Austausch der Kulturen und der Pfadfinder*innentraditionen

Auf dem VCP-Bundeslager 2017 hatten wir viele internationale Gäste, unter anderem auch vier Gruppen aus Israel. Eine dieser Gruppen war zu Gast beim VCP Land Mecklenburg-Vorpommern, Leon Thadewald, der diese Maßnahme geleitet hat, berichtet über die Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht wurde auch auf der  von ConAct betriebenen Internetplattform „Exchange Visions“ veröffentlicht.

Vom 25.07. bis 06.08.2017 luden wir, zehn Pfadfinder*innen aus Mecklenburg-Vorpommern, 20 israelische Pfadfinder*innen nach Deutschland ein und erlebten mit ihnen eine unvergessliche Zeit. Zusammen besuchten wir den Bundestag und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin und verbrachten anschließend zehn wundervolle Tage auf dem VCP Bundeslager „Weitblick“ 2017 in Wittenberg. Alle Beteiligten berichteten ausschließlich positiv von dieser einzigartigen Erfahrung und wünschten sich unbedingt eine Wiederholung dieser Begegnung, vielleicht auch in Israel.

Allgemeines

Den VCP verbindet seit 1987 eine intensive Partnerschaft mit dem israelischen Pfadfinderverband (Israel Boy and Girl Scouts Federation) diese resultierte in vielen Begegnungen in Deutschland und Israel. Unsere Begegnung im Sommer 2017 war die erste des VCP-Landes Mecklenburg-Vorpommern. Aufgrund der durchweg positiven Resonanz sind aber weitere Begegnungen geplant.

Aufenthalt in Berlin

Die Deutschen Teilnehmer*innen sind bereits einen Tag vor Begegnungsbeginn nach Berlin angereist, um alles Notwendige zu planen und die israelischen Gäste gebührend in Empfang zu nehmen. Nach einem ersten gemeinsamen Abend zum Kennenlernen besuchten wir den Deutschen Bundestag sowie weitere Sehenswürdigkeiten, welche in unmittelbarer Nähe liegen. Neben der Auseinandersetzung mit den politischen Beziehungen von Deutschland und Israel konnte so auch schon auf kulturelle Unterschiede beider Länder eingegangen werden.

Zentral war ebenfalls der Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, an welchem wir eine Zeremonie mit Schweigeminute für die durch den Nationalsozialismus ermordeten Juden gehalten haben.

Gemeinsame Zeit auf dem Bundeslager

Das Bundeslager war der Höhepunkt dieser Begegnung. Das gemeinsame Erleben eines solchen Großlagers ist nicht nur für die israelischen Pfadfinder*innen eine ganz besondere Erfahrung sondern auch für die deutschen Teilnehmer*innen. Wir erlebten das Lagerleben in unserem Teillager, das Programm des Lagers, mit dem Großspiel als einen Höhepunkt, den Wittenbergtag, die Abende in den Oasen, gemeinsame Runden am Lagerfeuer und viele weitere schöne Momente. Dass sich die Gewohnheiten und die tägliche Routine auf den Lagern von deutschen und israelischen Pfadfindern fundamental unterscheiden, lernten wir schnell. Dies gab aber auch Anhaltspunkte um sich über Traditionen der beiden Nationen bezüglich des Pfadfindens auszutauschen und vielleicht auch Anregungen für seine eigene Gruppe oder den Stamm mitzunehmen. Wir erlebten diesen Austausch als große Bereicherung.

Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Shoah

Im Rahmen des Berlinbesuchs begannen wir ja schon, wie oben erwähnt, eine Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Am 04.08. besuchten wir gemeinsam mit dem gesamten israelischen Kontingent und den anderen gastgebenden Gruppen das Konzentrationslager Lichtenburg. Dort besichtigten wir die aktuelle Ausstellung, erhielten Informationen über die Nutzung dieser Einrichtung im Dritten Reich und schauten uns die Räumlichkeiten an. Neben dem gegebenen Input unterhielten wir uns auch sehr persönlich über diese Thematik, was eine noch tiefere Ebene der Auseinandersetzung mit einem Thema zur Folge hatte und Freundschaften bildete.

Abschluss dieser Veranstaltung war eine gemeinsame Zeremonie auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers, in welcher wir durch Lesungen, Gesang und einer Schweigeminute der ermordeten Juden gedachten.

Organisatorisches

Es ist gut, auf eine solche Begegnung vorbereitet zu sein. Die Schulung für Internationale Begegnungen (IB-Seminar) gibt einen guten Überblick über kulturelle Aspekte und Wissenswertes zu  Fördermöglichkeiten und Versicherungsfragen. Für mich als Hauptorganisator dieser Begegnung war die persönliche Motivation das Wichtigste. Diese ist die größte Hilfe wenn einen die Arbeit zur Organisation neben dem alltäglichen Leben mal übermannt. Ich kann jeder und jedem aber nur dazu raten eine Begegnung, mit welchem Land auch immer, zu organisieren. Die Bereicherung für einen selbst und natürlich auch für die Gruppe ist die Mühe wert!

Miles war dabei!

Auch Miles, das Maskottchen für internationale Begegnungen des VCP, war mit am Start.

Mittlerweile befindet sich Miles auch in Israel, da er ein Teil unseres Gastgebergeschenks an die Israelis war. Er befindet sich nun im Stammeshaus der Hebrew Scouts in Gedera.

Fazit

Wie eingangs schon erwähnt bleibt uns diese Begegnung allen als einmaliges Erlebnis in Erinnerung und dies verlangt förmlich eine Wiederholung oder sogar einen langfristigen Ausbau der Beziehungen zum Stamm in Gedera. Ich werde aller Voraussicht nach im Sommer 2018 nach Israel fliegen um unter anderem mit der Stammesleitung in Gedera die nächsten Schritte bis hin zu einer langfristigen Partnerschaft zu besprechen und hoffe auch sehr darauf das sich noch mehr Stämme oder Regionen dazu ermutigt fühlen internationale Begegnungen anzugehen!