Im Fokus: Niedergedrückt Leidensgeschichte – und alle schauen zu

Wie würden WIR uns fühlen?

Das Bild des Künstlers „Pablo“ Holger Hirndorf zeigt uns in sehr bedrückender Weise einen Mann: geschlagen, gefoltert, geschunden, gestürzt, unter einem schweren Holzbalken liegend, die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Unbarmherzig hält der Kameramann mit seiner Kamera auf ihn und filmt ihn. Stellt ihn und sein Leid damit öffentlich zur Schau. Die anderen Männer im Hintergrund gaffen, weiden sich am Elend, greifen aber nicht ein und helfen den Mann aus seiner Situation. Die Szene entsetzt und löst Beklemmung aus. Warum hilft ihm niemand? Warum greift keiner ein?

Stiftskirche Buecken

Das Bild ist Teil des Kreuzweges, der in der Stiftskirche St. Materniani et St. Nicolai in Bücken, Niedersachsen zu sehen ist. Der Kreuzweg beschreibt die Leidensgeschichte Jesu Christi, wie sie vor mehr als 2000 Jahren passiert ist. „Pablo“ Holger Hirndorf gelingt es mit seinen Bildern, die Geschehnisse in unsere Zeit zu holen. Dadurch, dass er den Kameramann ins Bild setzt, macht er deutlich, dass die Geschichte Jesu Christi aktueller denn je ist. Auch heute leiden Menschen. Die modernen Medien erlauben es mehr noch als früher, den Leidenden bloßzustellen und das Leid einer breiten Masse zum Ergötzen zur Verfügung zu stellen.

Die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Sind wir Teil der Masse? Oder trauen wir uns dagegen zu sprechen und für den Erniedrigten einzustehen?

Wie würdest DU dich fühlen?

fragt Benjamin auf Facebook. Es ist kein professionelles Video: Nur mit einer Handykamera aufgenommen, die Bilder sind schwarz-weiß und verwackelt, der Akteur des kleinen Filmes bleibt stumm und sieht die ganze Zeit ernst in die Kamera.

Dennoch hat das Video des 19jährigen Benjamin Fokken schon mehr als 4 Millionen Klicks. So viele Menschen wollten bereits seinen stummen Protest gegen Mobbing sehen. Auf weißen Zetteln formuliert er klare Worte gegen Beleidigung und Demütigung.

Eine besonders grausame Form des Mobbings ist Cybermobbing. Jeder siebte Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren ist laut einer Erhebung des IT- Branchenverbandes Bitkom schon Opfer dieser öffentlichen Form von Erniedrigung und Herabsetzung geworden.

Kein Mensch sei weniger wert, schreibt Benjamin, weil er eine Behinderung habe, nicht so klug sei oder nicht so schön wäre. Was es bedeutet gemobbt zu werden, weiß Benjamin nur zu gut aus eigener Erfahrung. Er sei wegen seines Äußeren fertiggemacht worden, sagt er.

„Wie würdest DU dich fühlen?“ fragt er am Ende seines Videos.

Die Geschichte vom Kreuzweg Jesu Christi endet für uns Christinnen und Christen nicht am Kreuz, sondern mit dem Ostergeschehen. Jesus ersteht drei Tage nach dem Tod wieder auf. Ostern ist damit für uns ein Fest der Hoffnung und des Neuanfangs.

Nichts muss so bleiben wie es war. Dies durfte auch Jesu Jünger Petrus erfahren. Mit ihm, der ihn verleugnet hat, der dreimal bekräftigt hatte, dass er Jesu nicht kenne und mit ihm nichts zu tun haben wolle, will Jesus neu beginnen. Petrus wird am Ende zu einem engagierten Fürsprecher und Verbreiter des Christentums.

Das Beten eines Kreuzweges bietet uns Gelegenheit, über uns selbst, unser Leben und unseren Glauben nachzudenken. Wir dürfen wissen, dass Jesus trotz unserer Fehlbarkeit zu uns hält, sind aber auch aufgefordert, darüber nachzudenken, wo wir gefordert sind und handeln sollten.

Auch Benjamin Fokken wagte einen Neuanfang. Er drehte ein einfaches Video, mit der er für sich selbst und viele andere Mobbingopfer eintritt. Die einfache Botschaft kommt an. Das Video verbreitet sich in Windeseile im Internet. Auch so mancher, der ihn früher fertig gemacht und gemobbt habe, habe sich gemeldet, sagt Benjamin Fokken.

„Es gab einige, die mir Respekt entgegengebracht haben.“

Seit 43 Jahren gibt es den ökumenischen Jugendkreuzweg. Jedes Jahr erarbeitet ein ökumenisches Team Materialien, Bilder, Ideen, Vorschläge, die es Jugendlichen ermöglicht, selbst einen Jugendkreuzweg vorzubereiten und durchzuführen.

Vielleicht auch für euch dieses Jahr eine Idee in eurem Stamm oder eurer Gruppe den Kreuzweg zu beten?

In diesem Jahr lautet der Titel des Ökumenischen Kreuzweges „Im Fokus: Das Kreuz“. Die Bilder für die sieben Stationen, die der Ökumenische Jugendkreuzweg beschreibt, stammen vom Künstler „Pablo“ Holger Hirndorf. Für den Jugendkreuzweg fotografiert hat sie der Fotograf Bernd Arnold..

Unter www.jugendkreuzweg-online.de findet ihr alle Materialien bzw. könnt sie dort bestellen, die ihr braucht um einen Kreuzweg bei euch vorzubereiten und durchzuführen.