Becci erklärt: Was bedeutet eigentlich Heimat?

von Rebecca Haugwitz

Der Heimatbegriff hat wie die meisten Wörter seit seiner Entstehung einiges an Bedeutungswandel vollzogen. Tatsächlich ist es ein sehr deutsches Wort, jedenfalls ist es ziemlich schwierig, dafür eine genaue Entsprechung in anderen Sprachen zu finden. Die Sinnvielfalt, die diesem Wort innewohnt, ist kaum übersetzbar. Seinen Ursprung hat es im Germanischen, da stand „heim“ ganz einfach für den Ort, an dem man lebt. Heutzutage spielt jedoch auch noch eine emotionale Komponente bei der Bedeutung von „Heimat“ eine Rolle. Diese kam mit der Entwicklung des Althochdeutschen hinzu, als „heim“ zu „heimoti“ wurde. Die neue Endung fügte der einfachen Ortsbeschreibung ein „zu dem Heim gehörig“ hinzu. Damit wird die rein materielle Ebene durchbrochen und der Begriff öffnet sich auch den damit verbundenen Gefühlen, wie zum Beispiel Sicherheit und Geborgenheit.

In der Lebenswirklichkeit des Mittelalters spielte der Heimatbegriff jedoch vor allem rechtlich eine Rolle. Wer damals das „Heimatrecht“ innehatte, dem war es erlaubt, sich an einem bestimmten Ort niederzulassen. Dieses Recht konnte beispielsweise durch Geburt, Heirat oder einen Hauskauf erworben werden. Mit der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts änderten sich relativ schnell die Lebensumstände der Gesellschaft, man rückte in Städten näher aneinander und die Menschen begannen, sich immer mehr entfremdet zu fühlen. So entstand in der romantischen Lyrik die Gegenbewegung der „Heimatdichtung“, welche die Sehnsucht nach Vertrautem ausdrückte.

Mit dem fortschreitenden sozialpolitischen Wandel im 19. Jahrhundert wurde der Ruf nach einer einheitlichen deutschen Nation immer lauter. So erhielt der Heimatbegriff auch eine politische Bedeutung. Die Nationalsozialisten trieben dies in der Zeit des Dritten Reichs auf die Spitze, indem sie „Heimat“ mit ihrer Blut­ und Bodenideologie gleichsetzten. Diese Ideologie steht für die extreme Ansicht, dass nur die „arische Rasse“ das Recht habe, auf deutschem Boden zu leben und dass sie vor „schlechtem Einfluss“ beschützt werden müsse. Somit haften dem Heimatbegriff bis heute sehr schlimme Verbrechen an.
(siehe https://www.vcp.de/pfadfinden/du-gehoerst-nicht-hier-her-wenn-heimat-ausgrenzt/ )

Doch Sprache befindet sich immer im Wandel und passt sich an die Lebenswirklichkeit der jeweiligen Epoche an.

Derzeit bietet Heimat zum einen für die meisten Menschen einen Gegenpol zur Globalisierung und verspricht Einfachheit, Geborgenheit und Ruhe, zum anderen spielt mittlerweile auch der digitale Raum eine nicht zu verachtende Rolle.

https://www.vcp.de/pfadfinden/heimat-im-digitalen/

Illustration: Miriam Lochner