Sehnsucht nach Freiheit… beim Pfadfinden

Pfadfinden – das bedeutet für uns Freiheit. Auch bei Entscheidungen. Aber wie frei ist man wirklich?
Zu dieser Frage wurde in der Redaktion kontrovers diskutiert.

„Jugend führt Jugend – bei uns im Stamm ist mit 18 Schluss. Oder mit Schulabschluss oder Ausbildungsende. Wir haben keine Studentinnen oder Studenten. Ältere sollen im Hintergrund mithelfen. Das Erwachsenenhalstuch heißt bei uns Rentnerhalstuch.“

„Unsere Kompetenzen kommen daher, weil wir schon früh Verantwortung übernehmen dürfen.“

„Beim internationalen Pfadfinden leiten oft Erwachsene. Das widerspricht unserem pfadfinderischen Prinzip.“

„Ich habe Freunde bei den Gemeindepfadfindern, die beneiden uns darum, dass wir selbst so viel machen dürfen. Dort ist es anders: Sie müssen sich dem Willen des Pastors beugen. Sie dürfen keine Verantwortung übernehmen. Die sind 16 oder 17 Jahre alt und dürfen noch nicht mal beim Stammeslager mitplanen. Sie sagen immer: Ihr dürft viel mehr als wir.“

„Bei uns gibt’s aber auch so Gemeindepädagogenstämme, da läuft das genauso.“

„Es gibt aber auch andere Beispiele. Bei uns im Land gibt es große Stämme, die hauptberuflich aufgezogen wurden. Da haben die Gemeindepädagogen sehr genau drauf geachtet, dass sie gleich Leute heranziehen, die das übernehmen.“

„Was auch gar nicht geht – Eltern als Leitungen in der Kinderstufe.“ „Da gibt’s aber auch Gegenbeispiele. Wir haben einen Stamm, den Pfadi-Eltern gepuscht haben. Das ist jetzt einer der größten Stämme im Land.“

„Man kann auch zu jung sein. Ich war mit fünfzehn Gruppenleiterin und fühlte mich in dieser Rolle einfach zu jung. Ich bin da so reingestoßen worden: Du kannst das schon! Und ich fühlte mich völlig überfordert. Das war auch ein Problem der mangelhaften Kompetenzvermittlung.“

„Bei uns sind die Gruppenleitungen, die Verantwortung bekommen haben, richtig aufgeblüht.“

„Was passiert, wenn man als Gruppenleitung oder Stammesleitung mehr oder weniger aufgefordert wird, zu gehen? Ja, das kann frustrierend sein, aber das ist auch die Chance für was Neues. Ich war auch ein traurig, als ich aus Altersgründen mein Sprecheramt abgegeben habe, aber dann hab ich mich bei einem anderen Projekt engagiert. Das hat mir viel Freude gemacht, da mache ich auch weiter.“

„Ehrlich, ich hab Sehnsucht, dass man Verständnis für diese Situation aufbringt! Wie blöd sich das anfühlt, wenn man gehen soll.“

„Und ich hab Sehnsucht nach besserer Vorbereitung auf ein Amt und eine Aufgabe.“

„Aber wenn man früh Verantwortung übernimmt, erfährt man doch, dass Mitmachen Spaß macht und Erfolg bringt! Aber Kontinuität ist auch wichtig – wenn man Erfahrene im Hintergrund hat, die man fragen kann.“

„Aber ich finds auch schwierig: Da zieht sich jemand offiziell zurück, aber manipuliert im Hintergrund. Manipuliert ist ein fieses Wort, ich sag mal – zieht die Fäden…“

„Bei uns im Land gibt’s unabhängige Älterenschaften, die können ihr eigenes Programm machen. Freundeskreis, Fördervereine… Das ist doch viel besser, als wenn Ältere im Stamm mitmachen wollen.“

„Viele Ältere bringen aber das Argument: wir zahlen, wir wollen was zu sagen haben!“

„Mal ehrlich: wenn sie die Idee von Pfadfinden wirklich ernst nehmen, verbietet sich der Wunsch nach Einflussnahme doch von selbst.“