Der Stamm Jan Hus aus Konstanz

vorgestellt von Philipp Roller

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Seit 2005 gibt es auch im südlichsten Süden des schönen Baden einen VCP-Stamm. Er hat sein Heim in Konstanz, der Stadt am Bodensee, in dem man zeitweise mehr Schweizer im Kaufrausch als Einwohner trifft. Doch hier soll es nicht um kauftrunkene Schweizer gehen, denn in dieser Stadt fand noch etwas anderes, für uns viel Interessanteres statt. Und das schon vor 600 Jahren, genauer gesagt im Jahre 1414 – 1418: das Konstanzer Konzil.

Zurzeit feiert die Stadt das Jubiläum besagten Konzils, das von 2014 bis 2018 mit Themenjahren und Veranstaltungen verschiedenster Art geschmückt ist. Gerade haben wir noch das Jahr der Gerechtigkeit, das sich zum Hauptthema gemacht hat, an den Theologen Jan Hus zu erinnern:

Jan Hus war im Laufe des Konzils verurteilt und verbrannt worden, nachdem er freiwillig nach Konstanz gekommen war, um seine Lehren zu verteidigen. Doch Jan Hus ist trotzdem kein vergessener Name, der nur noch auf einem Gedenkstein steht, denn genau so heißt unser kleiner Stamm im Süden, der 2005 gegründet und 2007 als Stamm im VCP Baden anerkannt worden ist.

Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder vom Stamm Jan Hus können dieses Jahr stolz ihr 10-jähriges Bestehen feiern. Wir reden hier von einer Gruppe aus drei Sippen, einer Ranger/Rover-Gruppe und einer großen Meute (Kindergruppe) reden, nicht zu vergessen die Stammesleitung und zahlreiche Freundinnen und Freunde und Ex-Pfadis, die nun verteilt über die Welt leben – also insgesamt 50 Leute. Ihr seht: Der Stamm Jan Hus ist ein recht kleiner und junger Stamm. Doch die Bilanz an Lagern und einer Menge junger Pfadis, die sich verzweifelt nach dem ersten Stammeslager sehnen, ist beachtlich. Nicht jeder Stamm kann behaupten so international zu sein wie wir Konstanzer. Denn, ob es nach England, Schweden oder sogar Japan geht, kein Weg ist uns zu weit, um neue Freunde kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Auf dem World Scout Jamboree in Japan waren wir gemeinsam mit palästinensischen Pfadigruppe zusammen, damit wir gemeinsam eine Unit bilden konnten.

Im Laufe des Jahres finden eine Menge größerer (Stammes-) Events statt: „Anzelten“ direkt am See, das Verteilen des Friedenslichtes und der alljährliche Konstanzer Flohmarkt, an dem wir mit unserem Frühstücksstand nicht fehlen dürfen. Und, ganz ehrlich, wer bekommt nicht gerne morgens um 6 Uhr früh eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen an den Verkaufsstand gebracht? Das morgendliche Rumziehen mit dem Bollerwagen auf besagtem Flohmarkt ist bereits Tradition geworden!

Und wenn es mal nicht kalt und verregnet ist, kann der Konstanzer Stamm wohl als einziger damit angeben, in den Gruppenstunden eine erfrischende Abkühlung im nahegelegenen See zu finden. Wenn der Kopf mal wieder raucht, ist es obligatorisch, eine Auszeit im kühlen Nass zu suchen. Da wäre auch Jan Hus persönlich neidisch geworden…

Jans Hus

Jan Hus wurde um 1370 in Husinec in Südböhmen geboren. Wohl um 1390 kam er als Student an die Universität Prag, wo er 1396 zum Magister promovierte. Danach lehrte Hus selbst und besuchte gleichzeitig die theologische Fakultät. Mit seiner Priesterweihe 1400 begann seine öffentliche Predigertätigkeit, ab 1402 an der Bethlehemkapelle in Prag. Seine Predigten wiesen sehr früh kirchenkritische und reformorientierte Züge auf. Zu dieser Zeit verbreiteten sich die Lehren John Wyclifs in Prag. Hus teilte mit Wyclif etwa die Überzeugung, die Bibel als einzige Autorität in Glaubensfragen anzuerkennen. Hus wurde für die kirchenkritische Bewegung nun immer wichtiger. Er genoss weiterhin großes Ansehen und wurde 1409 sogar Rektor der Universität Prag.

Papst Alexander V. erließ eine Bulle, die ein Verbot von Volkspredigten in Böhmen und Mähren beinhaltete. Dies zielte auch auf die Predigertätigkeit von Jan Hus, der sich aber über dieses Verbot hinwegsetzte. 1411 schließlich verhängte Papst Johannes XXIII. den Kirchenbann über Hus. Bald folgte sein Ausschluss aus der Universität. Hus verließ daraufhin Prag und lebte in den folgenden Jahren auf verschiedenen Burgen seiner adligen Unterstützer.

1414 reiste Hus auf Drängen König Wenzels und König Sigismunds und unter Zusicherung freien Geleits zum Konstanzer Konzil. Dort erfolgte nur wenig später seine Verhaftung. Am 6. Juli 1415 wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Quelle: http://www.konstanzer-konzil.de/

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