Evangelische Jugend: Nicht unsere WM

Die Mitgliederversammlung der aej („Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland“) und auch die Evangelische Kirche in Deutschland haben sich im Jahr 2021 klar positioniert: Die Fußballweltmeisterschaft der Männer in Katar wird nicht unsere WM. Die entsprechenden Beschlüsse in ihren vollständigen Wortlauten findet ihr aus gegebenem Anlass noch einmal hier.

Sportlicher Wettbewerb soll dazu dienen, dass Menschen sich wertschätzend messen können und die Verständigung zwischen Nationen, Kulturen und Teams gefördert wird. Sportlicher Wettbewerb darf nicht dazu instrumentalisiert werden, um undemokratische Prozesse, Strukturen, Staaten und Institutionen zu legitimieren, aufzuwerten, sie ideell und finanziell zu fördern.

Aus diesem Grundverständnis heraus und angesichts aktueller Boykottforderungen im Blick auf das Jahr 2022 kritisiert die Synode der EKD sowohl die Vergabe der olympischen Winterspiele nach China durch das IOC als auch die Vergabe der Fußball-WM nach Katar durch die FIFA. Die Synode fordert, dass für die künftige Vergabe von sportlichen Großveranstaltungen die Einhaltung der Menschenrechte zu einem zentralen Kriterium wird.

Im Rahmen des Bildungsanspruchs von Kirche hält die Synode der EKD es für geboten, Menschen den Zugang zu einer kritischen Auseinandersetzung mit sportlichen Großveranstaltungen zu ermöglichen. Daher ermutigt sie Einrichtungen, Gemeinden, Werke und Verbände, alle Aktionen und Projekte, die zu den sportlichen Großereignissen des kommenden Jahres geplant werden, konsequent zur Auseinandersetzung mit kritischen Themen dieser Veranstaltungen zu nutzen. Dazu zählen die Verletzung von Menschenrechten, die Diskriminierung oder gar Verfolgung von Minderheiten, die Einschränkungen von Meinungs- und Religionsfreiheit, soziale Ungleichheit, die Auswirkungen auf das Klima und auch die Fragen nach Propaganda und wirtschaftlichen Interessen.

Die Synode der EKD begrüßt und unterstützt die Anstrengungen von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Stakeholder-Initiativen und auch jenen kritischen Stimmen innerhalb der Sportverbände, die die politische und soziale Verantwortung des Sports vertreten und sich hier klar positionieren.

Journalist*innen und Medien ermutigt die Synode, die olympischen Spiele und die Fußball-WM nicht nur als reine Sportevents zu kommentieren, sondern auch kritische Themen öffentlich zu machen. Sie fordert von den Sportverbänden und ermutigt Sportler*innen, die nach China und Katar reisen, sich vor Ort nach Möglichkeit einzusetzen, etwa für gerechte Arbeitsverträge mit Dienstleistenden, kritisches Hinterfragen zu intensivieren, etwa nach Lieferketten, und sich auch kritisch mit den Lebensverhältnissen an den Austragungsorten auseinanderzusetzen. Diese kritische Auseinandersetzung und Positionierung sollte öffentlich wahrgenommen werden können.

Die Synode bittet den Rat der EKD, in Begegnungen und Gesprächen mit den Sportverbänden (DFB, DOSB, DTB u. a.) und in der Öffentlichkeit diese Positionen einzubringen und zu vertreten.

Beschluss zur Einhaltung der Menschenrechte als Bedingung für die Vergabe von sportlichen Grossveranstaltungen

Die aej begrüßt ausdrücklich den von jungen Menschen initiierten Beschluss der EKDSynode zur „Einhaltung der Menschenrechte als Bedingung für die Vergabe von sportlichen Großveranstaltungen“. Sie macht sich diesen Beschluss zu eigen und ergänzt ihn durch folgende Punkte:

  • Die aej unterstützt alle, die eine individuelle Form des Boykotts wählen und die
    sportlichen Großveranstaltungen so nicht unterstützen.
  • Die aej nimmt ihren Bildungsauftrag ernst, stellt den Mitgliedern Materialien zur
    Verfügung, um Angebote mit jungen Menschen zur kritischen Auseinandersetzung durchführen zu können.
  • Die aej ruft dazu auf, über die Auswirkungen auf das Klima hinaus, für
    Nachhaltigkeit, über die Sportveranstaltungen hinaus, zu sorgen (Bau und
    nachhaltige Nutzung der Sportstätten, Naturverträglichkeit, nachhaltige Wahl
    der Veranstaltungsorte).

Beschluss der aej zum Boykott der WM 2022