Erste-Hilfe für Pfadfinder*innen: Unser Halstuch

von Uli Eiden

Mit bloßen Händen ein Leben retten hat ’was Magisches! Kein Wunder also, dass Erste Hilfe zum Urgestein unserer Philosophie und unseres Könnens gehört. Schon unser Halstuch gleicht dem noch älteren Dreiecktuch, welches 1869 als universelles Verbandstuch für verletzte Soldaten von einem deutschen Chirurgen namens Prof. Esmarch erfunden wurde. Die Form ermöglicht unterschiedliche Verletzungen zu verbinden – vorausgesetzt, es ist halbwegs sauber. Zuallererst wird eine verschmutze Wunde mit Trinkwasser abgespült, dann kommt idealerweise eine sterile Kompresse drauf und das Halstuch hält das ganze zusammen, wie es uns BiPi vor hundert Jahren für die Hand oder den Fuß aufgezeichnet hat. Auch eine Kopfplatzwunde braucht einen festen Verband, damit sie zu bluten aufhört.

Eine Armschlinge stellt eine ausgekugelte Schulter, einen gebrochenen Ober­ oder Unterarm ruhig. Das eigene Halstuch ist dafür aber zu kurz! (Deshalb ist das Dreiecktuch aus dem Verbandskasten deutlich größer.) Entweder du verlängerst nun dein Halstuch mit einem zweiten oder schnappst dir eine größere Version von den Älteren im Stamm. Bei einem gebrochenen Unterarm vorher eine dicke Zeitschrift drumwickeln oder eine lange Schöpfkelle als Schiene anlegen und per Mullbinde fixieren.

Originalzeichnung von BiPi:
„A scout neckerchief can be used for making a sling and a bandage. Make the bandage neat by tucking in the end as shown by the arrow.“

Wirklich lebensrettend ist das Halstuch bei einer starken Blutung am Arm oder Bein, welche allein durch einen Druckverband noch nicht steht. Nur hier darfst du die Durchblutung ganz abstellen. So schrieb’ BiPi 1908 in „Scouting for boys“:

„Wenn’s böse blutet, binde ein Halstuch locker um’s Bein oberhalb der Wunde und dreh’s mit einem Stock fest.“

Das heißt dann Knebelverband oder Tourniquet, französisch für Kreisel oder Drehkreuz. Falte das Halstuch zu einem fünf Zentimeter breiten Streifen und nimm’ als Knebel einen beliebigen Stock, einen langen Hering oder einen Kochlöffel, nur schnell musst du sein. Drückt das Ganze schmerzhaft auf einen Nerv, so wähle eine Stelle mehr Richtung Rumpf. Merke dir den Zeit­ punkt und lockere den Verband nach einer Weile, um zu prüfen, ob er noch nötig ist. Lange galt der Tourniquet als potenziell schädlich, doch heute sieht die Fachwelt das so wie wir: Sehr nützlich, um die Zeit bis zur definitiven Versorgung zu überbrücken. Bis zu sechs Stunden Dauer sind unproblematisch. Der Rettungsdienst besitzt dazu schnell einsetzbare, kommerzielle Tourniquets. Allerdings: Bis dessen fahles Blaulicht die Einsatzstelle durchzuckt, ist die Nummer mit dem Halstuch immer noch ein guter Trick. Versprochen.

Uli Eiden

Uli Eiden ist Mitglied der VCP-Siedlung Johannes Gutenberg in Mainz und daneben Anästhesist, Hausärztlicher Internist und Notarzt. Auf www.perfect-rescue.de findest du seine Materialsammlung zu PfadfinderErste-Hilfe, darunter „Der kleine Feldscher“, ein 52-seitiges DIN A6-Heft zum Selberausdrucken oder als download für’s Handy

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