Die Gründung des VCP vor 50 Jahren

Zum 1. Januar 1973 hatten sich die drei evangelischen Pfadfinder*innenverbände BCP, EMP und CPD zusammengetan, um die Trennung in Jungen- und Mädchenverbände aufzubrechen und fusionierten zum VCP. Wie ihr euch denken könnt, ist das den Pfadfinder*innen nicht erst in der Silvesternacht 1972/73 eingefallen, das ganze hat natürlich eine Vorgeschichte, die ich hier kurz anreißen möchte.

Bemerkenswerterweise waren es lokale und regionale Pfadfinderinnen- und Pfadfindergruppen von BCP, EMP und CPD, in denen in den 1960er Jahren erstmals koedukative Verbandsarbeit ausprobiert wurde. Vieles, was uns heute selbstverständlich im Umgang miteinander ist, war damals tatsächlich ungewohnt und neu und es brauchte Zeit, alte Gewohnheiten und Strukturen zu reformieren. Speziell die 1960er Jahre waren eine Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen und das spiegelte sich eben auch in der Arbeit der Jugendverbände wider. Die damalige Erkenntnis der Notwendigkeit einer koedukativen Kinder- und Jugendarbeit in den evangelischen Pfadfinder*innenverbänden führte schließlich auch zur Idee eines gemeinsamen Verbandes.

Auf ihrer Bundesversammlung 1969 beschloss z. B. die CPD den Satz „Die Christliche Pfadfinderschaft ist ein Bund von Mädchen und Jungen“ in ihre Bundesordnung aufzunehmen. Zusätzlich wurde in den Arbeitsanweisungen ergänzt: „Koedukative und kooperative Arbeitsformen sind deshalb anzustreben“ und es wurde ein Bundesarbeitskreis Koedukation ins Leben gerufen.

1970 wurden Beschlüsse zur Fusion von BCP, EMP und CPD auf der Bundeskonferenz der EMP im Januar, auf dem Bundesrat der CPD im März und auf der Bundeskonferenz des BCP im September verabschiedet. In Unterlagen zu einem Treffen vom 9. April 1970 in Kassel findet sich dazu: „Die Wandlungen in allen Bereichen unserer Gesellschaft zwingen alle Träger und Organisationen der Jugendarbeit immer wieder zu einer kritischen Überprüfung ihrer bisherigen Struktur und Arbeitsweise. Die Jugendlichen selber drängen auf eine solche kritische Überprüfung. Oft haben sie kein Verständnis für Traditionen, die ihrer Lebenserfahrung nicht mehr entsprechen. Zu überprüfen ist auch die Art und Weise, in der eine Gesellschaft die Rollen von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen versteht. Die über den Menschen und seine Lebensverhältnisse heute bekannten Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnisse nötigen uns und ermöglichen, die Rollen von Mann und Frau in der Gesellschaft von Grund auf neu zu bedenken und neue Verhaltensweisen im Umgang miteinander einzulösen. Als gesicherte Erkenntnis darf dabei gelten, daß Jungen und Mädchen, Männer und Frauen diese Aufgabe nur gemeinsam, nicht jeder für sich getrennt lösen werden. Deshelb muß jegliche zukunftsorientierte, verantwortliche Jugendarbeit koedukative Gruppen und Aktionsmöglichkeiten als Chance gemeinsamen Lebens anbieten. (…) Aus dem unter I. Gesagten ergibt sich die Notwendigkeit einer so umfassenden Neuorientierung beider Bünde, daß CPD und EMP bereit sein müssen, einen neuen Bund evangelischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen zu bilden und dafür ihre bisherige Existenz in der derzeitigen Form aufzugeben. (…)“

In der Praxis resultierte dies in der Zusammenlegung der Bundeszentralen der Einzelverbände zum 1. Januar 1971 im Burckhardthaus in Gelnhausen. „Es wurde festgestellt, daß nahezu alle Aufgaben der Zentralen gemeinsam besser und rationeller erfüllt werden können. Folgender Aufgabenkatalog wurde dabei besonders erwähnt: Führerschulung; Einberufung von Arbeitskreisen; Referate für die Pädagogik der drei Altersstufen; Ausarbeitung von Arbeitsmaterial; Arbeit zentraler Führungsorgane; Information; Außenvertretung und Geschäftsführung. (…) Das Ziel sinnvoller Kooperationsbestrebungen wäre mit der gemeinsamen Arbeit von Bundesleitung, Bundesversammlung, Bundesarbeitskreisen und Bundesrat erreicht. Alles weitere würde sich aus der Zusammenarbeit ergeben.“ (aus einem Brief an die „Mitglieder der Landesführungen in der CPD“, abgedruckt in der anp Nr. 2/1970)
Dazu wurde als Dachorganisation die Arbeitsgemeinschaft „Zentrale Evangelischer Pfadfinderverbände“ (ZEP) gegründet, die „insbesondere die Aufgabe hat, die Bildung eines Rechtsträgers für die Arbeit eines gemeinsamen evangelischen Pfadfinderverbandes vorzubereiten.“ (aus einer entsprechenden Vereinbarung von BCP, EMP und CPD).

1970 wurde außerdem die Wirtschaftsstelle des EMP in den Ausrüster der CPD, die „Rüsthaus und Pfad Pfadverlag GmbH“ eingegliedert, dem Vorläufer von F&F.

In einem gesonderten Arbeitskreis wurde anschließend an der Bundesordnung für den neuen Verband gearbeitet, auf die sich die Einzelverbände für den gemeinsamen neuen Verband einigen sollten. Auch wurde die Arbeitsgemeinschaft ZEP als Verein gegründet, um juristischen Problemen der noch unklaren Verbandsneugründung vorzubeugen. Dies war insbesondere wichtig für die Mitarbeiter*innen der Verbände und die gemeinsamen Finanzangelegenheiten.

Die ZEP übernahm zunächst also den Großteil der Aufgaben der drei einzelnen Verbände, darunter auch z. B. die Herausgabe von Verbandsschriften. Unter ihrer Herausgeberschaft fusionierten die Zeitschriften von BCP (Blaue Schwalbe), EMP (Grüner Zweig) und CPD (Jungenland) zur „Pep“. „Pep“ erschien erstmals zum Januar 1971 und ist die Abkürzung für „Presse evangelischer Pfadfinderverbände“. Die ZEP war auch noch mehrere Jahre nach der Gründung des VCP aktiv und wurde meines Wissens erst 1979 aufgelöst.

Anfang 1971 schlossen sich dann noch vor der Fusion der Verbände auf Bundesebene EMP und CP in Württemberg zum „Christlichen Pfadfinderbund in Württemberg“ zusammen und in Bayern BCP und CP zum „BCP/CP in Bayern“. Für den BCP bedeutete dies damit bereits praktisch das Ende als eigenständige Jugendorganisation – den BCP gab es ja nur in Bayern.

Am 2. und 3. Dezember 1972 hielten EMP und CPD ihre jährliche Bundeskonferenz und Bundesversammlung gemeinsam in Erlangen ab, die dann letztendlich zur Gründung des VCP führte. Für den neuen Verband wurde hier die Bundesordnung verabschiedet und die ersten Personalentscheidungen getroffen, die Wahl von Werner Gabriel, Ilse Köpke-Degener und Helga Krohn als erste VCP-Bundesvorsitzende sowie Heidemarie Thiele, Detelv Majewsky, Erwin Losch, Rudolf Scholz und Hans-Jürgen Scholz in den Vorstand der Bundesversammlung. Allerdings mussten aus Zeitmangel auch einige Entscheidungen vertagt werden, z. B. die über das Verbandszeichen und das Aussehen der neuen Tracht. Das wurde dann erst im folgenden Jahr nachgeholt.
Einigen konnte man sich auch auf den Namen des neuen Verbandes. Zur Wahl standen „Verband Evangelischer Pfadfinder“, „Christlicher Pradfinderbund“, „Christlicher Pfadfinderverband“, „Verband Christlicher Pladfinderinnen und Pfadfinder“, „Verband Christlicher Pfadfinder“ und „Christliche Pfadinder“. Zunächst wurde nur über die Vorschläge „Christlicher Pfadfinderverband“ und „Verband Christlicher Pfadfinder“ diskutiert, die in einer ersten Tendenzabstimmung vorne lagen. Das Wort „Pfadfinderinnen“ sollte aber unbedingt mit in den Verbandsnamen aufgenommen werden und die Wahl fiel endlich auf „Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP)“, den Vorschlag aus Bayern.

Ob es anschließend eine Gründungsparty gab, weiß ich nicht, aber sicherlich haben viele Pfadfiner*innen an Silverster auf den neuen Verband und ein gemeinsames Miteinander angestoßen.

In diesem Sinne wünscht das VCP-Bundesarchiv dem VCP alles Gute zum Jubiläum! Interessante Publikationen zur Verbandsgeschichte sind natürlich die Bücher zu Geschichte von BCP, EMP und CPD, die ihr bei F&F bekommen könnt. 1989 erschien außerdem in der Reihe „Spuren. Materialien für die Gruppe“ der Band „15 Jahre VCP. Eine Rückschau auf die Entwicklung dec VCP von 1973 bis 1988“. Der Band ist leider nicht mehr erhältlich, kann aber natürlich hier in Kassel eingesehen werden. Und wir haben im VCP-Archiv natürlich alle möglichen Materialien und Unterlagen aus jener spannenden Zeit.

Bernd Eichhorn

Foto: VCP/Moritz Dilger

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