13. European Scout Education Forum, Bukarest

Ein Beitrag von Anja Blume

Ende Mai/ Anfang Juni hatte ich die Möglichkeit am European Scout Education Forum teilzunehmen. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten und mit wechselnden Schwerpunkten statt.

Wozu ist dieses Forum da?

Verantwortliche aus den Bereichen Programm und Schulung verschiedener europäischer Pfadfinderverbände treffen sich, um voneinander und aus Vorträgen zu lernen. Dies dient der Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Qualität des Pfadfinder*innenprogramms.

Wer organisiert das Forum?

Das Europa-Büro von WOSM in Genf organisiert das Forum gemeinsam mit der Pfadfinder*innenorganisation des Gastgeber-Landes und anderen Verantwortlichen der WOSM-Europa-Region.

Wie wird bei dem Forum gearbeitet?

Morgens und nach der Mittagspause gab es jeweils Impuls-Vorträge, die teilweise in festen Kleingruppen nachbesprochen wurden. Es gab außerdem vormittags und nachmittags verschiedene thematische Workshops, in die man sich einwählen konnte. An einem Nachmittag haben verschiedene Pfadfinder*innenverbände best-practise Beispiele vorgestellt. Ich zum Beispiel habe für den VCP das Programm „Auf die Plätze gegen Hetze“ bzw. „Auf gute Nachbarschaft“ vorgestellt. Außerdem fanden Netzwerk-Treffen statt, z.B für Verantwortliche der Kinderstufe, der Pfadfinder*innenstufe oder der Erwachsenen. Hier konnte man sich themenspezifisch austauschen und gezielt Kontakte herstellen. Am letzten Tag gab es zudem eine Podiumsdiskussion, zu der man vorher Fragen einreichen konnte.

Außerdem durften natürlich Klassiker der internationalen Pfadfinder*innenarbeit nicht fehlen, ein Internationaler Abend, bei dem außer regionalen Spezialitäten auch (Schulungs-) Materialien vorgestellt wurden, eine Outdoor-Aktivität in einem nahegelegenen Park und ein Abend des Gastgeber-Landes mit regionaler Küche.

Welche Themen kamen vor?

Zwei Schwerpunkt-Themen zogen sich durch die gesamte Veranstaltung: die 17 Sustainable Development Goals (SDG) und die aktuellen Entwicklungen in der Pädagogik. Thema war aber auch die WOSM Partnerschaft mit dem WWF, Frauenrechte waren ein Thema wie auch die zukünftige Entwicklung des Pfadfindens.

In den Workshops ging es unter anderem um die praktische Umsetzung dieser Themen: Wie gestaltet man gemeinsame Projekte mit dem WWF? Wie bringe ich die SDG im Pfadfinder*innenprogramm und in internationalen Veranstaltungen unter? Welche Trends beeinflussen die Pfadfinder*innenarbeit? Wie setze ich eine WOSM-Strategie in meiner nationalen Organisation um? Wie mache ich das Pfadfinden für weitere Zielgruppen attraktiv? Wie können Pfadfinder*innen mit Schulen kooperieren? Wie kann ich neue Technologien im Pfadfinder*innenprogramm einsetzen? In welcher Form kann man bei den Pfadfinder*innen erworbene Fähigkeiten und Kompetenzen nach außen sichtbar machen? Usw.

Wie pfadfinderisch ist so ein Forum?

Die Rahmenbedingungen des Forums sind erst einmal ungewohnt; ein nobles, klimatisiertes Hotel mit Ein- oder Zweibettzimmern und dreimal täglich Buffet entspricht nicht unseren üblichen pfadfinderischen Erfahrungen. Alles andere ist aber so wie immer. Es ist sofort ein Vertrauensverhältnis da, auch wenn man niemanden kennt, man wird sofort mit einbezogen und es ist im Umgang völlig egal, wer welche Position innehat.

Was nehme ich persönlich mit?

Neben der allgemein inspirierenden Erfahrung, die die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung mit sich bringt, ist mir aufgefallen, dass wir in Deutschland unseren Gruppenleitungen sehr viel abverlangen. Alles, was die anderen Verbände über die Verteilung von Fähigkeitsabzeichen oder die Arbeit mit Arbeitsheften sicherstellen, überlassen wir der pädagogischen Einschätzung unserer Gruppenleitungen. Dazu bedarf es einer wirklich guten Ausbildung und Begleitung. Wie können wir dies für alle ermöglichen und Überforderung vermeiden? Und wie geht dies auch unter der Maßgabe, dass wir inklusiv und mit sehr vielfältigen Kindern und Jugendlichen arbeiten?

In Bezug auf Nachhaltigkeit hat der VCP schon so viele Dinge als selbstverständlich aufgenommen, dass es gar kein Thema mehr ist. Vielleicht sollten wir wieder mehr und öffentlicher darüber reden, warum wir Dinge wie tun, um andere anzuregen.

Eine Idee möchte ich noch teilen. Ein Redner, der sich mit dem Pfadfinden in der Zukunft beschäftigte, zeigte ein Bild von BP mit Indianer-Kopfschmuck. Und er sagte, dass BP die Idee des Pfadfindens aus seiner Zeit heraus entwickelt habe und zum Beispiel die Pfadfinder*innentracht willkürlich in Anlehnung an die damals verwendete Militäruniform erfunden hat. Wenn er aber gerade damals einen lustigen Tag gehabt und festgelegt hätte, dass Pfadfinder*innen die Kleidung der amerikanischen Ureinwohner tragen sollten, dann sähen wir heute alle so aus. Und er forderte uns auf: „Bitte denkt daran, wenn ihr das nächste mal festlegt, was „echtes Pfadfinden“ ausmacht.“