Buchecke: Gott, du sag mal!

Alf Kjetil Walgermo, Gabriel Verlag, Stuttgart/Wien 2013

Walgermo_Gott_Cover_x.indd„Gott, heut bin ich wieder zur Schule gegangen. Es war merkwürdig, wieder zur Schule zu gehen. Alle waren irgendwie merkwürdig. So still. Die Jungs haben auf die Tischtennisplatte gestarrt. Die Mädchen haben Blicke getauscht. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. In den Pausen haben wir Hinkelkasten gespielt, ohne uns zu streiten oder zu lachen.“

In diesen ersten Sätzen, mit denen das Kinderbuch „Gott, du sag mal“ des norwegischen Autors Alf Kjetil Walgermo beginnt, lässt sich die Thematik der Geschichte erahnen: Es geht um das Tabuthema Tod und Trauer. Maria, ein aufgewecktes Mädchen im Grundschulalter, berichtet aus der Ich-Perspektive – ähnlich wie in einem Tagebuch – über ihre Gefühle und Gedanken. Dabei hat Maria ganz viele Fragen an Gott, denn ihre Eltern sind beide kurz zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Die Großeltern helfen Maria, ihre Trauer zu verarbeiten und in den Alltag und ins Leben zurückzukehren. Dabei werden im Laufe der Geschichte die anfangs eher düsteren Gedanken und Fragen von hoffnungsvollen, tröstenden Vorstellungen abgelöst, so dass Maria dann beim Weihnachtsfest „so froh“ und „so traurig“ zugleich ist: Sie wünscht sich, dass ihre Eltern am Weihnachtsabend da sind. In der Weihnachtsnacht glaubt Maria, Mama und Papa singen zu hören – und singt leise mit. Insofern ist die Geschichte auch eine Weihnachtsgeschichte, die zwischen den Zeilen feinfühlig und kindgerecht die christliche Botschaft von der Überwindung des Todes thematisiert. Marias Eltern leben in Marias Herzen und Gedanken weiter – im Himmel bei Gott. Das Symbol „Engel“ als Verbindung zwischen Himmel und Erde bzw. Gott und den Menschen durchzieht die gesamte Geschichte – vom Schutzengel bis hin zu den Engeln in Bethlehem.

Auch in den phantasievollen Illustrationen von Eva Schöffmann-Davidov lassen sich mehrfach Engelsdarstellungen entdecken. Das warmherzig geschriebene Buch kann Kindern helfen, Tod und Trauer besser zu verstehen, und lädt ein, über die Fragen nach dem „Warum?“, und „Wohin?“ nachzudenken.

5eselohrenvergibt Andreas Witt