Glossar: Rassismus

BIPoC
BIPoC steht für Black, Indigenous, People of Color und bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht übersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute für die Kämpfe gegen diese Unterdrückung und mehr Gleichberechtigung.

Farbenblindheit (Color Blindness) 
Farbenblindheit oder farbenblinder Rassismus bezeichnet den Glauben, dass Rassismus kein Problem mehr ist und alle Menschen die gleichen Chancen haben. Farbenblinde Menschen behaupten, dass sie keine Hautfarben und Unterschiede in Menschen sehen würden. Meistens Weiße Menschen wollen sich dadurch von (ihrem eigenen) Rassismus distanzieren. Diese Einstellung verhindert jedoch, die Ursachen von Rassismus zu verstehen und den weiterhin (auch strukturellen) Rassismus in unserer Gesellschaft zu erkennen.

Mehrfachdiskriminierung
Diskriminierung kann nicht nur aufgrund einer Dimension, wie z.B. Geschlecht, Hautfarbe oder Behinderung, sondern aufgrund von zwei oder mehreren Dimensionen stattfinden. Personen können also gleichzeitig mehreren benachteiligten Gruppen angehören und ganz bestimmten Formen von Diskriminierungen ausgesetzt sein. In Situationen, in denen Diskriminierung aus mehr als einem Grund zum Tragen kommt, wird von «Mehrfachdiskriminierung» gesprochen.
Mehrfachdiskriminierung wird in der Fachliteratur unterschiedlich definiert und auch als additive, verstärkende oder intersektionelle Diskriminierung bezeichnet.
Die additive Diskriminierung beschreibt eine Situation, in der Diskriminierung aus mehreren Gründen separat zum Tragen kommt. So kann eine Person in einer Situation aufgrund eines Merkmals und in einer anderen Situation aufgrund eines anderen Merkmals diskriminiert werden
Die verstärkende Diskriminierung beschreibt eine Situation, bei der sich zwei oder mehrere Formen von Diskriminierung gegenseitig in ihrer Wirkung auf die betroffene Person verstärken.
Bei der intersektionellen Diskriminierung greifen mehrere Dimensionen und interagieren miteinander, so dass sie nicht separat betrachtet werden können.

Kolonialismus
Im Laufe der letzten 200 Jahre haben viele europäische Länder, Länder in anderen Erdteilen unterworfen. Diese Länder konnten sich gegen die Übermacht der Europäer nicht wehren und wurden zu sogenannten Kolonien. Diese Eroberungspolitik bezeichnet man als „Kolonialismus“. Der Begriff kommt vom lateinischen Wort „colonia“, das heißt „Ansiedlung außerhalb des römischen Bürgergebietes“.Ausbeutung der Kolonien
Die Länder wurden wegen ihrer Bodenschätze (Gold, Diamanten) und Rohstoffe (Kaffe, Gewürze, Tabak) unterworfen. Für wenig Geld eingekaufte Ware wie Gewürze, Tee, Kaffee, Tabak oder Früchte wurden für viel Geld in den Heimatländern weiterverkauft. Selbst die Menschen wurden zur Ware und wurden als Sklaven*Sklavinnen verkauft.
Kolonialmächte
Die ersten Kolonien wurden von den großen Seefahrernationen Großbritannien, Spanien Portugal, Frankreich und den Niederlanden erobert. Deutschland, das nicht zu den großen Seefahrernationen gehörte, hatte für kurze Zeit (bis Ende des Ersten Weltkriegs) wenige Kolonien in Afrika und Asien. Spanien dagegen hatte große Kolonien in Mittel- und Südamerika und England in Asien und im Nahen Osten. Die Kolonien wurden von deutschen, französischen, englischen und spanischen Beamten verwaltet.
Um ihr Verhalten rechtfertigen zu können, bedienten sich die Kolonialherren des Rassismus. Einheimische wurden abgewertet, der weiße Mensch empfand sich als überlegen. Bis heute gilt Weiß-Sein als Norm.
Folgen des Kolonialismus
Die Geschichte wirkt bis heute fort: Um die Anerkennung und Widergutmachung des Leides wird mit heute gerungen. Auch wirtschaftliche Abhängigkeiten bestehen bis heute fort. Preise für Güter und Lebensmittel aus den ehemaligen Kolonialstaaten sind weiterhin unfair und halten die Menschen in Armut. Auch der Rassismus existiert weiterhin. Nicht-Weiße werden als andersartig wahrgenommen und müssen sich an die weiße Norm anpassen.

Rasse 
Der Begriff Rasse stammt aus der Tierzucht und gelangte in die frühe Biologie. Eine Rasse fasst hier Individuen, z.B. aufgrund gleichen Aussehens oder Verhalten zu einer Gruppe zusammen. Da die Definition schon immer sehr unscharf war, ist sehr umstritten. Der Begriff wird deshalb, mit Ausnahme der Tierzucht, nicht mehr verwendet.
Die Vorstellung, dass es menschliche Rassen gibt, wurde durch die Forschung eindeutig widerlegt.
Immer wieder wurde in der Vergangenheit aber versucht, Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale wie der Hautfarbe in Rassen einzuteilen. Diese Rassentheorien wurden dann dazu benutzt Rassismus, Sklaverei und Kolonialismus zu rechtfertigen und nicht-weiße Menschen abzuwerten.
Auch heute sprechen, vor allem rechtsextreme Ideologien, weiter von Rassen. Ihre Anhänger*innen wollen damit für die Überlegenheit der „weißen Rasse“ argumentieren. Ihre Rassenlehre stiftet außerdem zu Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus an.

Weiße Zerbrechlichkeit
Der Begriff „weiße Zerbrechlichkeit“ – übersetzt aus dem englischen „white fragility“ – charakterisiert laut seiner Erstanwenderin Robin DiAngelo den widersprüchlichen Umgang weißer Menschen mit ihrem mehr oder weniger unterschwelligen Rassismus.
Viele Weiße reagieren sehr abwehrend auf Diskussionen zum Rassismus. Es geht explizit nicht um rechtsextreme bzw. per se rassistische Weiße, sondern um Menschen aus der politischen Mitte der Gesellschaft bis hin zum linken Lager. Laut DiAngelo liegt das daran, dass sich Weiße mit ihrem Weißsein eigentlich nicht befassen. Daher werden die Berichte von BIPoC zu rassistischen Erfahrungen in Frage gestellt.
Gerade in Staaten mit einer überwiegend weißen Bevölkerung, wie Deutschland, ist diese Verleugnung weit verbreitet. Dort fängt aber laut Robin DiAngelo die white fragility an. Sie äußert sich nur selten in offenem Rassismus, sondern meistens in Ungläubigkeit, wenn zum Beispiel ein BIPoC berichtet, dass er das Gefühl hatte, die Polizei habe ihn nur deshalb kontrolliert, weil er farbig ist. Der tiefere Grund für die Ungläubigkeit scheint zu sein, dass Weiße in einer überwiegend weißen Gesellschaft diese Form von Diskriminierung noch nie erlebt haben. Sie werden gelegentlich wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität oder auch ihres Berufes diskriminiert, jedoch niemals allein wegen ihrer Hautfarbe. Daher können sie sich in so eine Erfahrung nicht einfühlen. Die Tatsache von Rassismus zu negieren und auf dessen Aufzeigen so dünnhäutig zu reagieren ist aber auch eine Form von Rassismus.

 

Spezial: „Auf die Plätze gegen Hetze“