Klare Kante zeigen: Pfadfinder*innen in Lützerath

von Candy

Am 08.01. folgte ein kleiner Trupp von unserem Stamm, Matthias Claudius dem Aufruf der Aktivisten und machte sich mit Fahrrad, Kluft und Halstuch auf den Weg zum Dorfsparziergang nach Lützerath.

Viel hatte sich verändert, seit meinem letzten Besuch im Oktober 2022, Barrikaden auf allen Straßen rund um den letzten Hof vom Bauer Heukamp. Pflastersteine waren aus der Verkehrsinsel gegraben und zu Mauern errichtet. Stahlträger sowie Autowracks säumten die Straße. Es war schon für uns alle sehr beeindruckend, was hier der Räumung entgegengestellt wurde.

Nach einem kurzen Regenschauer schauten wir uns die zahlreichen Baumhäuser, Barrikaden und verbliebenen Häuser an. Neben der „Küfa“ (Küche für alle), selbstgebauten Toiletten und Plenums-Orten kam fast schon eine Stimmung auf, wie man sie von Pfingst- oder Bezirkslagern kennt. So war unser Eindruck, dass nur noch eine Kothe gefehlt hätte auf der Wiese voll von Zelten.

Zwischen politischen Diskussionen und der Frage wieso hier kein Denkmalschutz greift, bei Gebäuden die von 1763 sind, aßen wir dann gemütlich vor der Skaterhalle, einer ehemaligen Scheune, unseren Proviant.

Danach zogen wir noch eine zweite Runde durch das Dorf und mit dem anschließenden, direkten Blick in den Tagebau wurde auch den Kindern noch einmal viel anschaulicher bewusst, was eigentlich wirklich das Loch hinter bzw. sogar innerhalb unserer Mönchengladbacher Stadtgrenze für die umliegende Natur und die Heimat der Bewohner*innen bedeutet.

Mit dieser ganz neuen Sichtweise auf die Geschehnisse machten wir uns wieder auf den Heimweg.

In der kommenden Woche schlug unser Bericht durch die Landesleitungsversammlung auf einmal etwas höhere Wellen, durch eine kurzfristige Landesmail meldeten sich Nachbarstämme aus ganz Nordrhein. Darunter Schwalmtal, Essen, Wuppertal und Kaarst. So kamen wir auf eine gute Gruppengröße von zwölf Personen.

Trotz vorheriger Absprache trafen wir uns dann auf der Demo aber doch eher zufällig wieder. Bei der schieren Menge an Menschen, irgendwas zwischen 10.000 und 35.000, war es fast unmöglich jemanden wiederzufinden.

Leider verpassten wir gerade so die Rede von Greta Thunberg, doch hörten wir Ihre Worte, als wir durch den Schlamm der Felder in Richtung Lützerath stapften. Teilweise halfen wir anderen Demonstranten und gruben eingesunkene Stiefel und Socken aus.

Vis à vis mit der Polizei und den Wasserwerfern machten wir noch einmal friedlich unsere Haltung klar und begaben uns dann auf den schon dämmernden Heimweg.

Alles in allem gab es nur positive Resonanz. Andere Pfadfinder ohne Kluft kamen zu uns, fragten, wo wir denn herkämen und vor allem ärgerten sich viele, hätten doch auch sie ihre JuJa, Kluft oder das Halstuch mitgenommen.

Ich möchte nochmal hervorheben, dass es nicht darum geht sich mit der Polizei zu kloppen oder gegen geltendes Recht zu verstoßen – beides haben wir weder getan noch die Absicht dazu gehabt. Es geht darum, dass ich finde, dass gerade wir als Pfadfinder*innen, welche seit über 100 Jahren uns für die Natur einsetzen, was unsere Werte für Umwelt- und Klimaschutz anbelangen, klare Kante zeigen sollten und somit präsenter in die Öffentlichkeit gehen.

Foto: Justin Kranefuss

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