Das hat sich wie ein Crashtest angefühlt

Fabienne Schwartz ist seit Anfang 2016 als Referentin für Bildung in der Bundesleitung. Hier berichtet sie Diane Tempel-Bornett von den Erlebnissen des ersten halben Jahres ihrer Amtszeit.

Du bist jetzt ein halbes Jahr Referentin für Bildung. Was hast du in diesem halben Jahr erlebt? Werden deine Erwartungen erfüllt? Konntest du schon etwas umsetzen? Gab es Highlights und/oder Enttäuschungen?

Fabienne Schwartz: Wow, ein halbes Jahr als Referentin für Bildung ist um. Es fühlt sich länger an, weil ich schon im Juli 2015 an den ersten Sitzungen der Bundesleitung teilgenommen habe. Durch meinen Auslandsaufenthalt in Kamerun konnte ich das Amt nicht gleich antreten und hatte deshalb das Glück, eine lange und gute Einführung durch den Bundesvorstand, die anderen Bundesleitungsmitglieder und die Fachgruppenmitglieder meines Referats zu haben. Besonders erinnere ich mich noch an meinen ersten Bundesrat im Januar 2016, bei dem ich bestätigt wurde und am selben Tag einen Beschluss zur Schulungsrahmenkonzeption herbeiführen sollte. Das hat sich wie ein Crashtest angefühlt.

In den folgenden Monaten hat sich eine Herausforderung an die andere gereiht, ich habe versucht Arbeitsabläufe und Menschen so schnell wie möglich kennenzulernen, vor allem, weil ich bereits im April wieder für mehrere Monate nach Marokko aufgebrochen bin.
Natürlich gab es bereits jetzt schon mehrere Highlights: Ich durfte an unzähligen Sitzungen, einem Internationalen Training in Frankreich und am Woodbadge-Kurs teilnehmen und jede dieser Erfahrungen genieße ich dankbar und sauge sie auf wie ein Schwamm. Jeder Herausforderung, der ich mich in meinem Amt stelle und (hoffentlich) meistere folgt mehr Routine und das gibt ein gutes Gefühl.

Bildung ist ein großes Thema für einen Jugendverband. Was verstehst du darunter? Wo hat der VCP hier Bedarf?

Fabienne Schwartz: Bildung ist natürlich DAS Thema eines Jugendverbands: Lebenslanges Lernen, von der Kinder- bis zur Erwachsenenstufe sollte im VCP noch eine viel größere Rolle spielen. Das  Herausragende an Bildung und (Aus-)Bildung im VCP ist für mich das enorme Potential, das Menschen hier entdecken und entfalten können. Wenn wir Kindern, Jugendlichen, jungen und alten Menschen etwas zutrauen (und sie bestärken!), ihnen eine Chance geben, sich zu entdecken und ihr Potential zu entfalten, dann geschehen unglaubliche Dinge. Es ist toll, Leiterinnen und Leiter vor sich zu haben, die in und durch VCP-Schulungen über sich hinauswachsen und erkennen, dass ihr Potential noch lange nicht erschöpft ist. So stärken wir Menschen und gleichzeitig die Gesellschaft.

Genau deswegen brauchen für mich Bildungsthemen eine noch höhere Priorität im Verband. Wir wollen nicht nur die kleine „Elite“ erreichen, die es zu den Leitungskursen „geschafft“ hat, sondern auch betrachten, wie wir die Idee des Pfadfindens so zugänglich gestalten, dass auch der VCP und mit ihm die Gesellschaft heterogener wird.

Bildung ist ein Querschnittsthema. Sie findet nicht nur in meinem Referat oder auf Schulungen statt. Indem wir uns besser vernetzen, im Bewusstsein dass wir dieselben, pfadfinderischen Ziele haben, könnte auch der VCP extrem von Synergien profitieren. Ich denke,  da z.B. an die vielfältigen und qualitativ hochwertigen Schulungen in den Ländern, die durch Ideenaustausch, jede für sich, noch besser werden können.

Wie sehen deine konkreten Pläne für die nächste Zeit aus? Gibt es besondere Projekte?

Fabienne Schwartz: In meinem Referat gibt es vier Projekt- und Fachgruppen. Die Fachgruppe Schulung arbeitet zurzeit intensiv an der Bundesschulungsrahmenkonzeption, die dieses Jahr abgeschlossen werden soll.
Die Projektgruppe Ranger/Rover Schulung hat gerade erst ihre Arbeit aufgenommen und will im nächsten Jahr mit der ersten Pilotschulung starten.
Die Fachgruppe achtsam & aktiv sucht neue Mitglieder, die mit ihnen an der Erstellung einer Methodensammlung und eines Krisenplans arbeiten (Interessierte bitte hier melden: fg.achtsamundaktiv@vcp.de).

Die Woodbadge-Fachleute sind immer beschäftigt mit der Durchführung des laufenden Kurses und der Konzeption/Ausbildung der Teamenden für die nächsten Kurse.

Was wünschst du dir für den VCP? Kurz-, mittel – und langfristig? Wie sehen deine Visionen aus? Wo kann man dich unterstützen?

Das wichtigste,  was unsere Mitglieder dem VCP und dem Pfadfinden geben können, sind ihre meist umkämpften Ressourcen: Zeit und Aufmerksamkeit. Wir haben heute immer mehr Auswahl und immer weniger Zeit, da es ist wichtig zu priorisieren, um nicht unterzugehen. Es ist schön, wenn die Menschen auf die Frage „What´s in it  for me?“ eine Antwort im VCP finden können.

Und was ist für mich drin? Eine Menge unvergesslicher Erfahrungen und Freundschaften, die ich gegen nichts eintauschen würde.

Ideen, Anregungen, Wünsche oder einfach Lust den Bereich Bildung im VCP weiterzudenken? Meldet euch gerne unter: fabienne.schwartz@vcp.de

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