Gruppenstunde zum Thema Rassismus im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2022

Zu Beginn ist es hilfreich, wenn ihr euch in einer Begrüßungsrunde zusammenfindet und eine Befindlichkeitsrunde durchführt, damit du/ihr dich/euch auf die Gruppendynamik einstellen kannst/könnt. In dem Kreis setzt du die Teilnehmer*innen über das Thema der Stunde in Kenntnis. Um die Teilnehmer*innen mit einzubeziehen und deren Stand zu der Thematik zu erfahren, könntest du folgende Fragen stellen:

  • Was ist eure Vorstellung von Rassismus?
  • Inwieweit seid ihr schon mit dem Begriff in Kontakt getreten? (10 Minuten)

Danach sollte eine kurze Einführung in das Thema erfolgen. Hierfür kannst du dir folgende Materialien ansehen: https://www.vcp.de/pfadfinden/glossar-rassismus/ , https://www.vcp.de/pfadfinden/podcast/spezial-auf-die-plaetze-gegen-hetze/, https://www.vcp.de/pfadfinden/auf-die-plaetze-gegen-alltagsrassismus/

Am Ende solltest du dich rückversichern, ob es noch offene Fragen gibt und diese klären. (10-15 Minuten)

1. Gruppendefinition von Rassismus – Bestimmung von Rassismus

Um sich am Kampf gegen Rassismus zu beteiligen, muss klar sein, was der Begriff eigentlich beschreibt. Die Bedeutung von Rassismus ist individuell, also nicht allgemein gültig. Ziel der Übung ist, dass der Begriff aus unterschiedlichen Perspektiven erarbeitet wird und im Alltag der Teilnehmer*innen verständlich gemacht wird.

Materialien: Handouts der Kopiervorlage (Statements zu Rassismus aus Anhang 1) pro Teilnehmer*in, dicke Stifte, Flipchartpapier, Moderationskarten

Räumlichkeiten: Gruppenraum, mit Möglichkeit zur Kleingruppenarbeit und Stuhlkreis.

Durch diese Übung sollen sich die Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Definitionen von Rassismus auseinandersetzen und für den Begriff sensibilisiert werden. Außerdem können zentrale Merkmale von Rassismus am Beispiel verschiedener Statements zu Rassismus erarbeitet werden. Die Teilnehmer*innen können sich gemeinsam austauschen und über das eigene Verständnis von Rassismus reflektieren. Zuletzt kann eine gemeinsame Gruppendefinition von Rassismus erarbeitet werden.

So geht`s:

Phase 1: Einleitung

Erkläre, dass es in dieser Übung um die Klärung des Begriffs Rassismus geht. Dafür sollen sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Statements von Rassismus beschäftigen. Verdeutliche, dass es keine allgemeingültige Definition von Rassismus gibt, sondern unterschiedliche Perspektiven und Verständnisse bestehen. Verdeutliche auch, dass die Teilnehmer*innen sich ebenfalls darüber Gedanken machen, was sie selbst unter Rassismus verstehen. Abschließend wird in der Gruppe über eine gemeinsame Definition von Rassismus diskutiert.

Phase 2: Einzel- und Gruppenarbeit

Zu Beginn erhält jede Person ein Arbeitsblatt mit den verschiedenen Statements zu Rassismus (siehe Anhang 1). Diese werden zunächst einzeln gelesen. Überprüfe, ob die Teilnehmer*innen Verständnisschwierigkeiten haben, und kläre diese ggf. zusammen mit der Gruppe. Nach dieser Phase bilden die Teilnehmer*innen Kleingruppen (3-4 Personen) und tauschen sich ca. 15 Minuten über folgende Fragen aus:

  • Was ist die Kernaussage in den einzelnen Äußerungen?
  • Seid ihr mit der jeweiligen Aussage einverstanden/nicht einverstanden? Warum?
  • Habt ihr durch die Äußerungen neue Erkenntnisse erhalten? Wenn ja, welche?
  • Wie beschreibt ihr Rassismus? Macht einen Vorschlag für eine Gruppendefinition!
  • Widersprechen sich einzelne Statements?

 Phase 3: Auswertung

Die Teilnehmer*innen kommen für einen Austausch im Stuhlkreis zusammen. Jede Kleingruppe berichtet kurz von zentralen Diskussionspunkten aus ihrer Arbeitsphase. Sammle Stichpunkte der vorgeschlagenen Definitionen von Rassismus aus den Kleingruppen auf Moderationskarten und hänge sie an eine Stellwand (oder Wand). Im Anschluss sollen die Teilnehmer*innen eine gemeinsame Definition von Rassismus entwickeln. Dafür sollten die Ideen thematisch sortiert werden. Du kannst die Gruppe mit Vorschlägen zur Strukturierung unterstützen. Zum Abschluss ist es sehr wichtig, dass du nachfragst, ob alle Teilnehmer*innen mit der erstellten Definition von Rassismus einverstanden sind.

Bei wenigen Teilnehmer*innen: Diese Übung kann auch gemeinsam in einer Gruppe durchgeführt werden, indem die Kleingruppenarbeit auslässt.

2. Ist das schon Rassismus? -Diskussion

Um den Alltagsrassismus bewusster zu machen, sind hier drei Beispiele, welche du vor der Gruppe vorliest und die ihr gemeinsam anhand der Fragestellung „Ist das schon Rassismus?“ diskutiert.

Beispiel 1) Katharina ist 18 Jahre alt und die Wurzeln ihrer ganzen Familie liegen in Deutschland. Sie hat dunkle Haare, dunkle Augen und eine gebräunte Haut. Wenn sie neue Leute kennenlernt, stößt sie jedes Mal auf die Frage: „Wo kommst du her?“ Wenn sie daraufhin antwortet, dass sie aus Deutschland kommt, wird sie gefragt: „Echt? Und wo kommen deine Eltern und Großeltern her?“ Wenn sie darauf antwortet, dass ihre Eltern und Großeltern auch deutschstämmig sind, stößt sie auf Unglauben.

Beispiel 2) Milad ist 16 Jahre alt, er ist in Deutschland geboren und hat sein ganzes Leben in Deutschland verbracht. Seine Eltern sind afghanischer Herkunft. Er geht in ein Lebensmittelgeschäft und möchte von einem Verkäufer wissen, wo die Milch steht. Der Verkäufer erwidert daraufhin: „Oh, du kannst aber gut Deutsch sprechen“.

Beispiel 3) Opa Werner holt sich gerne mal eine Portion Pommes im Schnellimbiss. Die Betreiber des Schnellimbisses sind schon langjährig, alt angesessene Chinesen. Als Opa gefragt wird, was es heute zum Mittagessen gab, erwidert er, dass er beim Chinesen gegessen hat.

3. Was sehe ich?

Materialien: Bilder aus Anhang 2.

So geht`s: Die Gruppe teilt sich in verschiedene Kleingruppen auf. Jede Kleingruppe bekommt ein Bild und die Fragestellung „Was siehst du/was seht ihr auf dem Bild“?. Wichtig ist, dass du erst nur den Bildausschnitt der Frau mit dem Kopftuch zeigst. Das Gesamtbild soll erst im späteren Verlauf der Übung gezeigt werden. Alle Teilnehmer*innen sollen nun in Stillarbeit aufschrieben, was sie auf dem Bild sehen. Nach dieser Phase findet sich die Gesamtgruppe wieder zusammen und wertet das Aufgeschriebene aus, indem du das Bild präsentiert und dann vorliest, was die jeweiligen Personen anonym zu diesem überlegt haben. Meist wird auf ein prägnantes Merkmal z. B. Frau mit Kopftuch, Mann im Rollstuhl, etc. hingedeutet.

Jetzt solltest du eine Diskussion anleiten: „Was seht ihr bei der Person noch, außer dass sie im Rollstuhl sitzt?“ Hier sollte die Diskussion in die Richtung gelenkt werden, dass die Teilnehmer*innen verstehen, dass es häufig passiert, dass Personen über bestimmte Besonderheiten „definiert“ werden. Möglicherweise beschreibt die Gruppe den Mann auf Bild Nr. 1 mit seiner Hautfarbe, den Mann auf Bild Nr. 2 mit dem Rollstuhl, die Frau auf Bild Nr. 3 mit dem Kopftuch/ggf. Religion, dann kann hier auch gefragt werden „Wieso beschreibt man z. B. den Mann als „schwarz“, die beiden anderen Personen aber nicht als „weiß“?“ oder „Wieso beschreibt man den Mann auf Bild Nr. 1 nicht als „stehend“, wenn bei Bild Nr. 2 der Rollstuhl erwähnt wird?“. Hier könntest du den Blick umdrehen und fragen „Denkt ihr, ihr werdet auch auf gewisse Eigenschaften reduziert?“

Anschließend liest du den Text zu dem jeweiligen Bild vor und machst den Teilnehmer*innen deutlich, dass nicht immer alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Du zeigst das Gesamtbild der Frau, die ein Kopftuch trägt.

Texte zu den Fotos:

Bild Nummer 1: Das ist Niklas, Niklas ist 28 Jahre alt und ist in Deutschland geboren. Er lebt gemeinsam mit seiner Familie in Berlin. Seine Großeltern sind damals von Ghana nach Deutschland gekommen. Niklas hat keine Verwandten mehr in Ghana und war noch nie dort. Niklas hat die deutsche Staatsangehörigkeit.

 

Bild Nummer 2: Das ist Sedat. Sedat war früher ein erfolgreicher Handballspieler und hat gemeinsam mit seinem Team viele große Turniere gewonnen. Vor zwei Jahren hatte Sedat einen Autounfall und sitzt seitdem im Rollstuhl.

 

Bild Nummer 3: Das ist Anna. Anna ist Christin und trägt eigentlich kein Kopftuch, sie hat es sich nur wegen der Kälte umgelegt.

Bei wenigen Teilnehmer*innen: Um die Beschreibungen anonym zu halten, kannst du die Kleingruppenarbeit auslassen und die Bilder der gesamten Gruppe präsentieren. Dann soll jede*r Teilnehmer*in zu jedem Bild aufschreiben, was er*sie darauf sieht und ihr wertet das aufgeschriebene im Anschluss gemeinsam aus.

4. Gemeinsames Projekt

Materialien: Ein altes, weißes oder helles Bettlaken (zurechtgeschnitten) oder ein großes Plakat, Marker.

Um die Botschaft des Projekts auch in Zukunft präsent zu halten, besteht die Möglichkeit, gemeinsam ein Plakat zu gestalten. Ihr könnt zum Beispiel den Hashtag #WirPositionierenUnsGegenRassismus und eure gemeinsame Definition von Rassismus (aus Übung 1) darauf schreiben. Dieses „Plakat“ könnt ihr im besten Fall in eurem Gruppenraum aufhängen, um an die Wichtigkeit des Themas im Alltag zu erinnern.

 

 

Anhang

Anhang 1 Statements zu Rassismus Material zu Übung 1

»Rassismus ist ein ziemlich verbreitetes Verhalten, das es in jedem Land gibt und das in manchen Ländern leider so alltäglich geworden ist, dass es vielen schon gar nicht mehr auffällt. Dieses rassistische Verhalten besteht darin, anderen Menschen zu misstrauen, sie zu verachten und ungerecht zu behandeln, und zwar nicht, weil sie uns etwas Schlimmes angetan hätten, sondern einzig und allein, weil sie anders aussehen oder aus einer anderen Kultur stammen als wir.« (Tahar Ben Jelloun)

»Rassismus bezeichnet Einstellungen (Gefühle, Vorurteile, Vorstellungen) und Handlungen, die darauf beruhen, dass aus einer Vielzahl von körperlichen Merkmalen einige wenige selektiert und unzulässig zu ›Rassenmerkmalen‹ gebündelt werden. Auf diese Weise werden ›Rassen‹ konstruiert, wobei den körperlichen Merkmalen bestimmte soziale, kulturelle und religiöse Eigenschaften und Verhaltensmuster zugeschrieben werden.« (Susan Arndt)

»Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale von Menschen (z.B. Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Herkunft auf die geistige, sexuelle oder kriminelle Energie o.ä. geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Abwertung praktiziert wird.« (SOS-Rassismus)

»Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z.B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, negativ bewertet und ausgegrenzt werden. Der klassische Rassismus behauptet eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschengruppen auf Grundlage angeblicher biologischer Unterschiede. Im Kulturrassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen den ›Kulturen‹ zu begründen versucht. Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die den Prozess der Hierarchisierung und Ausgrenzung unterstützen und beruht auf ungleichen Machtverhältnissen.« (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V.)

»Rassismus ist […] genau genommen die Theorie, dass es verschiedene Menschen-›Rassen‹ gibt, die über bestimmte Veranlagungen verfügen, auch ohne diese Anlagen zu werten. Den Angehörigen der jeweiligen ›Rassen‹ wird unterstellt, dass sie generell über eine bestimmte hohe oder niedrige Ausprägung verschiedener Eigenschaften verfügen, beispielsweise des Temperaments, des Charakters oder biologischer und intellektueller Fähigkeiten. Um es kurz zu sagen: Rassismus ist nicht erst die negative Reaktion auf einen angeblichen Unterschied, sondern bereits die Behauptung des Unterschieds.« (Noah Sow)

»Rassismus ist ein lokales und globales System organisierten Verhaltens in Denken, Sprache und Handlungen zum Zweck der Sicherung der weißen Dominanz. Dies bedeutet, dass er bewusst oder unbewusst von weißen Menschen strukturiert und aufrechterhalten wird, und das Ziel einer bleibenden weißen Hegemonie verfolgt.« (Bremer Jungen – büro)

Anhang 2 Material zu Übung 3

 

 

Quellen: https://stiftung-gegen-rassismus.de/wp-content/uploads/2019/02/Unterrichtsmaterialien-Gesamt.pdf

K.I.O.S.K im Rieselfeld e.V./Diakonieverein Freiburg-Südwest e.V. (Freiburg 2019)

https://vielfalt-im-shk.de/wp-content/uploads/2020/02/Methodenkatalog-mit-SA.pdf