30 Sekunden Entschleunigung

Ein interessantes Wochenende liegt hinter mir. Im ICE von Kassel nach Stuttgart habe ich Zeit zu reflektieren. Mein Wagen ist voll von älteren Damen, die mich teilweise argwöhnisch beäugen, wie ich mit Kopfhörern in den Ohren auf meinen Laptop einhacke. Vielleicht störe ich mit meinem Tippen ihre sonntagnachmittägliche Ruhe, vielleicht passt aber auch mein Werkzeug nicht in ihre Welt. Sie lesen Zeitung, unterhalten sich, schauen aus dem Fenster. Ich kämpfe derweil damit, dass der ICE durchs digitale Niemansland fährt. Mein Handy hat kein Netz und der Internetzugang über den WLAN-Hotspot an Bord muss auch im Jahre 2014 noch teuer erkauft werden. Ich schreiben also offline und bin deshalb etwas ansäuert, weil ich mich daheim nochmal mit diesem Beitrag beschäftigen muss, wenn ich längst wieder andere Dinge im Kopf habe.

Hier prallen zwei Welten aufeinander. Meine schnelllebige digitale Welt, in der ich kurze Informationshappen verteile, in der Hoffnung, dass sie von meinen Followern gierig geschluckt, verdaut und irgendwo wieder ausgeschissen werden. So wie ich mich gierig auf jeden Happen stürze, den sie mir auf Facebook und all den anderen Plattformen zum Fraß vorwerfen. Dagegen die ruhige betuliche Welt, in der zum ganzen Sonntagnachmittagsglück nur noch ein Stück Sahnetorte und eine Tasse Kaffee fehlen. Wo auch die Zeitung von gestern noch spannend ist oder die Landschaft, die vor dem Fenster vorbeizieht.

Social Media. Die Thematik war mir nicht völlig neu. Durch die Vorträge von Peter und Hanno und die gemeinsamen Diskussionen sind mir aber viele neue Aspekte davon klar geworden. Diese werden vielleicht nicht im Hinblick auf meinen Job beim Bundeslager, aber auf jeden Fall bei der Weiterentwicklung unserer Landeswebsite sehr hilfreich sein. Und auch für mich persönlich habe ich einiges mitgenommen.

Ich denke, das Wochenende hat uns die Chancen der sozialen Medien gezeigt, die es uns ermöglichen, jetzt im Augenblick und auf direktem Weg ein großes Publikum zu erreichen. Wo wir, Ideen und Gedanken zu streuen können, verpackt in süße Früchte der Verführung, die sich Embedded Video, Stop-Motion-Animation oder Cat Content nennen. Und aus deren Samen sich in den Köpfen unserer Follower vielleicht irgendwann prächtige Blumen entwickeln.

Es hat uns aber auch gezeigt, dass eine große Reichweite allein nicht reicht, damit etwas prächtiges gedeiht. Die Samen selbst müssen die nötige Qualität haben, damit aus den Informationshäufchen, die wir überall im Internet hinterlassen, bunte Blumen wachsen, die die Marke VCP repräsentieren und stärken.