Alarm im Berufsleben

Aus dem Leben eines Feuerwehrmanns

Von Patrick Franz

Es gibt Berufsgruppen, die mit Alarmen tagtäglich zu tun haben – ob Polizist*innen mit ihrem Alarm auf dem Autodach, Krankenwägen und Notärzt*innen mit Martinshorn oder die Damen* und Herren* mit den roten Autos von der Feuerwehr. Wir hatten die Gelegenheit, mit Sebastian Spiller zu sprechen. Er ist neben seiner ehrenamtlichen Leidenschaft als Pfadfinder im Berufsleben ein Mann, der weiß, wie sich ein echter Alarm anhört. Sebastian ist bei der Feuerwehr.

anp:Hallo Sebastian. Schön, dass du dir die Zeit genommen hast mit uns zu sprechen.

Magst du uns kurz etwas über dich erzählen?

Sebastian: Klar. Ich bin 39 Jahre, verheiratet und habe eine vierjährige Tochter, komme gebürtig aus Gelnhausen und habe mit zehn Jahren das erste Mal Pfadfinderluft noch bei der hiesigen Adventgemeinde geschnuppert. Mit 14 Jahren bin ich zum VCP-Stamm Barbarossa Gelnhausen gewechselt und habe bis 1999 sowohl Gruppen als auch zeitweise den Stamm geleitet. Seit dieser Zeit bin ich aus beruflichen Gründen nur noch bei den Landeslagern und Bundeslagern aktiv.

anp: Du bist ein Berufsfeuerwehrmann. Kannst du uns kurz und knapp erklären, wie ein typischer Arbeitstag bei dir aussieht?

Sebastian: Das hängt ein bisschen davon ab, für welche Funktion ich eingeteilt bin. Neben den klassischen Tätigkeiten im Löschzug werde ich auch im Rettungsdienst eingesetzt und habe eine Zusatzausbildung als Springer für die Zentrale Leitstelle. Wenn wir aber den „normalen“ Dienst auf der Feuerwache anschauen, dauert dieser immer 24 Stunden und beginnt morgens um sieben Uhr mit der Dienstübernahme. Dabei wird kurz vorgestellt, wer welche Funktion übernimmt, welche Arbeiten anstehen und auch was an Terminen für den Tag ansteht. Dann kontrollieren wir gemeinsam, ob auf den Fahrzeugen alles an seinem Platz ist und funktioniert. Wir sind in Bereitschaft für Einsätze, machen Wacharbeiten und nutzen die Zeit auch für Ausbildung und Sport. Natürlich machen wir zwischendurch auch Pausen, für ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen. Ab den Abendstunden darf dann jede*r machen, was er gerne möchte, denn es ist Bereitschaftszeit bis zum Schichtwechsel am nächsten Morgen.

anp: Wie sieht ein Alarm bei euch aus? Was passiert da und was gilt es dann zu tun?

Sebastian: Bei einem Alarm muss es natürlich in erster Linie schnell gehen, damit wir es schaffen innerhalb der vorgeschriebenen zehn Minuten am Einsatzort zu sein. Egal, was wir gerade auf der Wache machen, in 90 Sekunden müssen wir mit dem sogenannten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF) draußen sein. Dazu müssen wir uns natürlich auch vor dem Ausrücken noch Stiefel, Feuerschutzhose und -jacke anziehen. Die restliche Ausrüstung wie Atemschutzgerät, Helm, Handlampe, Funkgerät, usw. legen wir während der Fahrt an. Ein voll ausgerüsteter Feuerwehrmann trägt je nach Funktion 15 bis über 30 kg Schutzkleidung und Ausrüstung mit in den Einsatz.

Was an der Einsatzstelle dann zu tun ist, ist so vielfältig wie die möglichen Szenarien: Brände aller Art, Verkehrsunfälle vom Auto bis zum LKW oder Zug, Gefahrgutunfälle, Türöffnungen, Wasserschäden, Tierrettungen… Man kann sagen die Feuerwehr ist ein bisschen „Mädchen für alles“. Das ist es halt auch, was den Beruf so interessant macht. Ich weiß nie, was auf mich zu kommt und was genau von mir gefordert wird. Jeder Arbeitstag ist anders und eine neue Herausforderung.

anp: Wie viele Einsätze im Jahr hast du im Schnitt?

Sebastian: Das für mich persönlich zu sagen, fällt mir schwer. Ich kann aber versuchen es mal anhand der Einsatzstatistik pro Dienst zu verdeutlichen. Das HLF und die Drehleiter, auf denen ich regulär Dienst habe, fahren etwa 2000 Einsätze im Jahr und rücken damit im Schnitt fünf bis sechs Mal in 24 Stunden aus. Der Rettungswagen macht in etwa 4500 Fahrten pro Jahr, was einem Tagesschnitt von zwölf bis 13 Einsätzen entspricht.

anp: Was macht ein Feuerwehrmann, wenn er nicht im Einsatz ist? Welche Aufgaben übernehmt ihr auf der Wache?

Sebastian: Hier werden von den zwanzig Kollegen, die auf meiner Wache im Dienst sind, ganz unterschiedliche Dinge gemacht. Neben Wartung und Pflege von unseren Fahrzeugen und Geräten werden natürlich in den Werkstätten auch mal kleinere Sachen selbst repariert. Andere Kollegen erledigen Büroarbeit vom Erstellen des Dienstplanes bis zum Schreiben von Einsatzberichten. Wieder andere kümmern sich um das Mittagessen, das immer in Eigenregie für die komplette Wachmannschaft gekocht wird. Dazu werden Unterrichte und Übungen vorbereitet und durchgeführt. Da wir auf unserer Wache sogar eine kleine Sporthalle haben, spielen wir in den meisten Diensten gegen Abend gemeinsam Volleyball.

Man muss aber auch sagen, dass es je nach Größe von Feuerwehr und Wache hier starke Unterschiede im Tagesablauf geben kann.

anp: Wenn man Feuerwehrmann werden will: Wie stellt man das an?

Sebastian: Bis vor nicht allzu langer Zeit war der Beruf Feuerwehrmann immer daran gebunden, vorher eine Berufsausbildung oder ein Studium abzuschließen. Diese Einstiegsvariante existiert zwar weiterhin, aber mittlerweile gibt es zum Beispiel auch das Berufsbild der Werkfeuerwehrfrau*manns. Hierfür ist ein Hauptschulabschluss nötig und man muss einen theoretischen sowie einen praktisch-sportlichen Einstellungstest absolvieren. Hat man diese Tests bestanden, beginnt eine dreijährige Ausbildung, in der neben eineinhalb Jahren handwerklicher Kompaktausbildung auch eineinhalb Jahre feuerwehrtechnische und rettungsdienstliche Grundausbildung integriert sind. Genaue Beschreibungen der jeweiligen Voraussetzungen findet ihr zum Beispiel in der Rubrik „Job und Karriere“ auf der Homepage der Feuerwehr Frankfurt unter: www.feuerwehr-frankfurt.de

Vielen Dank Sebastian für das tolle Gespräch!

Deutschsprachige Konferenz (DSK) 2019 / Alarm bei der Feuerwehr