Aufarbeitungsprozess

Ein Beitrag zu „Sexueller Missbrauch“

von Esther Koch

Bundesleitung und Bundesrat beschließen im Sommer 2019 die Initiierung eines Aufarbeitungsprozesses „Sexueller Missbrauch“. Doch was wollen wir mit diesem Aufarbeitungsprozess erreichen?

Wahrheiten aussprechen und anhören

Über sexuellen Missbrauch spricht man nicht.

Dies ist eine schmerzliche Erfahrung, die Kinder und Jugendliche, die sexuellen Missbrauch erfahren, machen müssen. Es ist so schlimm, so ekelhaft, so ungeheuerlich, dass es keine*r hören will. Betroffene werden mit ihren Verletzungen und ihrem Leid allein gelassen. Unter denen sie mitunter ein Leben lang leiden.

Mit dem Aufarbeitungsprozess zeigt der VCP, dass wir von sexuellem Missbrauch in unseren Reihen wissen. Sowohl Opfer als auch Täter*innen sind Pfadfinder*innen.

Wir signalisieren Betroffenen, dass wir an ihrer Geschichte interessiert sind. Dass wir das Erlebte hören wollen und wir gemeinsam darüber sprechen werden.

Wissen sammeln, bewerten und veröffentlichen

Die Vorfälle von sexuellen Missbrauch, die uns berichtet werden, sollen wissenschaftlich untersucht werden.

Wir wollen wissen:

  • Wie oft kam sexueller Missbrauch
    im VCP vor?
  • Warum ist es passiert?
  • Wie wurde mit Hinweisen auf und Berichten von sexuellen Missbrauch umgegangen?
  • Was können wir in Zukunft besser machen, um Kinder und Jugendliche im VCP zu schützen? Verantwortung übernehmen

Als VCP tragen wir Mitverantwortung für die Vorfälle sexualisierte Gewalt. Weil wir es Täter*innen möglicherweise zu einfach gemacht haben. Weil wir Hinweisen nicht nachgegangen sind. Weil es bei Bekanntwerden von Vorfällen wichtiger war, dass der Verband nicht damit in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht wird, als der Schutz von Betroffenen.

Zu diesen Fehlern müssen wir stehen. Dazu gehört, dass wir uns bei den Betroffenen aufrichtig entschuldigen. Und wir sie bei der individuellen Bearbeitung des erlebten Missbrauchs so gut unterstützen wie es geht.

Außerdem wollen wir aus unseren Fehlern lernen und konsequent an der Verbesserung unseres Präventionskonzeptes arbeiten.

Anerkennung aussprechen

Der VCP erkennt das erlebte Unrecht der Betroffenen öffentlich an. Viele Betroffene mussten jahrzehntelang erfahren, dass niemand ihre Geschichte hören will oder sie nicht geglaubt wird. Es ist für Betroffene unglaublich wichtig zu hören, dass ihr Erleben als wahr akzeptiert wird.

Erinnern und Gedenken

Es wird mit und für die Betroffenen Formate des Erinnerns und Gedenkens entwickelt. Mit der Aufarbeitung sollen die Vorfälle sexuellen Missbrauchs nicht erledigt und vergessen sein. Denn dies ist es für die Betroffenen auch nicht.

Für die Initiierung des Aufarbeitungsprozesses wurden Jakob Hoffmann und Esther Koch beauftragt. Sie beantworten Rückfragen zum Aufarbeitungsprozess: aufarbeitung@vcp.de