Aufhören, wenn’s am schönsten ist

von Johannes Malinowski

Das mit dem Aufhören ist so eine Sache. Mit Dingen aufzuhören, bei denen Sinn und Spaß sich in Grenzen halten, ist meist kein Problem. Es ist ein Geschenk, wenn die Eltern dich nicht mehr wöchentlich zum Klavierunterricht zwingen, auf den du keine Lust hast. Eine Stunde Quälerei an den Tasten. Zeit, bei der du für dich beschlossen hast, sie auch sinnvoller verbringen zu können. Ähnlich sieht es bei Sportvereinen oder Bastelgruppen aus. Keine Lust mehr drauf? Dann lass es sein!

Wer das mit dem Pfadfinden für sich ernst genommen hat, sieht das mit dem Aufhören dort vermutlich anders. Es gibt zwei Szenarien:

  1. Du bist 17, das Abi steht ins Haus, danach geht es ins Ausland oder direkt ins Studium in eine größere Stadt. Du betreust seit zwei Jahren eine Gruppe, leitest den Stamm und bist selbst seit zehn Jahren im VCP aktiv. Die anderen Pfadfinder*innen sind wie eine Familie für dich. Das alles sollst du jetzt hinter dir lassen? Fällt schwer.
  2. Du gehst noch zur Schule und siehst, dass du deine freie Zeit für andere Dinge nutzen möchtest. Die Verpflichtung, einmal in der Woche zur Gruppenstunde zu gehen und eine Horde Nachwuchs-Pfadis zu bespaßen, engt dich ein. Damit aufzuhören? Fällt dir leicht. Aber das Pfadi-Sein hinter dir lassen? Mit dem Gefühl kannst du dich nicht anfreunden. Zum alten Pfadi-Eisen gehörst du noch nicht. Auf den typischen Erwachsenen-Kram im Stamm hast du also keinen Bock. Kuchen zu backen und aufs Material aufzupassen kommt für dich nicht infrage.

Wie geht es weiter? Auch hier zwei Szenarien:

  1. Der VCPexit: Du hast viele tolle Erfahrungen gesammelt, konntest einiges an die Jüngeren weitergeben. Wann solltest du also aufhören, wenn nicht jetzt? Mach Platz für den Nachwuchs, biete dich als Ansprechpartner*in an, wenn es Probleme gibt. Aber für dich ist es gut gewesen. Einen psychologisch besseren Zeitpunkt, um mit dem Ehrenamt aufzuhören, gibt es nicht. Schmeiß eine große Party und blicke zurück. Hinter dir liegt eine wertvolle Zeit. VCP-Mitglied kannst du trotzdem bleiben.
  2. Next-Level-VCP: Denk drüber nach, ob es auch etwas gibt, was du für den Verband tun kannst, ohne in deiner Heimatstadt zu sein. Spoiler-Alert: Na klar! Du willst nicht auf Ewigkeit Verpflichtungen aufnehmen? Schau, ob es ein bundesweites Projekt gibt, an dem du mitarbeiten möchtest. Das nächste Bundeslager, Kurse oder auch die anp-Redaktion. Deine Sicht auf unsere Verbandsarbeit wird sich komplett verändern. Du definierst dein Pfadi-Sein neu. Dieser Blick über den Tellerrand gibt dir Selbstvertrauen.

Pfadfinden ist – wie viele Leute sagen – kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung. Man hört nicht auf, indem man aus dem Verband austritt. Pfadfinder*in ist man demnach sein Leben lang.

Foto: Andreas Kläger