Eine etwas andere Jurte für den Schachen

von Thilo Blennemann und Patrick „Paddy“ Pressel

Schon seit einiger Zeit gab es die Überlegung, die Übernachtungsmöglichkeiten in den Häusern auf dem Schachen – seit dem Bundeslager 2014 jedermann und jederfrau als Zeltplatz des VCP Württemberg auf der Schwäbischen Alb bekannt – durch einen zusätzlichen Raum für die Hausgäste attraktiver zu machen. In diesem Jahr konnte das Projekt dank emsiger Arbeit und guter Kontakte des „Heimausschuss“ (so nennt sich ein Kreis von Erwachsenen im VCP, die am, auf und für den Schachen arbeiten) endlich verwirklicht werden.

Entstanden ist eine „Holzjurte“ – ein Gebäude, das so bestimmt nur Pfadis bauen würden! Die Idee dahinter war, nicht „irgendeinen“ Anbau zu errichten, sondern etwas zu bauen, dem man sofort ansieht, dass es von Pfadfindern gemacht wurde. Was als Versammlungszelt auf dem Lager dient, das müsste schließlich auch als fest errichteter Versammlungsraum funktionieren.

So entstand der Gedanke, die Grundform der Jurte für ein ortsfestes Gebäude zu übernehmen, einschließlich dem Rauchabzug und damit der Möglichkeit, den Raum mit einer Feuerstelle auszustatten. Planung und Bau der Jurte wurden maßgeblich von Paddy Pressel vorangetrieben, der von Beruf Zimmermeister ist und somit über das nötige Fachwissen und die Kontakte verfügt, um so ein Projekt zu realisieren. Er entwarf auch das so genannte „Mandaladach“ für die Jurte. Bei Mandaladächern werden die Sparren kreisförmig angeordnet, so dass jeder Sparren mit seinem Nachbarn aufliegt. Dadurch entsteht eine frei tragende Dachkonstruktion ohne störende Stützen im Rauminneren.

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Vor der Bauausführung musste aber erst einmal das Problem der Finanzierung gelöst werden; die Bauausführung durch einen Fachbetrieb wäre einfach zu teuer geworden. Aber es gelang, die Lehrer einer Berufsschule in Reutlingen für die Idee des Jurtenbaus als Holzkonstruktion zu begeistern. Sie entwickelten aus der Idee ein klassenübergreifendes Projekt. Der Fachwerkunterbau wurde den Auszubildenden aus dem 1. Lehrjahr zugewiesen, das Mandaladach den Meisterschülern. Nachdem die Holzkonstruktion in der Berufsschule geplant und vorbereitet worden war, wurde sie im Mai 2015 aufgestellt. Einen Tag benötigten die angehenden Zimmerleute für das Aufrichten des Fachwerks, am zweiten Tag wurde das Dach aufgeschlagen. Anschließend verschalten sie das Dach. Nun war es Zeit für das Richtfest!

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Wenige Wochen später rückte dann ein weiterer Meisterkurs auf dem Schachen an. Diesmal waren es künftige Klempnermeister von der Robert-Mayer-Schule in Stuttgart. Sie hatten gemeinsam mit ihren Lehrern – und wiederum angestiftet von Peter Spano und Paddy – eine Metallabdeckung für die ungewöhnliche Dachform entworfen. Mit Hilfe ihrer bewundernswerten Metallbearbeitungskünste gelang es ihnen, die ganze Konstruktion wetterfest mit schwarzem Blech zu verkleiden.

Ein letzter Arbeitseinsatz war dann noch nötig, um Seitenverkleidung und Tür zu vervollständigen und die Inneneinrichtung (in Form rustikaler Holzbänke) einzubauen.

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Ein Blick auf die fertige Jurte zeigt, dass der Einsatz sich gelohnt hat: Sie ist nicht nur ein pfaditypisches Bauwerk, das seinesgleichen sucht, sie ist vor allem eins: super gemütlich!

Von der Planung bis zur fertigen Jurte