Aus den Augen, aus dem Sinn? Der Müll im Meer geht nicht verloren

Von Vera Steinberg, Emmendingen

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Foto: Vera Steinberg

Vor einiger Zeit war ich auf Fuerteventura zum Urlaub machen. Eine herrliche, karge Insel, viele Freizeitmöglichkeiten wie surfen, segeln oder Sonnenbaden und kilometerlange Sandstrände, die zum Spazieren gehen einladen. Der südliche Teil der Insel heißt Jandìa, mit ca. 16 km Sandstrand an der Ostküste eine ideale Badegegend. Der Sand ist blütenweiß, die Hotelanlagen sind zwar präsent, aber nicht so schlimm wie befürchtet, der Tourismus boomt.

Doch was hat das alles mit Müll zu tun?

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Foto: Vera Steinberg

Nun, einen Tag unternahm ich eine längere Wanderung an die Westseite des südlichen Fuerteventura. Am Strand angekommen, war ich ziemlich schockiert: in jeder Bucht lag Müll: Bojen, Plastikflaschen, Tüten, kaputte Stühle, einfach alles. „Warum machen die Einheimischen und die Touristen das?“ fragte ich mich instinktiv. „Nur weil hier weniger Touris hinkommen, muss man nicht aufräumen, oder was?“ Die Antwort war schnell gefunden: Niemand hatte hier bewusst Müll hingeschmissen, Dinge achtlos weggeworfen oder gar gezielt illegal entsorgt. Der Müll wurde angeschwemmt: von der starken Meeresströmung aus dem Atlantik, die hier mit voller Wucht auf die Westseite der Insel trifft. Da die Strömung zu stark für große Boote ist, und keine Straßen sondern nur Wanderwege das Gebiet erschlossen haben, kann man den Müll auch nicht entsorgen. Versuche dazu gab es bereits.

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Foto: Vera Steinberg

Besonders fatal: Plastik wird im Meer zu immer kleineren Stückchen gerieben und von Fischen mit Plankton verwechselt und gefressen. Die Fische verhungern dann mit vollem Bauch. Plastiktüten werden von Schildkröten mit Quallen verwechselt und gefressen. Dass es große Müllstrudel in unseren Weltmeeren gibt, wusste ich vorher schon, aber die Wirkung so hautnah zu sehen, hat mich doch sehr schockiert. Laut dem WWF schwimmen in jedem Quadratkilometer der Erde zehntausende Teile Plastik. Dort, wo die Wellen aufhören, findet man doch am Meer normalerweise einfach einen Sandabdruck, oder vielleicht etwas Gischt. Nun, in meinem Fall habe ich eben diesen kleingeriebenen Plastik gefunden, der mittlerweile überall im Meereskreislauf zu finden ist. Ziemlich desillusioniert machte ich mich auf den Heimweg: traurig, über die Umweltverschmutzung, die wir Menschen verursachen, und geschockt über meine eigene Machtlosigkeit.

Weitere Infos zu den großen Müllstrudeln in den Weltmeeren gibt es unter