Du bist kein Werwolf – Über Leben in der Pubertät

MANUELA KALUPKE
Redakteurin, PG Kinder & Famlie
©WDR/Dirk Borm

Rebecca Haugwitz aus der anp-Redaktion sprach mit Manuela Kalupke, der Redakteurin der Sendung „Du bist kein Werwolf – Über Leben in der Pubertät“. In dieser stellen sich Christine Henning und Ralph Caspers allen Fragen, die Heranwachsenden kurz vor und während der Pubertät beschäftigen. Es geht dabei um ihren Körper, die Veränderungen, ihr Umfeld, Freunde und natürlich auch um Liebe. Die Sendung möchte hierbei unverkrampft und mit einem ironischen Augenzwinkern an die Themen herangehen, um auf Augenhöhe der Zuschauer zu sein.

Woher kam denn die Motivation, beziehungsweise die Idee, eine solche Sendung zu produzieren? Vor allem, wo es ja schon länger den Kummerkasten gab, der sich Problemen und Fragestellungen Kinder und Jugendlicher annimmt?

Der „Kummerkasten“ hat ja eine ganz andere Ausrichtung, er ist eher ein direkter Austausch oder eine Sprechstunde zu vielen verschiedenen Themen, während „Du bist kein Werwolf“ konkret auf die Pubertät ausgerichtet ist. Wir sahen es damals einfach als unseren öffentlich-rechtlichen Auftrag, uns auch dieser Themen anzunehmen. Auch ein Unterschied: Unsere Sendung kann sehr gut wiederholt werden, da die Pubertät ja eine Phase ist, durch die jedes Kind im Leben gehen muss und wo sich viele immer wieder dieselben Fragen stellen.

Und woher kamen und kommen die Themen und Ideen, zum Beispiel für die Selbstversuche? Werden die von jungen Menschen selbst vorgeschlagen oder überlegt sich die Redaktion immer etwas?

Sowohl als auch. Wir haben im Vorlauf der ersten Sendung schon mit vielen Jugendlichen gesprochen und uns haben auch schon auf anderen Wegen viele Nachrichten erreicht, wo Themenvorschläge und Anregungen dabei waren. Man kann sagen, dass etwa ein Drittel unserer Inhalte von den Zuschauern vorgeschlagen werden.

Kommen auch Anfragen wegen Missbrauchs?

Bei uns im Verband ist Prävention ja ein wichtiges Thema, wir haben zum Beispiel eine eigene Fachgruppe, die sich damit auseinandersetzt und sich dafür einsetzt, unsere Mitglieder über Regeln und Rechte aufzuklären und sie für Grenzen zu sensibilisieren.
Das ist natürlich ein ganz wichtiges Thema, dem wir uns leider noch nicht konkret gewidmet haben. „Du bist kein Werwolf“ will ja augenzwinkernd und unverkrampft mit seinen Inhalten umgehen, da fällt es uns schwer, Missbrauch und Pornografie unterzubringen. Wir haben aber beispielsweise über Verhalten in sozialen Netzwerken aufgeklärt, wo es dann auch darum ging, sich nicht mit Unbekannten aus dem Internet zu verabreden. Ralph hat auch schon einmal in einer Sendung die Zuschauer dazu angehalten, dass man auch „Nein“ sagen können muss und dass es wichtig ist, das zu lernen.
Vereinzelt erreichen uns auch Nachrichten wie zum Beispiel „Der Freund meiner Mama will ständig allein mit mir im Raum sein, mir ist das jedoch unangenehm. Was soll ich tun?“, da bitten wir dann inständig darum, mit jemanden zu reden, der helfen kann, verweisen an Experten aus der Umgebung, wenn diese bekannt ist, oder an das Sorgentelefon.

Wie sieht das denn bei euch Pfadfindern aus? Wird das thematisiert?

Zunächst haben wir in den meisten VCP-Ländern Präventionsbeauftragte, Vertrauenspersonen, zu denen die Mitglieder kommen können, wenn sie Hilfe suchen. Außerdem werden von der Fachgruppe achtsam & aktiv Materialien bereitgestellt, die über wichtige Regeln für den Umgang miteinander, aber auch über die Rechte der Gruppenkinder aufklären. Für unser Bundeslager haben wir zum Beispiel Heftchen, wo solche Regeln und Rechte drin stehen wie „Du darfst selbst entscheiden, wer dich auf Zecken untersucht!“.

Das klingt ja sehr gut, dass ihr so offen damit umgeht und darauf hinweist, dass das keine unwichtige Problematik ist.

Wie kommt denn „Du bist kein Werwolf“ bei der Zielgruppe an? Bekommt ihr viel Feedback und ist auch mal härtere Kritik dabei?

Bei der Kritik lässt sich eine Entwicklung von der ersten Ausstrahlung 2011 bis zur letzten im letzten Jahr feststellen. Zunächst gab es mit den vielen Anfragen und Ideen der Zuschauer auch viel positives Feedback. Vor allem im letzten Jahr wurden wir dann plötzlich vermehrt von besorgten Eltern oder Vereinen, sogar von einigen Kindern angeschrieben. Das häufigste Argument ist da, dass Aufklärung nur von Eltern, nicht vom Fernsehen oder der Schule geleistet werden solle.
Unsere Zielgruppe, die Zehn- bis 13-Jährigen, erreichen wir sehr gut, in die meisten unserer Zuschauer sind in diesem Alter. Aber auch viele Sechs- bis Neunjährige sind dabei, was aufgrund der Sendezeit eigentlich erstaunlich ist.
Besonders gefragt ist die Sendung im Netz, da ja durchaus auch Themen dabei sind, über die man sich nicht unbedingt gemeinsam mit den Eltern informieren möchte. Die Rubrik „Mein Körper“ wird dabei am häufigsten angeklickt, das scheint etwas ganz wichtiges für die jungen Menschen zu sein.

Und zu guter Letzt: Woher stammt der Titel der Sendung?

Das war tatsächlich eine Idee von Ralph Caspers selbst, der das Konzept mitentwickelt hat. Wir wollten etwas Provokantes und Schräges, wo das Bild des Werwolfes, der sich ja ganz plötzlich zu verändern beginnt, sobald Vollmond ist, sehr gut passt. Zu Zeiten von Twilight und Co. waren Werwölfe natürlich auch beliebt bei Kindern und Jugendlichen, daher kam dann auch der Untertitel „Über Leben in der Pubertät“ hinzu, um etwaiger Verwirrung vorzubeugen.
Mit der Zeit konnten sich unsere Zuschauer auch mit dem Werwolf identifizieren, schlossen ihre Mails an uns zum Beispiel mit „Liebe Grüße, euer Werwolf Felix“.

DU BIST KEIN WERWOLF
Mit Christine Henning und Ralph Caspers
© WDR/M. Kalupke