Bericht vom Vater-Kind-Zelten vom 24.5. – 28.5.2017

Ein Erlebnisbericht von Daniel Warth „Prof“

Alle Jahre wieder kommt Himmelfahrt und bundesweit plumpsen einige Mütter und Ehefrauen frühmorgens erleichtert ins Bett zurück: Zum Glück ist wieder Vater+Kind-Zelten beim VCP! Für vier Tage treffen sich dann exklusiv Väter und ihre Kinder auf dem Jugendzeltplatz Wildpark bei Groß-Gerau zu gemeinsamen und spannenden Aktivitäten in frischer Luft und schöner Natur. Diesmal waren es 29 Leute, die aus Nah und Fern nach Südhessen kamen. Schnell stellte sich anhand der Tracht heraus, dass einige Väter aktive und ehemalige Pfadfinder waren und wir kamen gleich ins frotzelnde Gespräch, spätestens als es um hilfreiche Tipps und Kniffs beim mehr oder weniger flotten Aufbau von Trekkingzelt, Kohte und Jurte ging: Da war er wieder, der alte Geist von Baden-Powell! Bald senkte sich die Sonne über dem Lagergrund und nach dem Abendbrot wurde das erste Lagerfeuer entzündet. Während die Kinder, müde von Spiel und Anreise, Brennholz nachschoben, stimmten Karl-Heinz, Tyll und Reiner mit den Klampfen die alte und neue Fahrten-und Wandervogellieder an. Sie erzählten uns so manche interessante Anekdote aus der Pfadfinderbewegung.

An Himmelfahrt selbst zeigte sich das Wetter von der schönste Seite und da am Flughafen gerade die Startbahn West neu betoniert wurde, war auch die Ruhe über dem Zeltplatz einmalig himmlisch….Weil noch nicht alle angereist waren, beschlossen wir, den ersten Tag nach dem Frühstücksbuffet gemütlich mit Lageraufbau bzw. -optimierung und Spielaktivitäten zu beginnen.

Auf Wunsch der Kinder gab es unter anderem ein Projekt Feuerbau mit einem klassischen Pyramidenfeuer, dass mit Birkenrindenspänen und unter Verwendung von nur einem Streichhölzchen gleich zum Teekochen genutzt wurde. Wer wollte, konnte im Sitzring auch an einem von Reiner angebotenen Gitarren-Schnellkurs teilnehmen und so wurde das Vogelgezwitscher des Waldes mit mehr oder weniger flottem Gitarrenbeat akustisch untermalt. Andere spielten Wikinger-Schach oder stürmten den Kletterbaum am Rande der Lagerwiese. Manche Kinder nutzten auch die Gelegenheit, mal das ganze Wildpark-Areal auf eigene Faust zu erkunden und waren daraufhin im lichten Maigrün für längere Zeit nicht mehr zu sehen.

Da nun jeder die Grenzen des Lagerareals kannte, wurde nach der Mittagspause von den Vätern ein Geländespiel angesetzt: Es galt für die zwei eingeteilten Gruppen, gegenseitig die Holzpyramiden einzuwerfen und möglichst viel Gefangene zu machen. Dabei zeigte sich wieder, wie clever Kinder sind, wenn sie nur ein paar Sonderregeln haben: Denn mit geschickter Belagerungstechnik machten sie besonders der bald unterlegenen Südgruppe das Angreiferleben sehr schwer… Da es nun ziemlich heiß geworden war, kam es aber nicht zur Revanche. Im Schatten und bei kühlen Getränken wurde in gemütlicher Runde geschnitzt, geredet oder sogar für das mündliche Abitur gelernt. Nach dem traditionell bajuwarischen Abendessen mit „Schwoansbratn, Kneadeln und a oder zwoa Moaß“, präsentiert von Küchenmeister Tyll, folgte dann eine Schatzsuche für die Kinder. Nach geschickter Buchstabenkombinatorik und flinkem Gewusel durchs Unterholz von „Ösenbaum“ bis „Teufelstisch“ konnte endlich im sandigen Bachbett ein ganzer Sack leckerer Süßigkeiten ausgeschaufelt werden, quasi ein Mega-Betthupferl! Und wer immer noch nicht müde war, konnte sich noch ein individuelles T-Shirt mit Linoldruck erstellen…

Der nächste Morgen begann gut ausgeruht mit einem gesunden Frühstück mit Obst und Cerealien, ergänzt mit Speck und Eiern: Kraftspeise für die Kanuten, die heute den Altrhein bei Stockstadt mit kräftigen Paddelschlägen aufmischen wollten. Da nur sechs Kajaks bzw. Kanadier zur Verfügung standen, sollten heute nämlich eher die älteren und erfahrenen Teilnehmer*innen aufs Wasser gehen. Für die jüngeren Kinder und ihre Väter galt offenes Programm. So bauten wir kleine Modell-Floße und Schiffchen aus Naturmaterialien und wir schafften es sogar, dank geschickten Müll-Recyclings, aus einem im trockenen Bett des Apfelbachs gefundenen Styroporklotz auf besonderen Wunsch für den sichtlich stolzen Edward ein voluminöses Modell des Schlachtschiffs „Bismarck“ zu gestalten. So kam eine ganz unterschiedliche Flotte zusammen! Nach dem Mittagessen ging es weiter mit Klettern, Zeichnen, Diabolo oder Bocchia-Spiel und Gruppenaktivitäten in großer Runde: Bei letzteren profilierte sich Günter durch geschicktes Hakenschlagen am Kreis und Patrick zeigte sich beim „Ninja“-Kampf als Meister mit guten Reflexen. Ein Novum gab es in diesem Jahr: Bogenschießen. Dabei galt es unter munteren Kids und müden Paddlern die spannende Frage zu klären, ob denn der Langbogen nun mit rechts oder links besser durchgezogen wird. Effizienz durch Gewohnheit war aber unser Fazit und einen ernüchternden Erkenntnisgewinn gabs für Prof obendrein: Fürs nächste Jahr müssen wir wohl für unsere Steppkes „Traditionelle Kurzbogen“ basteln!

Beim bunten Abend durfte dann „Irrenarzt“ Norbert in der Spielerunde bei viel Gelächter erfahren, das Wahnsinn oft Methode hat und Christian und Wolfgang waren arme Opfer eines lustigen Streiches, bei dem auch keine Pillen halfen, denn es wurden Tränen gelacht, bis der Bauch weh tat. Richtig aufregend bei Dunkelheit und Feuerschein war dann die von Stephan gekonnt schaurig moderierte „Nacht in Palermo“, bei der es galt, durch detektivischen Spürsinn und intuitive Vermutung zwei sizilianische Serienmörder zu identifizieren. Müde ging´s dann für Groß und Klein ins Zelt und in den Schlafsack rein…

Und wieder ward es Abend und Morgen und siehe, es kam der dritte Tag! Strahlender Sonnenschein und blauer Himmel verhießen Frühsommertemperaturen und so hatte niemand etwas dagegen, dass der zunächst geplante Besuch des fernen Luisenparks in Mannheim zugunsten einer optionalen Wasserschlacht auf dem nahen Hegbachsee verworfen wurde. Christian übernahm in bewährter Manier mit seinem Matchbox-Auto-Männertraum im XXL-Format die Logistik mit dem Transport des Kanu-Anhängers, während Reiner den Fahrradtrupp über einen herrlichen Waldweg durchs lichtstrahldurchstochene Unterholz lotste, immer stets mit wissenswerten Informationen parat, sogar den besten lokalen Erdbeerpreisen! Schnell war der See erreicht und nach kurzer Einweisung in vorschriftsmäßige Schwimmwesten gekleidet, kletterte der Trupp der Jüngsten gleich in die Boote. Wolfgang übernahm die Rolle des Fregattenadmirals und gab zwar grob die Richtung vor, doch so mancher Kanu-Neuling paddelte munter drauflos und kreiselte dann ziel-und hilflos ins Ufergebüsch, wo wohl die legendäre Schnappschildkröte lauerte…Es folgten kurzweilige Stunden am, um und im See mit Schlammschlachten, Wasserspritzorgien, Fischfangversuchen, Burgenbau mit Matschepampe, Eisschlecken, heißen Väter-Diskussionen in kühlem Schatten und einem von Eric gekaperten Einhorn-Gummifloß, das besonders bei den Mädchen heimliche Wunschträume weckte. So gab es beim abendlichen Stockbrot-Backen überm Feuer wiederum allerhand zu erzählen, noch viel zu lachen und auch Schönes zu singen: Von Seemannsliedern bis zu alten Volksweisen, die ihre Aktualität von Liebesleid und Lebensfreud in Vers und Reim bis heute nicht verloren haben.

Am Sonntagmorgen dann wurde der Zeltplatz endgültig zum „Campo santo“, den Uwe hielt als Lagerkaplan eine kurze und einprägsame Andacht, die uns allen wieder klarmachte, was das Zentrum unseres Vertrauens und unserer Hoffnung auch in diesen weltpolitisch so unruhigen Zeiten ist: Die Liebe Gottes zu uns Menschen in seinem sichtbaren und unsichtbaren Wirken. Dann wurden die Zelte zusammen abgebrochen, der Lagergrund aufgeräumt und nochmal aufgetischt, was die Speisekammer an verzehrbaren Resten hergab. Schließlich traten wir alle, nach einem von Birger organisierten offiziellen Abschiedsfoto, sonnengebräunt und erlebniserfüllt nach und nach die Heimreise an, bis im Walde wieder die sprichwörtlich friedhöfliche Ruhe einkehrte – wenigstens zwischen zwei Flugzeugstarts.

Ach ja, liebe Mütter, eines zum Schluß: Falls Fragen an eure Sprösslinge und Göttergatten seit kurzem etwas eintönig mit Ja-Ja-Nein beantwortet werden, seid beruhigt: Es ist nur eine Nachwirkung von einem sehr gelungenen Vater+Kind-Zelten und geht vorüber!