Im Dunkeln ist gut Munkeln

von Johannes Malinowski

Das Dunkle ist das Böse. Das Mystische, Intransparente. Im Dunkeln kommen die Geister raus und Menschen treiben Schabernack. Das Böse sind gemeinhin Räuber, Nazis, Investmentbanker. Alles dunkel. Pfui. Dunkle Geschäfte, Intransparenz, korrupte Politiker, Verschleierung. Wo es hell ist, herrschen Ordnung und Klarheit. Dort haben Unehrlichkeit und Verbrechen keine Chance. Klingt nach einem Plädoyer für die Abschaffung der Dunkelheit. Licht für alle! Haltet die Sonne fest, sie darf niemals untergehen.

Welch furchtbare Vorstellung.

Ein langer Lagertag ist vorbei. Der Stress bleibt hinter uns, ein Teil des Platzes krabbelt müde in die Schlafsäcke. Manche alleine, manche gemeinsam. Die letzten Sonnenstrahlen sind vor einer Stunde verschwunden, in den Jurten rund um das Schlafzelt knistern Lagerfeuer. Wer noch zu viel Energie hat, spielt Gitarre und lässt den Abend gemütlich bei einer Tasse Tschai ausklingen.

Wer die Dunkelheit nutzen möchte, verlässt den Lagerplatz mit seiner oder ihrer Liebsten. Ab ins nächste Kornfeld, Zweisamkeit genießen. Tagsüber unmöglich, zu viele Augen glotzen einen an. Tagsüber zu laut, tagsüber zu gefährlich, falls der Mähdrescher kommt. Nein, Munkeln geht tatsächlich nur im Dunkeln. Die Decke ausgebreitet und schon… nunja. Sterne gucken, Arm in Arm im Gras liegen und die Nacht genießen. Nebenan raschelt es. Eine Maus? Ein Wildschwein oder ein Hase? Gemeinsam macht das Erschrecken gleich mehr Spaß. Einfach mal das tun, was man im täglichen Gewimmel nicht tun kann. Und für was im Lageralltag auch zu wenig Zeit bleibt.

Ein- oder Zweisamkeit im Dunkeln – wo geht das besser als auf Zeltlagern? Der Kitschfaktor ist hier besonders hoch, klar. Aber Liebe im Alltag ist dafür zu langweilig. Und im Hellen erst!

In Wahrheit ist das mit dem Dunkelsein gar nicht so schlimm, oder?