Buchecke: Die Waschbärensippe – Ein Pfadfinderabenteuer

Interviewfragen an Jule Lumma und Thomas Kramer, Bundesvorsitzende im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder

Im Buch „Die Waschbärensippe“ muss sich Joris erst einmal beweisen, ob er pfadfindertauglich ist. Gibt es beim VCP eine Pfadfinder-Aufnahmeprüfung?

Nein, es gibt keine Aufnahmeprüfung.

Welche Eigenschaften sollte ein “guter“ Pfadfinder mitbringen?

Neugierde und vielleicht ein kleines bisschen Abenteuerlust. Mehr ist nicht nötig.

Kann jeder Pfadfinder werden?

Jedes Mädchen und jeder Junge kann Pfadfinderin oder Pfadfinder werden.

Wie lange gibt es die Pfadfinder schon und wie viele gibt es in Deutschland?

Pfadfinden gibt es seit 1907 und die Bewegung wurde durch Robert Baden-Powell gegründet. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche durchaus in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen. Das entsprach nicht dem damaligen gesellschaftlichen Bild, das man von Jugendlichen hatte. Darüber und über die Schlüsse, die er daraus zog – nämlich Jugendliche zu Verantwortungsbewusstsein zu erziehen – schrieb er ein kleines Buch „Aids for Scouting“. Für die damalige Zeit war dieser Ansatz – ähnlich wie die Reformpädagogik – fast revolutionär. Die eigentliche Geburtsstunde von Pfadfinden war 1907, das erste Zeltlager auf der Kanalinsel Brownsea Island.

Vielleicht noch ein Wort zu Robert Baden-Powell. Seine Erfahrungen hatte er beim Militär gemacht, aber die Erfahrungen der Kriege hatten ihn zu einem überzeugten Kämpfer für den Frieden werden lassen. Er wollte Pfadfinden auch nie als vormilitärische Erziehung sehen, sondern als „großes Spiel“ mit pädagogischem Nutzen. 1909, zwei Jahre nach der Gründung kamen auch Mädchen zum Pfadfinden. Pfadfinderinnen gibt es also auch schon über hundert Jahre.

Heute gibt es in Deutschland alleine in den von der Weltebene anerkannten Ringeverbänden BdP, DPSG, PSG und VCP rund 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder.
Weltweit sind es rund 50 Millionen.

Was will der VCP den Kindern und Jugendlichen durch das Pfadfinden vermitteln?

Ein glücklicher Mensch zu werden. Große Worte.
Vielleicht kann man es so erklären: In den Gruppen lernen Kinder und Jugendliche, ihre Meinung zu sagen, aber auch andere Meinungen zu akzeptieren und Kompromisse zu finden. Von klein auf dürfen sie mitentscheiden, erst bei kleinen Dingen, dann bei größeren Themen. Gleichzeitig sollen sie ihren Horizont erweitern – in jede Richtung. Internationalität ist ein Herzstück von Pfadfinden. Als Pfadfinderin oder Pfadfinder hat man Freunde auf der ganzen Welt. Und wer unterwegs war oder auf einem internationalen Lager Pfadis aus anderen Ländern begegnet ist und Freundschaften geschlossen hat, ist eigentlich immun gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Vermitteln wollen wir Selbstbewusstsein und Mut, Toleranz und Nächstenliebe, Interesse daran, sich für Gesellschaft und Umwelt zu engagieren.

Wie und wo können Interessierte Mitglied werden?

Einfach auf www.vcp.de schauen, wo die nächste Gruppe in der Nähe ist und Kontakt aufnehmen. Alternativ kann man auf der Webseite Kontakt zu den Landesbüros aufnehmen oder in der Gemeinde vor Ort nachfragen.

Wie läuft ein typisches Pfadfinder-Treffen ab?

Die Gestaltung der Gruppenstunden hängt von der Altersstufe ab. In dem Buch wird das ja ganz schön beschrieben. In der Kinderstufe wird viel gespielt, gebastelt und gesungen, inhaltliche Themen werden altersgemäß aufbereitet. In der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderstufe werden schon mehr technische Fähigkeiten und Fertigkeiten geübt, auch inhaltlich wird es etwas anspruchsvoller. Die Ranger/Rover, die älter als 16 sind, gestalten ihre Treffen eigenverantwortlich.
Es hängt auch immer ein bisschen von dem Interesse der Gruppe und der Gruppenleitung ab. Wenn eine Fahrt oder ein Lager ansteht, werden sich die Gruppen damit beschäftigen. Aber auch gesellschaftliche Ereignisse werden thematisiert.

Das Pfadfinder-Motto im Buch lautet jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen. Handelt der VCP auch nach diesem Prinzip? Was passiert, wenn ein Tag ohne gute Tat zu Ende geht?

Das passiert nichts Schlimmes. Die berühmte „gute Tat“ stammt aus dem Vermächtnis unseres Gründers Baden-Powell. Von ihm kommt – neben so bekannten Sätzen wie „Learning by doing“- auch die Lebensregel, die ich jetzt sinngemäß weitergebe: „Versuche, die Welt ein bisschen besser zu verlassen, als du sie vorgefunden hast. Versuche, ein glücklicher Mensch zu sein, aber noch glücklicher wirst du, wenn du andere glücklich machst.“ Da das relativ lang ist, wurde es zu „Jeden Tag eine gute Tat“ verkürzt.

Das soll nicht bedeuten, dass man – wie Joris – zwanghaft überlegt, ob man seiner kleinen Schwester Schokolade schenken oder einem scheinbar hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme greifen soll. Besser aufmerksam sein, freundlich, hilfsbereit. Und lieber zwei Mal genau hinschauen als einmal wegschauen.