Bockig sein …

von Rebeccca Haugwitz

… verbinden die meisten mit unreifem, kindischem Verhalten. Jemand, der sich bockig verhält, verweigert jede sachliche Diskussion und verschanzt sich hinter einer selbst errichteten Mauer, sodass niemand mehr an ihn*sie herankommt. Doch warum ist das so? Für dieses Verhalten gibt es viele Auslöser, eventuell wurden Erwartungen enttäuscht, das Selbstwertgefühl ­verletzt oder es gab einfach ein Missverständnis. Der*die Kommunikationspartner*in fühlt sich chancenlos, die ­Situation für sich zum Besseren zu wenden und kapselt sich deshalb ab, vor allem, um nicht weiter verletzt zu werden, aber auch, um die ihm*ihr zustehende Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese Abkapselung von anderen kann der bockigen Person schwer zu schaffen machen, vor allem, wenn sie sich häufig getroffen fühlt und sich so immer weiter in sich selbst zurückzieht. Deshalb sollte das Gegenüber sensibel und einfühlsam damit umgehen und den*die Betroffene*n nicht weiter angreifen. Behutsamkeit und Offenheit sind gefragt – wenn man ruhig bleibt, lässt sich fast immer über alles reden.

Bockig Sein muss allerdings auch nicht immer etwas vollkommen Schlechtes bedeuten. Denkt man an das Synonym „aufmüpfig sein“, lässt sich diese These etwas besser erläutern. Aufmüpfig zu sein bedeutet, dass man sich nicht unterordnen will. Dies kann natürlich für andere hinderlich sein, bildet aber auch den Charakter, denn man steht damit für sich selbst ein und schützt die eigenen Bedürfnisse und die eigene Identität. Die Dinge zu hinterfragen, fehlende Logik und Benachteiligungen aufzudecken kann im besten Fall Entwicklungen anstoßen, die die Welt am Ende zu einem besseren Ort machen. Genau dafür stehen wir als Pfadfinder*innen ja auch ein, deshalb: Seid mutig, stellt Systeme und Strukturen infrage und stoßt aktiv Veränderungen an, wo ihr Ungerechtigkeit wahrnehmt! Habt Bock, auch mal bockig zu sein!