Alles nur ein Spiel?

Die Stimmung ist gut.

Den ganzen Samstag haben die Ranger und Rover das Außengelände des Stammesheimes wieder hergerichtet: Beete angelegt, zwei Apfelbäume gepflanzt, den Weg gepflastert… Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber auch hungrig. Nach dem Verzehr von selbstgebackener Pizza und jeder Menge Eis, lässt man den Tag ausgelassen und auch albern ausklingen.

Spaß auf dem Bundeslager! Foto: Benedikt Bahl

„Hey, wollen wir „Kiss & Fight“ spielen?“ ruft einer in das allgemeine Gelächter. „Ja, das machen wir!“, antworten einige begeistert. Auch du bist dabei. Du hast das Spiel erst vor zwei Wochen auf der Regionalversammlung kennengelernt. Es geht darum eine Person zu küssen, bevor man selbst geküsst wird. Du fandst es total witzig.
Da fällt dein Blick auf Toni. Toni scheint sich angesichts der Begeisterung für die Spielidee total unwohl zu fühlen. „Was wohl das Problem ist“, schießt es dir durch den Kopf. Aber dir ist im selben Moment auch klar, dass Toni nicht an diesem Spiel teilnehmen möchte weil sie*er einfach nicht von anderen geküsst werden möchte oder niemanden küssen will oder beides.

Du willst Toni helfen. Was tust du?

Schutzraum bieten

Biete einen Schutzraum an. Indem zu z.B. sagst: „Hey, ich gehe schon mal in die Küche und sorge dort für Ordnung. Kommt jemand mit?“ Toni und andere, die bei dem Spiel nicht mitmachen möchten, haben so eine Möglichkeit des Rückzugs.

Stellung beziehen

Sage laut und deutlich, dass du das Spiel nicht in Ordnung findest, da es möglicherweise die persönlichen Grenzen von Anwesenden verletzt. Das erfordert allerdings einigen Mut.

Positive Rückmeldung bei Grenzäußerung und -wahrnehmung

Vielleicht findet jemand anders den Mut und weist darauf hin, dass mit dem Spiel Grenzen verletzt werden? Dann springe dieser Person bei. Sage, dass du es ähnlich siehst und dass du es gut findest, dass es laut ausgesprochen wird.

Alternativen anbieten

Deine Kreativität ist gefragt. Schlage schnell ein besseres Spiel vor, sodass „Kiss & Fight“ schnell vergessen ist.

Keine Rechtfertigung

Vielleicht sagt Toni auch selber, dass sie*er nicht mitspielen möchte. Wünschenswert wäre es, dass es in der Gruppe eine Sensibilität für Grenzen gibt, diese akzeptiert werden und sich deshalb keiner dafür rechtfertigen muss, wenn sie*er ihre*seine Grenzen wahrt.

Vielleicht wird aber doch mit Unverständnis reagiert. Dann sage laut und deutlich, dass es in Ordnung ist, dass sie*er nicht mitmachen möchte.

Hinterher ansprechen

Vielleicht kannst du im Moment die Situation für dich und Toni nicht lösen. Dann spreche doch beim nächsten Treffen das Thema an. Weise darauf hin, dass du eine Grenzüberschreitung wahrgenommen hast. Eine Reflektion in der Gruppe kann ähnliche Situationen in der Zukunft verhindern.

Im VCP wollen wir achtsam & aktiv miteinander umgehen. Achtsam sein für andere und Grenzverletzungen, Signale und Hinweise aufmerksam wahrnehmen.
Und uns aktiv für das Wohl und die Rechte anderer einsetzen.

Nicht immer einfach.

Wenn ihr Fragen dazu habt oder Ideen braucht, wie ihr das Thema Grenzen, Nähe und Distanz in der Gruppenstunde behandelt könnt, dann wendet euch an die Fachgruppe achtsam & aktiv oder an unsere Präventionsbeauftragte in der Bundeszentrale Esther Koch.
Sie ist auch Ansprechpartnerin, wenn ihr Grenzverletzungen erlebt habt und darüber sprechen wollt.

 

Neue Methodensammlung für die Präventionsarbeit im VCP