Die Europäische Union – gehen wir jetzt rückwärts?

Mit den Pfadis im Sommer nach Schweden oder Frankreich. Grenzenloses Europa erfahren und dabei ganz selbstverständlich die Vorzüge der Europäischen Union genießen. Wie lange noch?

von Lena Simosek

Als in den 50-er-Jahren die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gegründet wurde, galt dies als Grundstein der europäischen Einigung. Sechs Staaten schlossen sich zu einer gleichberechtigten Partnerschaft zusammen, die zuvor in zwei Weltkriegen gegeneinander gekämpft hatten. Heute nennen wir dieses Projekt für Frieden, Freiheit, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit Europäische Union (EU) – diese umfasst (noch) 28 Staaten und mehr als 500 Millionen Menschen.
Die EU ist eine Wertegemeinschaft. Alle Mitgliedsländer streben eine Gesellschaft an, in der Inklusion, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und Nichtdiskriminierung selbstverständlich sind. Es gilt den wissenschaftlichen, technologischen und sozialen Fortschritt zu fördern, die Vielfalt zu achten und die Umwelt zu schützen – das klingt doch auch sehr pfadfinderisch!

Der europäische Gedanke, die Sehnsucht nach einem geeinten Europa und von einer vereinten, friedlichen Welt wurde teilweise schon zwischen den beiden Weltkriegen propagiert. Und seitdem hat sich ja auch einiges getan.

Denk mal nach, was bringt dir die Europäische Union?

In 19 von 28 Staaten gibt es eine einheitliche Währung – den Euro. Du sparst Zeit und Kosten, denn der Geldumtausch vor der nächsten Fahrt entfällt. Außerdem sind Preise viel einfacher zu vergleichen. Kaufe ich die Verpflegung für die Gruppe besser schon in Deutschland oder verkraftet die Gruppenkasse auch den Einkauf in den Niederlanden? Dank dem Schengener Abkommen brauchst du an den Grenzen keine langen Wartezeiten befürchten, denn die Grenzkontrollen sind abgeschafft – grenzenloses Europa. Die Zeit könnt ihr dann lieber mit der Erkundung eures Fahrtenziels verbringen. Europaweite Mobilität wird dir auch dadurch zugesichert, dass dein deutscher Führerschein in allen EU-Ländern anerkannt wird. Da klappt dann auch der Materialtransport zum Sommerlager in Polen. EU-Bürger*innen können sich innerhalb der EU frei bewegen. Sie haben die Freiheit, in jedem EU-Land zu wohnen, zu arbeiten, zu studieren oder ihren Lebensabend zu verbringen. Du hast auf dem letzten Moot einen netten Portugiesen kennengelernt? – Du bist dor,t wie in allen 28 EU-Staaten, herzlich willkommen! Durch Programme wie Erasmus+ wird vielen Schüler*innen, Student*innen aber auch Lehrer*innen ein Auslandsaufenthalt zu Bildungszwecken ermöglicht. Die EU erlässt weiterhin Bestimmungen, die die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen zwischen den Mitgliedstaaten gewährleisten. 2017 hat die EU Roaming-Gebühren, die beim Telefonieren im EU-Ausland anfallen, abgeschafft. Einem Gruppenkind geht’s nicht so gut und du willst lieber die Eltern benachrichtigen? – Kein Problem, keine zusätzlichen Kosten mehr! In allen EU-Ländern gelten die gleichen Verbraucherschutzregeln, wie auch die uns allen bekannte Datenschutz-Grundverordnung. Auch die gemeinsamen Umweltziele der Mitgliedsstaaten sollten für dich und folgende Generationen nicht uninteressant sein. Und – noch nie gab es eine so lange Zeit ohne Krieg in Deutschland und den Nachbarstaaten.

Seit ein paar Jahren aber scheint sich die EU im Sinkflug zu befinden. Eurokrise und die sogenannte Flüchtlingskrise haben die Gemeinschaft erschüttert. Die europäische Idee ist durch diese Herausforderungen scheinbar in der Schublade verschwunden, stattdessen geht es um nationale Souveränität und kulturelle Selbstbehauptung. Der Brexit ist nur der erste Dominostein, der gefallen ist. Der Wohlstand aller EU-Staaten und der Frieden in Europa sind gefährdet.

Wir müssen aktiv werden!

Es reicht nicht mehr, einfach zu hoffen, dass alles gut geht. Wir müssen den europäischen Gedanken sichtbar und hörbar machen. Dabei sollte man Misstrauen ernst nehmen, die Ursachen verstehen und Ängste in Zuversicht wandeln. Die EU kann nur verbessert werden, wenn sie auch bestehen bleibt. Reformen sind notwendig, Transparenz und Bürgernähe sind dabei von großer Bedeutung.

Die Zahl der Menschen, die der EU positiv gegenüberstehen, ist mit Sicherheit größer, als die der EU-Gegner*innen. Wir müssen nur lauter sein. Gebt bei der nächsten Wahl einer europafreundlichen Partei eure Stimme, geht z.B. mit Pulse of Europe auf die Straßen und demonstriert für die europäische Idee, werdet Europa-Aktivist*in! Wer, wenn nicht wir Pfadfinder*innen, könnte sich für Frieden, Toleranz und Solidarität einsetzen?

Pfadfinden und das Roverway bei „Pulse of Europe“ in Köln