Fragen und Antworten zur Gründungszeit des VCP

Passend zum 45. Geburtstag des VCP haben wir Pfadfinder*innen befragt, die zur Zeit der VCP-Gründung aktiv waren.

Ilse Köpke-Degener war im Team der ersten Bundesvorsitzenden des VCP.

Wann kamst du erstmals mit Gedanken zur Koedukation bzw. zu einem Zusammenschluss der Bünde in Berührung? Welche Ämter hattest du damals?

Der Gedanke der Koedukation war in den 60er Jahren nicht besonders verbreitet, wir gingen im Gymnasium auf getrennte Schulen von der 5. bis zur 13. Klasse. Die Geschlechtertrennung war also eher normal. In der Kirchengemeinde, beim Konfirmandenunterricht traf man sich in koedukativen Gruppen, aber nicht bei den Pfadfindern und Pfadfinderinnen. Allerdings unternahmen wir eine gemeinsame Fahrt, gemeinsame Elternabende und Fahrradtouren. 1963 bis 1966 war ich Akela, ich leitete eine Jungengruppe (Wölflinge) von 7 bis 10 Jahren. Allerdings durfte ich nicht mit meiner Gruppe aufs Pfingstlager fahren, weil Mädchen nicht mit aufs Lager durften. Das hat mich damals sehr empört.

Später, als ich schon studierte, kam ich über meinen Mann, der CPer war, in den pädagogisch-theologischen Arbeitskreis der CP. Der AK wurde von Frank-Peter Hopf, dem Bundesführer der CP geleitet. So kam ich auf die Bundesebene ohne irgendwelche Ämter und wurde gefragt, ob ich bei der Fusion Bundesvorsitzende werden wollte. Dem habe ich zugestimmt, ohne wirklich zu wissen, was auf mich zukommt.

Was hattet ihr euch damals von einer Fusion erhofft, was fürchtetet ihr?

Von der Fusion haben wir uns eine Neuorientierung des Verbandes im Sinne eines gesellschaftspolitischen Aufbruchs versprochen. Diese Gedanken findet ihr in „Aufgabe und Ziel“, dessen Inhalt ich auch heute noch voll unterschreiben würde.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest: Was würdest du in der Durchführung der Fusion anders machen oder dir anders wünschen?

In der Durchführung der Fusion gab es sehr hitzige kontroverse Diskussionen, ich hätte mir manchmal etwas mehr Sachlichkeit und Bemühen um gegenseitiges Verständnis gewünscht. Das ist aber später auch noch so geblieben, vor allem bei Bundesversammlungen.

Aus Frauensicht: Was wurde mit der Fusion gewonnen und was verloren?

Eine spezielle Frauensicht ist mir fremd. Es gab EMPerinnen, die gerne mehr Traditionen festgehalten hätten, aber zu denen gehörte ich nicht.

Was hat der heutige VCP von den Vorgängerbünden geerbt?

Zuerst mal wollte der VCP etwas Neues sein.

Deshalb enthält das VCP- Zeichen, das Kleeblatt und die Lilie. Das Gemeinsame ist auch das Kreuz.

Die Stände und die Proben wurden abgeschafft.

Aber das Beharrungsvermögen an der Basis und in manchen Köpfen wurde von der Bundesebene unterschätzt. Die Auseinandersetzungen waren zum Teil schon sehr heftig, das führte auch zur Abspaltung der CPD.

Was haben wir geerbt?

Von beiden Vorgängerbünden haben wir geerbt, dass Jugendliche Verantwortung übernehmen können, wenn man sie lässt.

So manchen Sprachgebrauch, der nach wie vor sehr unterschiedlich ist.

Von der CP haben wir das Kreuzpfadfindertum geerbt, um das es auch sehr viel Streit gab,das ist aber inzwischen wohl kein Thema mehr.

Du wurdest in das erste Team der Vorsitzenden des VCP gewählt. Wie hast du die Anfänge des VCP erlebt?

Die Anfänge des VCP waren sehr von der genannten Aufbruchsstimmung geprägt.

Es wurden neue Arbeitsordnungen erstellt, neue Schulungskonzepte entwickelt, neue Formen der Gruppenarbeit entworfen und viele neue Ideen diskutiert. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Andrerseits habe ich auch sehr bewusst kennengelernt, wie Machtmenschen agieren. Das war für mich zum Teil schwierig zu durchschauen, weil mir solches Denken nach wie vor fremd ist. Ich durfte 1973 die Weltkonferenz in Kenia erleben, das war großartig.

Was du schon immer loswerden wolltest

Durch den VCP wurde ich reich beschenkt. Ich habe viele interessante, eigenartige, seltsame, ungewöhnliche, liebe, nette, hervorragende Menschen kennengelernt. Einzigartige Erlebnisse und Begegnungen, Auseinandersetzungen und Kompromisse, viele gute Tages- und Nachtgespräche, Spiel und Spaß, Lager und Fahrten, Gottesdienste und Andachten, Seminare und auch endlose Gremiensitzungen haben mein Leben mit Sinn und Dankbarkeit erfüllt.

Ich wünsche mir sehr, dass das Evangelium, das C im VCP auch weiter einen wichtigen Stellenwert hat, auch wenn das in meinen Antworten nicht explizit zur Sprache kommt.

Hannover, den 10.10.2018 Ilse Köpke-Degener

Gründung des VCP – warum und wieso?