documenta in Kassel – ein Ausflugsziel für Pfadfinder*innen?

In Kassel kennen die meisten den ICE-Bahnhof: kalt, zugig, ellenlange Gleise – und nicht besonders schön. Als Einblick in die Stadt Kassel nicht der beste Einstieg. Kassel hat viele schöne Ecken, man muss sie nur zu finden wissen. Ansonsten ist Kassel eher… grau. Kassel als Stadt für Insider*innen?

Während der documenta ist alles anders: Kassel ist bunt, weltoffen, interessant. Und die Bundeszentrale ist mit der Tagungsstätte auch eine Reise wert – und vielleicht ist bis zum Ende der documenta ja noch ein Zimmer für Kunstinteressierte frei.

Mit den verschiedenen Spaziergängen über die Ausstellung lässt sich die documenta und die Stadt erkunden: https://documenta-fifteen.de/spaziergaenge/

Im Sandershaus, im Zukunftsdorf, fühlt man sich als Pfadi gleich wie zuhause: https://documenta-fifteen.de/ausstellungsorte/sandershaus-haferkakaofabrik/

Am Bootsverleih „Ahoi“ dem Weg einer Schnecke folgen, über Schulbänke klettern, im Sandkasten spielen? Und einfach die Atmosphäre genießen.

In der (immer schönen) Karlsaue wird an verschiedenen „reflecting points“ zum Nachdenken angeregt – Nachhaltigkeit, Klimawandel, wie kann es weitergehen? Zwischen den schon im August fallenden Blättern der uralten Bäume und dem Geruch nach Herbst fällt es trotzdem manchem documenta Besucher (nein, ich habe nicht vergessen zu gendern) schwer, hier den Klimawandel als Todesursache zu sehen. Ist bestimmt nur an Altersschwäche gestorben.

Der Baum wurde 1896 von Maria gepflanzt – und ist letztes Jahr als Folge des Klimawandels verdurstet. Er wurde nur 125 Jahre alt.

Die documenta lebt auch davon andere Besucher*innen zu beobachten, ihren Gesprächen über die Ausstellung zu lauschen. Welche Idee haben andere zu dem was ich dort gerade sehe? Denn die documenta ist viel, viel zu viel. Eindrücke, Überforderung, Unverständnis, was sehe ich da überhaupt? müssen auf jeden Fall in einen Besuch mit eingerechnet werden.

Am besten man besucht Kassel und die documenta – lässt sich genügend Zeit (und nimmt das nötige Kleingeld mit), um an verschiedenen Orten Inne zu halten, Menschen zu beobachten. Die Weltoffenheit in sich aufzusaugen. Die Ausstellung in ein, zwei Tagen erfassen zu wollen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber es ist auf jeden Fall möglich Anknüpfungspunkte und Lieblingsorte zu finden. Zum Beispiel diesen Komposthaufen:

Die documenta gilt als die bedeutendste Ausstellung für zeitgenössische Kunst weltweit. Ja, weltweit – und das in Kassel. Sie findet alle fünf Jahre statt und dauert 100 Tage. Die gerade laufende documenta fifteen dauert noch bis zum 25. September. Sie wird kuratiert (zusammengestellt) von einem Künstler*innenkolletiv aus Jakarta/Indonesien. Die Werte und Ideen von lumbung (indonesischer Begriff für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune) liegen der Ausstellung zugrunde. Grundsätze wie Kollektivität, gemeinschaftlichem Ressourcenaufbau und gerechter Verteilung -Organisationen und Institutionen aus aller Welt sollen miteinander lumbung praktizieren und an neuen Nachhaltigkeitsmodellen sowie kollektiven Praktiken des Teilens zu arbeiten. Passt an sich also perfekt zum Pfadfinden.

Noch spontan nach einem Schlafplatz in der Bundeszentrale fragen? info@vcp.de