Eine kleine Flamme auf dem Weg durch Berlin

Von Lena Berkey und Killian Hähn

Im Dezember 2014 wurde das Friedenslicht wie jedes Jahr von Pfadfinderinnen und Pfadfindern in die Bundesministerien und andere Institutionen des Bundes (Bundestag, Bundeskanzlerinnen- und Bundespräsidialamt) gebracht.
Wir, Kilian Hähn und Lena Berkey, durften als Teil der Delegation mit nach Berlin fahren und den VCP vertreten.

Insgesamt vier Verbände haben sich in Deutschland zu “den Ringen“ (Ring Deutscher Pfadfinderinnenverbände, Ring deutscher Pfadfinderverbände) zusammengeschlossen, um in den beiden Weltverbänden WOSM (World Organization of the Scout Movement, für Jungen und Männer) und WAGGGS (World Association of Girl Guides and Girl Scouts, für Mädchen und Frauen) Pfadfinden in Deutschland zu vertreten. (Guckt mal auf eure linken Ärmel, da sollten die Abzeichen dieser Weltverbände zu finden sein. Wenn nicht, gibt’s die auch bei F&F…)

Und genau diese vier Verbände (BdP, DPSG, PSG und VCP) bringen jedes Jahr das Friedenslicht nach Deutschland.

Viele Abkürzungen, aber so ist das eben manchmal…

Insgesamt waren aus jedem Verband zwei Pfadis in Berlin, und unterstützt wurden wir von zwei vom RDP/RdP beauftragten Referentinnen.
Das machte dann 10 Personen (auch genannt „Die Ringgeister“), die im Auftrag des Friedens durch Berlin wuselten.

Zu Beginn des Besuches haben wir uns zunächst alle gemeinsam auf die Besuche vorbereitet. Für jede Station auf unserer Reise wurde eine Forderung oder ein Statement formuliert, die wir der Ministerin oder dem Staatssekretär mit geben konnten. Zum Beispiel war der humane Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland ein zentrales Thema, zu dem RDP und RdP auch schon eine gemeinsame Linie vereinbart hatten. Wo wir ein solches inhaltliches Thema anbringen konnten, da haben wir es getan. Aber leider war auch in manchen Ministerien nur ein „Fototermin“ geplant: Ankommen, Licht übergeben, tschüss. Aber so haben wir wenigstens ein paar schöne Fotos bekommen 🙂

Also, wir waren gut vorbereitet und los ging es, in drei kleinere Gruppen aufgeteilt, die Flamme unter die Leute zu bringen.

In mehrere Häuser hat uns unser Weg durch Berlin geführt, insgesamt 14 Institutionen haben wir besucht.

Einige haben für unsere Jugendarbeit eine größere Bedeutung als andere, deswegen wollen wir euch nicht mit Details zu jedem Besuch langweilen, sondern hauen die interessantesten Infos raus:

Das Bundesverkehrsministerium zum Beispiel: Hier wurden wir von Staatssekretär Rainer Bomba empfangen. Nachdem er uns, wir vermuten im Scherz, eine ausgediente Bundeswehr-Kaserne schenken wollte (aber Großzerlang ist ja eigentlich ausreichend…), kamen wir ins Gespräch: Wir fragten ihn, warum massig Geld für den Erhalt von Autobahnen investiert wird, obwohl doch der individuelle Autoverkehr einen riesigen Umweltschaden anrichtet (CO2 und so). Herr Bomba konnte uns das nicht aus dem Stehgreif beantworten, aber er bot uns an, im Dezember 2015 im Rahmen des Friedenslicht-Besuches eine Podiumsdiskussion zu veranstalten, zu der die gesamte Delegation kommen könnte. Das Thema wäre dann so was wie „Ökologische Mobilität in der Zukunft“.

Im Verkehrsministerium konnten wir natürlich auch gut anbringen, dass Zugreisen, insbesondere zu Pfadi-Veranstaltungen, immer teurer werden und dass so auch zu Großlagern immer mehr Leute mit Bussen oder sogar mit Privat-PKWs angekarrt werden müssen, anstatt mit der Bahn fahren zu können, die das nachhaltigste Reisekonzept darstellt. Wir hoffen natürlich, dass das Angebot von Herrn Bomba wahrgenommen wird und dass der Staatssekretär rechtzeitig vom RDP/RdP angefragt wird.

Weiter ging es zum Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bundesministerin Manuela Schwesig nahm die Flamme gern entgegen und dankte uns für die tolle Arbeit, die wir täglich in ganz Deutschland leisten.

Im Jugendministerium nahmen wir das 25-jährige Bestehen der UN-Kinderrechtskonvention zum Anlass, auf die Wichtigkeit von Frieden für die Entwicklung von Kindern hinzuweisen. Pfadfinden leistet die wichtige Arbeit, Kindern ihre eigenen Rechte nahe zu bringen, das fängt schon in den Gruppenstunden an, in denen die Kinder mitbestimmen dürfen, was gespielt wird. Und es geht weiter damit, dass sie lernen, dass sie niemand bedrohen, ausnutzen oder in unangenehme Situationen bringen darf. Wenn ein Kind sich in seinen Rechten verletzt fühlt, dann kennt es Stellen, an die es sich wenden kann, um Hilfe zu bekommen. Auch Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sind für viele Kinder in solchen Fällen eine gute Anlaufstelle.

Wir sehen, für all das bildet die Arbeit im VCP und den anderen Verbänden eine wichtige Grundlage. Das fünfte Kinderrecht heißt übrigens „Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung“. Und wenn wir im VCP das nicht verinnerlicht haben…:-)

Die letzte Station, die wir euch näherbringen wollen, führte uns in das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (um Gottes Willen nicht der Fußballspieler) empfing uns zwar nur kurz, aber unser Gespräch war doch intensiv und sehr interessant.

Das Friedenslicht ist, nach unserer Meinung, gerade in diesem Ministerium gut aufgehoben: Bekämpfung von Armut und Kindersterblichkeit und die Verbesserung von Ausbildung für Kinder und Jugendliche weltweit sind Ziele dieser Bundesbehörde.

Weil gerade in Gebieten mit kriegerischen Auseinandersetzungen, z.B. in Israel und Palästina oder aktuell auch in Syrien oder der Ukraine, Kinder schreckliche Erfahrungen machen und wenig Hilfe zur Überwindung ihrer Traumata bekommen, muss sich die Welt für die Entschärfung solcher Konflikte einsetzen.

Wenn Jugendliche aus Krisenregionen das VCP-Bundeslager oder andere Veranstaltungen besuchen, zehn Tage der Furcht vor Bombeneinschlägen und Gewalt entfliehen können, ist das schon ein großer Schritt. Wir erfahren nicht „nur“ aus den Medien von Konflikten, sondern eben auch von „echten“ Zeugen. Das macht uns, hoffentlich, betroffen. Und weil uns das betroffen macht, können wir uns für eine nachhaltige Lösung des Konfliktes einsetzen. Ohne Hintergedanken an wirtschaftliche Vorteile oder politische Koalitionen. Diesen Akt der Völkerverständigung hat auch Herr Müller honoriert.

Jedes Kind hat ein Recht auf Frieden. Aber von Eskalation und Gewalt in Krisenregionen hören wir leider noch jeden Tag in den Nachrichten.
Gerade da ist das Friedenslicht ein wichtiges Symbol. Es wird nicht – schwupps – den Frieden über die Menschheit bringen und alle Kriegsparteien vereinen. Aber es gibt uns die Möglichkeit, inne zu halten und darüber nach zu denken, was wir tun können, um einzelne Situationen zumindest ein klein wenig zu verbessern. Und das kann, auch außerhalb der Weihnachtszeit, schon einiges wert sein.

Unser Weg hat uns nicht nur in die Ministerien geführt. Nach langen, manchmal stressigen, Arbeitstagen haben wir als Friedenslichtdelegation Berlin noch unsicher gemacht.

Für alle war es selbstverständlich, dass wir gemeinsam zu Abend essen. Jeden Tag wurde neu entschieden, wo wir hingehen (einmal waren wir angeblich auch im Geburtslokal des Döners), und mindestens ein kleiner Teil der Gruppe hat sich noch jeden Abend zu einer kleinen Singerunde hinreißen lassen (oder was die Auto-Korrektur vorschlägt: Siegerurkunde).

Zu empfehlen ist so ein Besuch in Berlin für alle, die mal hautnah mit Politikerinnen und Politikern und Kontakt treten wollen. Jugendpolitische Forderungen lassen sich natürlich in einem kleinen Zwischengespräch mit Ministerinnen und Ministern auch gut platzieren. Und nicht zuletzt macht es auch noch großen Spaß, mal mit anderen Pfadis als denen, die man eh schon kennt, Zeit zu verbringen 🙂

Liebe Grüße aus Hessen
Kilian und Lena

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