Geheime Machthaber*innen

Wie antisemitische Verschwörungsideologien die Welt erklären

von Lena Simosek

30 Prozent der Bevölkerung halten die Behauptung, die Welt werde durch geheime Mächte gesteuert, für wahrscheinlich richtig oder sicher richtig. 11 Prozent halten die Aussage für sicher richtig und sind damit überzeugte Verschwörungstheoretiker*innen.[1]

Was sind Verschwörungsideologien?

Eine „Verschwörungstheorie“ ist der Versuch eine bestimmte oder alle vergangenen und gegenwärtigen gesellschaftlichen Ereignisse mithilfe von einer oder mehrerer Verschwörungen zu erklären. Verschwörungen, das sind geheime Absprachen einer Gruppe von Menschen, ein bestimmtes Ziel mit bestimmten Mitteln erreichen zu wollen – meistens geht es dabei um Macht. Es wird behauptet, dass diese bestimmte Gruppe wie ein*e Marionettenspieler*in im Hintergrund die Fäden zieht.

Ihre Anhänger*innen blenden Beweise aus, die gegen ihre Überzeugungen sprechen, oder behaupten, es handele sich dabei um „Desinformationen“, also Fälschungen im Auftrag der Verschwörer*innen. Hier zeigt sich bereits ein erstes Problem. „Verschwörungstheorien“ können von außen nur schwer durch Fakten oder Gegenbeweise widerlegt werden, da ihre Anhänger*innen sich vor ihnen verschließen. Die Idee von einer Verschwörung hat sich bei ihnen zu einer Verschwörungsideologie verfestigt, die sie für Widersprüche und Gegenbeweise unzugänglich macht.

Antisemitismus und Verschwörungsideologien

Antisemitismus, also Feindschaft gegen Juden, und Verschwö­rungsideologien sind eng miteinander verbunden. Auch wenn Jüdinnen*Juden nicht offen als böse Verschwörer*innen bezeichnet werden, finden zumeist bestimmte Feindbilder in der Beschreibung der Verschwörer*innen eine Anwendung, die den traditionellen Judenbildern moderner Gesellschaften entstammen.

Bereits im frühen Christentum wurden „die Juden“ als Vertreter*innen des Bösen und Verbündete des „Antichristen“ bezeichnet. In dieser Funktion wurden Jüdinnen*Juden für alle möglichen Verbrechen und Schlechtigkeiten verantwortlich gemacht. Man warf ihnen vor, im Geheimen gegen das Christentum zu arbeiten; sie wurden als Inbegriff des Bösen angesehen.

Teil des modernen Antisemitismus ist auch der Mythos einer „jüdischen Weltverschwörung“.

Diese Verschwörungsideologien schüren Hass und Gewalt, gefährden die Demokratie und festigen Menschenfeindlichkeit – wie auch den Antisemitismus.

Gerade zur Zeit der Corona-­Pandemie, wo tausende Verschwörungstheoretiker*innen auf die Straßen gehen und ihre Ansichten verbreiten, ist es unsere Verantwortung uns mit den Themen auseinanderzusetzen und die Verschwö­rungen nicht einfach stehen zu lassen.

Warum Menschen Verschwörungsideologien folgen, welche Funktionen sie erfüllen und weitere Infos zur Verbindung von Verschwörungsideologien und Antisemitismus sowie die Gefahren, die von Verschwörungsideologien ausgehen, könnt ihr hier nachlesen.

  • [1] Roose, Jochen (2020): Sie sind überall. Eine repräsentative Umfrage zu Verschwörungstheorien. Berlin.

Amadeu Antonio Stiftung

Die Abzeichenspende des VCP ging dieses Jahr an die Amadeu Antonio Stiftung. Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.