Das Kreuz mit dem Karfreitag

Von Esther Koch

Ein bekanntes Bild in der christlichen Kunst: drei Kreuze auf einem Hügel. In der Mitte, so wissen wir, hängt Jesus Christus am Kreuz. Mit ihm wurden zwei Verbrecher getötet. Einer links von ihm, einer rechts.

Richtig, das Kreuz war ein Folterinstrument. Die Kreuzigung ist eine der grausamsten Arten, einen Menschen umzubringen. Auch bei den Römern, den damals Herrschenden, galt sie als die „grausamste, ­entsetzlichste“ (Cicero) Hinrichtungsart. Deshalb durften römische Bürger*innen von Rechts wegen nicht gekreuzigt werden. Jesus hat sein Kreuz selbst zu seinem Hinrichtungsort tragen müssen. Über Stunden zog sich sein Sterben hin, er starb eines qualvollen Todes. Noch heute ist das Kreuz darum ein Bild für menschliches Leid. Jemand muss, wenn ihm etwas Schlimmes geschieht, „sein Kreuz tragen“ oder gilt als „kreuz­ unglücklich“.

An Karfreitag erinnern wir uns dem Leiden und Sterben Jesu. Und das tun wir – wie es in Trauer angebracht ist – in aller Stille. Die Kirchglocken verstummen und die Orgel schweigt. An diesem Tag sollte nichts Spaßiges unternommen werden, man schlägt sich nicht den Bauch voll und geht auch nicht feiern. Karfreitag ist ein Feiertag. Aber kein Tag, an dem gefeiert wird. Nicht jedem schmeckt das. Warum haben alle Geschäfte zu, wenn man doch endlich mal Zeit zum Shoppen hätte.

Warum keine Party, wenn man am nächsten Tag ausschlafen könnte?
In den vergangenen Jahren mehrten sich die Stimmen, die sich vor allem gegen das Tanzverbot aussprachen. Es wäre nicht mehr zeitgemäß, so die Gegner des Verbots. Man wolle sich nicht vorschreiben lassen, wie man zu leben und zu feiern habe.

Karfreitag ist wie Weihnachten ein fester Bestandteil des Kirchenjahres. Das Kirchenjahr und seine Feste haben seit jeher auch das Leben der Gläubigen strukturiert, denn es gibt uns Zeiten vor. Zeiten zum Freuen und Feiern, Zeiten für Trauer, Zeiten für Bitte und Dank, Zeiten zur Besinnung.

Betet einen Kreuzweg

Jedes Jahr gibt es den ökumenischen Jugendkreuzweg. ­Dieses Jahr trägt er den Titel „Ans Licht“ und
enthält wieder Bilder, Texte, Noten, Musik und eine
App zum Mitbeten.

Ruhe ­kommen darf, um sich auch den ­ernsten und dunklen ­Seiten zu stellen.

Und so hat auch der Karfreitag einen festen Platz im Jahr und im Leben der Menschen. Einen Tag, an dem der Mensch zur Ruhe kommen darf, um sich auch den ernsten und dunklen Seiten zu stellen. Sich mit dem eigenen Kreuz, dass jede*r herumträgt auseinander zu setzen. Oder auf die Mitmenschen zu schauen: Wie geht es ihnen? Kann ich helfen?

Tanzt das Leben

Es tut jedem Menschen und der Gesellschaft gut, wenn es in unserer schnelllebigen Zeit Haltestellen gibt, an denen man kurz anhält und sich darauf besinnt, was wichtig ist. Dies auch in einer äußerlichen Ruhe zu tun, unterstreicht die Bedeutung dieses Feiertages.

Mehr zum Jugendkreuzweg gibt es unter
www.jugendkreuzweg-online.de.
Sie sind ganzjährig im Gesamten oder als Bausteine für Andachten, Gebetsimpulse oder Gruppenstunden einsetzbar. Die App „Ans Licht“ ist über die bekannten Stores zu beziehen. Alle Materialien können ab sofort über den Verlag Haus Altenberg unter www.jhdshop.de bestellt werden.

Die Geschichte, die wir uns an Karfreitag erinnern, hat ein Happy End. An Ostern, drei Tage nach Karfreitag, ist Jesus wieder auferstanden. Halleluja, er ist wahrhaftig auferstanden! Die Tage der Stille und Traurigkeit sind vorbei. Es darf gefeiert werden! Wie wäre es mit einem gemeinsamen Kreistanz nach dem Ostergottesdienst?

Ideen für den Karfreitag:

Gestaltet eine Andacht zur Todesstunde Jesu

  • Eröffnet die Andacht und sprecht ein Gebet.
  • Lest das Evangelium nach Lukas 23, 33– 49 Kreuzigung Jesu.
  • Nehmt euch eine Zeit der Stille. ­
  • Welches „Kreuz“ belastet euch am meisten?

Gestaltet euch ein Kreuz

  • Bastelt ein Kreuz! Jede*r eines für sich oder zusammen eines.
  • Schneidet euch aus Tonkarton die Silhouette eines Kreuzes aus. Klebt hinter das Kreuz eine Klarsichtfolie. Dann „füllt“ das Kreuz mit Transparentpapierschnipsel.
  • Ihr könnt euch aber auch ein Kreuz aus Fimo formen und mit Steinchen bekleben, oder aus Holz aussägen und anmalen, oder aus Perlen fädeln oder aus Ästen binden, oder eine Schmuckfassung mit Mosaiksteinchen bekleben, oder …

 

Foto: Olaf Eybe