„Gefundenes Fressen?“ Gegen den Konsumwahn oder einfach nur billig einkaufen?

Immer mehr meist junge Leute holen Lebensmittel aus den Abfallcontainern der großen Supermärkte. In fast jeder Universitätsstadt gibt es Foren, in denen sich austauschen, wo man gut „containern“ kann.
Philipp, 22 Jahre aus Regensburg holt seine Lebensmittel aus den Abfallcontainern. Wir haben ihn zum Containern befragt.

anp: Wie bist du zum containern gekommen?

Philipp: Während des Studiums. In Studentenkreisen ist das sehr verbreitet. Ich bin einfach mal mit losgezogen. Und ich fands klasse – es ist auch ein bisschen ein Nervenkitzel

anp: Warum containerst du?

Philipp: Weil mir die ganzen Lebensmittel leid tun – es ist echt schade drum. Du musst mal in so eine Tonne reinschauen…

anp: Hast ihr du keine Angst, dass du krank wirst, wenn du Lebensmittel isst, die schon im Abfall gelegen haben?

Philipp: Häufig werden die Sachen mit Packung weggeworfen, die kann man nehmen. Bei Fleisch und Käse muss man halt aufpassen. Bei Obst und Gemüse musst du die weichen Stellen rausschneiden, aber Broccoli z.B. ist schwierig abzuspülen. Du musst die Sachen gut abspülen und evtl. kochen. Schimmelige Sachen sollte man nicht nehmen.

anp: Hast du Angst, dass du mal erwischt wirst? Containern ist in Deutschland ja verboten.

Philipp: Es ist eher eine Grauzone, denn es wird den Marktleitern überlassen, ob sie einen anzeigen. Respekt hat man natürlich schon, aber wenn man ein bisschen aufpasst und sein Revier kennt…. Dann klappt das!

anp: Gibt es denn auch „kooperierende“ Supermärkte? Die ihre Container nicht abschließen

Philipp: Es gibt hier einen Haufen Bioketten, die spenden der Tafel, da findet man nix mehr. Es gibt schon diverse Ideen und Kooperationen, aber noch wenig. Marktleiter, die kooperieren, sind nicht so die Regel.

anp: Wie reagieren deine Freunde oder deine Familie darauf, dass du „containerst“? Oder Leute, die euch dabei sehen?

Philipp: Mein Bruder wills auch machen. Meine Eltern finden das moralisch okay, aber ich soll mich halt nicht erwischen lassen. Meine Freunde und Freundinnen haben das selbst schon ausprobiert. Mein Freundeskreis ist auch eher alternativ – die finden das okay.

anp: Worauf achtest du – bevorzugst du bestimmte Lebensmittel?

Ich freu mich natürlich, wenn meine Lieblingssachen dabei sind: Salat, Gemüse, Rosenkohl, Radieschen… das mag ich. Man bekommt durchs Containern sozusagen ein Vorschlag für das Menü der Woche, aber man muss halt auch überlegen, wie man das haltbar macht – blanchieren und einfrieren… oder verschenken.

anp: Hast du auch schon üble Erfahrungen gemacht? Dass manche Supermärkte Fischbrühe oder Frostschutzmittel über die Lebensmittel gießen?

Philipp: Nee, hab ich noch nie erlebt. Mein bestes Erlebnis waren mal gepackte Tüten, die wohl jemand gepackt hat, der dann schnell getürmt ist – und dann lagen auch noch Schnittblumen auf der Tonne. Das gibt’s übrigens oft – das war prima.

anp: Danke Philipp. Und weiterhin alles Gute.