100 Jahre graue Tracht

Die Entwicklung von Tracht und Zeichen der CPD und des VCP von 1921 bis heute.

Wie sahen die Christlichen Pfadfinder eigentlich früher aus? Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) und ihrer Zeitschrift anp werfen wir einen Blick zurück.

von „Kreuzi“ Henning Eimer

 

1921-1937 Zwischen den Weltkriegen

Seit dem deutschlandweiten Zusammenschluss der Christlichen Pfadfinderschaften 1921 zur CPD ist das graue Fahrtenhemd ihr unverändertes Zeichen. Es setzt sich ab 1921 allmählich durch und soll zum Frieden mahnen, indem es an die feldgrauen Uniformen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Pfadfinderbrüder erinnert. Es weist zwei Brusttaschen mit Falte, einen zuknöpfbaren Kragen sowie Schulterklappen auf. Das erste Bundeszeichen der CPD ist das im ersten Weltkrieg entworfene Pfadfinderkreuz, das von den erwachsenen Mitgliedern als Metallanstecker auf der linken Brusttasche getragen wird. Zu dieser schlichten Tracht des überwiegend aus jungen Männern bestehenden Bundes werden regional unterschiedliche einfarbige Halstücher getragen, wobei in jedem Fall schwarze und blaue bekannt sind.

1921 Pfadfinderkreuz Anstecker

1921 Pfadfinderkreuz Anstecker

 

Die 1920 unter der Führung von Fritz Riebold innerhalb der Christlichen Pfadfinderschaft Sachsens gegründete Tatgemeinschaft Christlicher Pfadfinder (TCP) führt 1923 den Späherstand für Jugendliche ein. Die TCP ist eine kleine, elitäre Gruppe, die den Stil des Wandervogels (Fahrt, Musik, Volkstanz) übernimmt und mit den eigenen pfadfinderischen Elementen (Kluft, Lager) verbindet. Sie wird so zur ersten bündischen Gruppe in der CPD und entwickelt darüber hinaus die Idee des Lebenspfadfindertums. Auch die anp wird 1921 zunächst von der TCP herausgegeben und ist erst ab 1923 die Zeitschrift der gesamten CPD. Das Zeichen der sächsischen Späher ist die Kompassnadel, die 1927 zur Kreuzlilie weiterentwickelt und dann von der gesamten CPD für den Stand des Spähers als Anstecknadel übernommen wird.

Der erste Webaufnäher der CPD zeigt das weiße Pfadfinderkreuz als Bundeszeichen auf einer schwarzen Raute (bei den Berlinern sind die Farben gespiegelt). Es wird auf dem linken Arm getragen und kommt zusammen mit Juja und Barett 1933 zur Tracht hinzu. Nach der erzwungenen Eingliederung der jugendlichen Mitglieder in die Hitlerjugend (HJ) 1934 und dem Verbot der CPD 1937 verschwindet die graue Tracht bis zum Kriegsende in den Schränken.

Berliner CPD im Film von 1934 Foto: Alfred Pointner

Berliner CPD im Film von 1934
Foto: Alfred Pointner

 

1947-1968 Wiederaufbau der CPD nach dem Nationalsozialismus

1947 wird das neue Bundeszeichen der CPD entworfen, das auf die Kreuzlilie der Späher von 1927 zurückgeht. Es entspricht nun den Anforderungen des Weltverbandes, in den die CPD aufgenommen werden will. Zusammen mit dem Kleeblatt der Pfadfinderinnen ist die Kreuzlilie heute das Zeichen des VCP.

1948 werden als erstes die Ständenadeln (Kreuzpfadfinder, Späher und Knappen) sowie einheitlich blaue Halstücher neu produziert. Ein Jahr später wird das Pfad-Rüsthaus (heute F&F) gegründet und es folgen Hemden und Webabzeichen (Bundeszeichen im blauen Schild und Wolfskopf im grünen Kreis). In Abgrenzung zur HJ werden die Webabzeichen nun auf der linken Brusttasche getragen. Beim Hemd entfallen die ans Militär erinnernden Schulterklappen, der Kragen ist in den ersten beiden Produktionsjahren noch zuknöpfbar. Das neue Hemd hat auf der linken Brusttasche ein Knopfloch, in das die Ständeabzeichen aus Metall eingeknöpft werden können. Alternativ gibt es aber auch weiterhin die Nadeln. Die geflochtenen Halstuchknoten werden zunächst vermieden, da sie, wie die schwarzen Halstücher, an die HJ erinnern. Das alte Bundeszeichen wird in neuer, schlankerer Form zum alleinigen Zeichen der Kreuzpfadfinder.

Das Bundeswebabzeichen 1949-55 Foto: „Stucks“, CPD-Siedlung „Goldene Horde“ Hameln

Das Bundeswebabzeichen 1949-55
Foto: „Stucks“, CPD-Siedlung „Goldene Horde“ Hameln

 

Die CPD öffnet sich über die Jahre hin zunehmend jüngeren Altersgruppen. Die seit 1923 vorhandenen 12- bis 15-jährigen Jungspäher erhalten 1928 den eigenen Stand des Knappen. Sie übernehmen von den Spähern die Kompassnadel als Zeichen, bis sie 1948 die Lilie auf dem Kreuzschild als neues Zeichen erhalten. Nun geht die Kompassnadel in leicht abgewandelter Form an die neue Kinderstufe der Wölflinge über, die sich ab 1930 in der CPD entwickelt hat. Diese 9- bis 12-jährigen Jungen tragen ab 1949 statt des Bundeszeichens einen gewebten silbergrauen Wolfskopf auf grünem Kreis zum grauen Klufthemd und dazu ein grünes Halstuch.

Bei Auslandsfahrten wird seit 1951 das Deutschlandband mit Bundesadler getragen. Ab Ende 1953 tragen Wölflinge und ihre Akelas ein grünes Hemd mit nur einer Brusttasche. Außerdem wird der Wolfskopf verfeinert und in vier Rudelfarben für die Wölflinge sowie in rostrot auch für Akelas eingeführt. Statt der Kompassnadel gibt es nun für die fortgeschrittenen Wölflinge nach erfolgreicher Prüfung die Grauwolfnadel und ab Mitte der 1950er Jahre auch ein entsprechendes Webabzeichen für das Barett. Auch die Kreuzlilie wird 1954 überarbeitet und erhält eine schlankere Form.

Die Wölflinge des Stammes „Florian Geyer“ Hameln 1966

In der ersten Hälfte der 1950er Jahre wird das Fahrtenhemd schrittweise überarbeitet. Zunächst erhält es einen offenen Kragen, später werden die Taschen rechteckig und ihre Patten verlieren den Schwung. 1955 wird dann die Jungenschaftsbluse wieder eingeführt. 1964 folgen farbige „Führerstreifen“ auf der rechten Brusttasche.

Hemd im Schnitt von 1955-69 mit der überarbeiteten Lilie, Deutschlandband, Pfadfinderkreuz in der Nachkriegsgestalt und Sippenführerstreifen (weiß)

Hemd im Schnitt von 1955-69 mit der überarbeiteten Lilie, Deutschlandband, Pfadfinderkreuz in der Nachkriegsgestalt und Sippenführerstreifen (weiß)

 

Als letzte Neuerung vor dem großen Umbruch des Jahres 1969 erhalten die Späher 1966 ein neues Abzeichen in Form eines Steuerrades. Die Kreuzlilie wird das Zeichen der neuen Roverstufe.

1969-1976 Umwandlung zum VCP

Die gesellschaftlichen Umbrüche Ende der 1960er Jahre führen zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der CPD, die schließlich in die Transformation zum VCP mündet.

Zum World Scout Jamboree 1967 gibt es erstmals das kornblaue T-Shirt („Lagerhemd“) und im Herbst dann den marineblauen Sportpulli als Alternative zum Fahrtenhemd. Diese modernen Kleidungsstücke zeigen zunächst das neue Späherzeichen und ab 1975 das Zeichen des VCP. Sie gehören seither zur offiziellen Tracht des VCP.

Lagerhemd“ 1967-74 Foto: VCP-Bundesarchiv

Lagerhemd“ 1967-74
Foto: VCP-Bundesarchiv

 

1969 beschließt dann die Bundesversammlung (BV) nicht nur, dass die CPD von nun an ein Bund von Jungen und Mädchen ist, sondern auch gleich noch eine gänzlich neue Trachtordung. Zur Begründung heißt es im Protokoll: „Ein militärischer Eindruck des Klufthemdes sollte in Zukunft soweit wie irgend möglich vermieden werden; stattdessen wurde eine Annäherung an ein Freizeithemd gesucht, das auch zivil zu tragen ist“. Das neue hellgraue Fahrtenhemd aus Kunstfaser ist für alle Altersgruppen bestimmt. Es hat nur noch eine Tasche ohne Falte, an der das ebenfalls neue, gestickte Bundeszeichen (Lilie ohne Kreuz) auf einem nach Altersstufen farbig gestalteten Stoffstreifen angeknöpft werden kann. Es weist große Ähnlichkeit mit dem 1965 neugestalteten Hemd der DPSG auf. Die Wölflinge tragen nun ein orangerotes Halstuch, die Pfadfinder weiterhin das blaue und die Rover und Erwachsenen eine blaue Krawatte.

Das neue Hemd der Pfadfinder Foto: VCP-Bundesarchiv

Das neue Hemd der Pfadfinder
Foto: VCP-Bundesarchiv

 

Nach der Öffnung der CPD für Mädchen und Frauen kommt es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Mädchen-Pfadfinderbund (EMP) und dem bayerischen Bund Christlicher Pfadfinderinnen (BCP). Die beiden Pfadfinderinnen-Bünde beschließen 1970 die neue Bluse und das blaue Halstuch der CPD für ihre Tracht zu übernehmen. Die Bluse entspricht in Farbe, Schnitt und Qualität den CPD-Hemden. Im selben Jahr wird auch die Zusammenlegung des CPD Pfad-Rüsthauses mit den Beschaffungsstellen des BCP und des EMP vereinbart. Dieses fusioniert mit der Beschaffungsstelle des Christlichen Vereins junger Männer (CVJM) im Jahr 1972 zu Freizeit und Fahrtenbedarf (F&F). Im selben Jahr wird auch erstmals das WOSM-Zeichen als Web- und Metallabzeichen von F&F angeboten. Das WAGGGS-Zeichen findet erst 1978 Aufnahme ins Sortiment und bleibt der einzige Bestandteil der Tracht des VCP, der von den beiden weiblichen Vorgängerbünden (grüne Kleider, Blusen und Röcke; bunte Lagertücher oder silbergraue Krawatten) übernommen wird!

Tracht, Wichtelkleid und Lagerkleid des EMP 1951-70 (anp 04/2004)

Tracht, Wichtelkleid und Lagerkleid des EMP 1951-70 (anp 04/2004)

 

Nachdem im Oktober 1973 die BV das neue Zeichen des VCP beschlossen hat, wird es ab 1974 als Metallbrosche und ab 1975 auch als Webabzeichen parallel zu den farbigen Stoffstreifen für die Brusttasche angeboten. Die BV 1976 beschließt, dass die alten Hemden weiter getragen werden dürfen, allerdings nur noch mit den neuen VCP-Abzeichen aus Metall oder Stoff – die anknüpfbaren Stoffstreifen in Altersstufenfarbe entfallen, ebenso die Krawatte. Das Tragen der Kluft ist jetzt grundsätzlich freiwillig und die Verbindlichkeit der Formen und die Akzeptanz der klassischen Tracht nimmt in den 1970er und 80er Jahren stark ab. So heißt es in den 1974 von der BV verabschiedeten Arbeitsordnungen „Die Mitglieder des Verbandes können Tracht und Zeichen des Verbandes tragen. Jede Gruppe muss dabei abwägen, z. B. zwischen einerseits der Möglichkeit, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe und des Verbandes zu stärken und andererseits den Gefahren einer Ausübung von Gruppendruck auf den einzelnen und dessen Gleichschaltung sowie eine Absonderung der Gruppe von anderen und der Förderung von Elitedenken.“ Wie groß das Unbehagen ist, verdeutlicht ein Beschluss der Landesversammlung Niedersachen von 1983, dem sich der Bundesrat anschließt: Die Helfer auf dem Kirchentag sollen ihren Dienst ausschließlich in VCP-T-Shirt oder Pulli versehen! Einige Gruppen, denen die Tradition viel bedeutet, fühlen sich in dieser Zeit vom VCP nicht mehr vertreten und Gründen 1976 die CPD wieder. Dabei greifen sie inhaltlich und auch vom äußeren Erscheinungsbild her auf die Mitte der 1960er Jahre zurück – bis heute.

1977-1998 Der neue Verband findet sich

Ab 1977 bietet F&F das VCP-Hemd aus Baumwolle mit zwei Taschen an, wie es uns bis heute vertraut ist. 1978 folgt auch die Bluse im neuen Stoff und Schnitt.

1983 wird schließlich die VCP Trachtordnung verabschiedet – weitgehend so, wie wir sie heute kennen. Das Verbandszeichen soll nun nicht mehr gewebt oder aus Metall, sondern gestickt sein und das blaue Halstuch von allen Altersstufen außer den Kindern getragen werden, die beim Orangerot bleiben. Das Verbandszeichen, das Pfadfinderkreuz, das Deutschlandband und das Lagerabzeichen bleiben an ihren aus der CPD-Zeit stammenden Plätzen. Die bisher nicht etablierten Zeichen der Weltverbände können auf dem linken Arm getragen. Das VCP-T-Shirt und der VCP-Pulli werden als Teil der Tracht bestätigt. Über die Einführung der Juja sollen die Stämme entscheiden. Da diese Festlegungen erst 10 Jahre nach Gründung des Verbandes erfolgen, haben allerdings viele Gruppen bereits eigene Kluftordungen festgelegt.

Kluft der Tönebön-Camp-Gruppe Hameln - Foto: Stamm Florian Geyer Hameln 1986

Kluft der Tönebön-Camp-Gruppe Hameln 1986
Foto: Stamm Florian Geyer Hameln

1974-75-83-94 VCP-Abzeichen Foto: Stamm Florian Geyer Hameln

1974-75-83-94 VCP-Abzeichen Foto: Stamm Florian Geyer Hameln

 

1989 gibt es erstmals Kurzarmhemden aus Baumwolle, zunächst mit Falte auf den Brusttaschen, und 1990 wird eine VCP-Krawatte angeboten. 1991 erhält F&F sein noch heute gültiges zweifarbiges Logo und das WAGGGS-Zeichen bekommt auf internationalen Beschluss hin seine heutige Form. Seit 1993 gibt es das Deutschlandband nun auch mit EU-Flagge. Nach einem Lieferantenwechsel haben Hemd und Bluse von 1994-98 wieder einen offenen Kragen, wie in den 1950-60er Jahren, und das Verbandsabzeichen erhält seine heutige festere Form zum Aufbügeln, allerdings in Dunkelblau.

 

1999-2021 Logo, Stufenkonzeption und Fairtrade Biobaumwolle

Zum Ende des Jahrtausends gibt sich der VCP 1999 ein neues, dreifarbiges Logo: rot für das Halstuch der Wölflinge, grau für die gemeinsame Tracht und blau für das Halstuch der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Die Tracht wird mittlerweile vielerorts selbstbewusst getragen und gehört wieder zum Pfadfinden dazu.

Nach einem erneuten Lieferantenwechsel weist das Hemd 1999 wieder einen verschließbaren Kragen auf. Neu sind außerdem die aufgesetzte Knopfleiste sowie die durchgehende Naht über den Taschen. Das Deutschlandband ist nun nur noch mit den Europasternen im Programm und der VCP-Aufnäher hat sein noch heute gültiges Blau erhalten. Barett und Krawatte entfallen 2003. Ab 2006 gibt es die Zeichen der Weltverbände als Kombiabzeichen und das neue Logo auf einem dunkelblauen Polohemd.

Ende 2009 kommt der Wechsel zu den blauen Stufenhalstüchern mit farbigem Randstreifen, der Erinnerungen an die Stoffstreifen in Stufenfarbe aus der ersten Hälfte der 1970er Jahre aufkommen lässt. Das dreifarbige Logo wird nun aufgegeben (2014), da es nicht mehr der neuen Farbenvielfalt entspricht.

Der alte Pfadfindergrundsatz, die Welt ein wenig besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat, führt 2011 zur gemeinsamen Entscheidung der Ringebünde, die Produktion der Tracht auf fairtrade Biobaumwolle umzustellen. In diesem Zusammenhang entfällt die durchgehende Naht oberhalb der Taschen als bislang letzte Modifikation des Hemdes, das seit 2012 auch mit aufgenähten Standardabzeichen erhältlich ist. Die 39. Bundesversammlung beschließt 2011 als bisher letzte Änderung an der Trachtordnung, dass Abzeichen der Stammes-, Bezirks-/Gau- oder Landeszugehörigkeit auf dem rechten Ärmel der Tracht getragen werden können.

Nachdem die BV 2009 das „Dschungelbuch“ als Spielidee des VCP beschlossen hat und damit die 35-jährige Suche nach einer Spielidee für die Kinderstufe beendete, gibt es 2021 eine Neuauflage der Wolfskopfabzeichen aus den Jahren 1953-69 in den vier Rudelfarben und für Akelas. Mit diesem Wölflingsabzeichen für die Jüngsten im VCP soll die Identifikation mit der gemeinsamen Spielidee gefördert und die Rollenübernahme unterstützt werden. Es bleibt also bei B. P.`s international geschätztem Klassiker, der sich gegen die „Wichtel“ der alten Mädchenbünde, aber auch gegen die VCP-Entwürfe der „Kurzen“ und der „Kotticks“ behauptet hat.

Akela-Abzeichen F&F 2021 und 1950er-60er

Akela-Abzeichen F&F 2021 und 1950er-60er

Unsere 100-jährige graue Tracht stellt in der an Traditionen reichen Pfadfindergeschichte eine Besonderheit dar. So sind beispielsweise der BDP/BdP erst 1952 zum blau und die DPSG erst 1957 zum sandfarben ihrer Hemden gekommen. Mögen also unserer grauen Kluft noch viele weitere Jahre beschieden sein!

Wölflingsabzeichen in Rudelfarbe 2021

Wölflingsabzeichen in Rudelfarbe 2021

 

https://go.vcp.de/wolfskopfabzeichen