilometerweite Wanderwege durch Wälder, über Wiesen und die vielen Hügel der Region. Roter, zerklüfteter Sandstein prägt das Bild – und unzählige Burgruinen, die zum Ausschauen, Klettern und sich ins Mittelalter träumen einladen. Und außerdem findet man in den Höhlen und Erkern dieser Ruinen immer einen trockenen Platz zum Schlafen oder Rasten.

Noch geradeso mit Bus und Bahn zu erreichen bietet Budenthal einen guten Ausgangspunkt. Eine für den Anreisetag noch passende Abendetappe entfernt kann man sich zum Beispiel zur Wegelnburg oberhalb von Nothweiler durchschlagen oder man sucht sich schon auf dem Weg in Wald oder Schutzhütte einen Schlafplatz. Hat man dann die Burg erklommen, kann man dort den Tag ausklingen lassen und die Schlafsäcke ausrollen. Alternativ steht ein paar Meter weiter unten und nur einen Steinwurf vom Deutsch-Französischen Grenzstein entfernt eine kleine Schutzhütte. Für eine Gruppe von sechs Leuten recht eng, aber umso gemütlicher.

Außerdem stellt man schon hier fest, dass die Region bereits seit Jahren ein kleines Fahrtenparadies für Pfadfindergruppen ist – mit Kreide haben sich so einige Gruppen an der Decke und den Balken verewigt.

Am nächsten Morgen hat man dann die Qual der Wahl Hohenbourg, Loewenstein, Fleckenstein, Froensbourg, Wasigenstein, Arnsbourg? Welche Runde geht man und wie viele der Burgenruinen und Sandsteinfelsen nimmt man mit? Wer mag kann sich ganz frei treiben lassen, selbst wenn er keine Kohte eingepackt hat. Einen Schlafplatz findet man zwischen Ruinen und Schutzhütten auf jeden Fall. Besonders schön und urig fand ich – gerade im tiefen Winter – den „Stall“ der Froensbourg. Eine große Sandsteinhöhle direkt an der Ruine in der ein halboffener Brunnenschacht geradezu einlädt, ein kleines, heimliches Feuer zu machen. Auch hier beweisen die eingeritzten Symbole ganz verschiedener jugendbewegter Bünde, dass ihr garantiert nicht die ersten seid, die hier lagern oder Lieder singen.

Wem das noch nicht genug ist, der bricht von hier tiefer nach Frankreich hinein auf – die Vogesen bieten sich für Großfahrten bestens an. Wer zurück zu Zivilisation und Bahnhof muss, kann oberhalb von Budenthal noch eine für die Jugendbewegung wichtige Burg mit nehmen – die Drachenfels auf der 1921 der Nerother Wandervogel gegründet wurde der unsere großen Auslandfahrten und viele unserer Lieder prägte. Also macht euch auf und startet in euer eigenes Abenteuer!