„Ohne Dings kein Bums“

Dr. Matthias Huff

Rebecca Haugwitz aus der Redaktion führte ein Interview mit Dr. Matthias Huff, dem verantwortlichen Redakteur für den Kummerkasten bei KiKA.

Wie lange gibt es den Kummerkasten nun schon?

Die Beratungssendung „KUMMERKASTEN“ gibt es schon seit Oktober 2003. Im Lauf der Zeit wurde das Format immer wieder verändert, in der aktuellen Form existiert es seit November 2016.

Welche Motivation steckt dahinter, wie entstand die Idee zu der Sendung?

Die Idee zum „KUMMERKASTEN“ entstand daraus, dass wir uns als KiKA mit Problemen auseinandersetzen wollen, die unsere Zuschauer beschäftigen. In der TV-Sendung bieten wir umfangreiche Informationen und Tipps zu sehr vielfältigen Themen an. Dazu kommt die Webseite und der interaktive Webtalk.

Auf kika.de/kummerkasten findet man Rat und Anregungen zu allen Themen – immer genau dann, wenn sie einen beschäftigen.

Auch kann man sich mit Gleichaltrigen austauschen.
Bei individuellen Problemen einzelner Zuschauer sehen wir uns aber eher als Vermittler und stellen Kontakt zu Experten her. Dazu gibt es das Beraterteam um Sabine Marx vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. Ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter bieten gezielt Hilfe an: Kinder und Jugendliche können sich individuell, anonym und vertraulich beraten lassen.

Wie werden die Themen für die Sendungen ausgewählt?

Wir wissen sehr genau, was unsere Zuschauer bewegt. Durch unsere Webseite und durch Sabines Team der Diakonie, bekommen wir Tipps (anonymisierte Anfragen), welche Fragen bei der Beratung wichtig sind. Das „KUMMERKASTEN“-Team entscheidet dann, zu welchem Thema wann eine Sendung gemacht wird. Wir richten uns also nach dem, was unserem Publikum wichtig ist und da stehen Freundschaft und Liebe ziemlich weit vorn, auch Schulstress oder Probleme wie Magersucht oder Ritzen sind sehr wichtig.

Wer ist Zielgruppe des Formats? Und wie lässt sich diese trotz des Altersunterschieds zu der Redaktion und Moderatoren erreichen?

Die Zielgruppe des „KUMMERKASTEN“ sind die Zehn- bis 13-Jährigen. Die Fernsehsendung schauen auch Jüngere, Online sind auch Ältere dabei.

Wir haben nie den Anspruch, dass unsere Redakteure und Moderatoren die Rolle von Kindern und Jugendlichen einnehmen, sie machen Programm als Erwachsene für Kinder und Jugendliche. Beim „KUMMERKASTEN“ ist auf allen Ebenen die Zielgruppe so präsent, dass ihre Perspektive im Mittelpunkt steht.

Wie bekommt die Redaktion Feedback zu dem, was sie tut und welche Rückmeldungen bekommt sie?

Feedback bekommen wir hier online unmittelbar und können sehr gut einschätzen, wie gut ein Thema ankommt und wie sehr es interessiert. Insbesondere im „KUMMERKASTEN“-Talk, an dem sich die Zuschauer interaktiv beteiligen können, sehen wir, ob ein Thema angenommen wird oder nicht.

Wurde auch schon richtig heftige Kritik laut, z.B. von erbosten Eltern?

Ja, das kommt vor, am meisten wohl zu unserer Sendung „Ohne Dings kein Bums – Was möchtest du über das 1. Mal wissen?“. Aber das betrachten wir fast als unvermeidlich, wenn wir Themen wie „Das erste Mal“ behandeln. Und Kritik ist für uns kein Problem, wenn wir überzeugt sind, dass die Sendung für unsere Zielgruppe richtig ist.

Kann tatsächlich vielen Kindern und Jugendlichen geholfen werden und haben Sie das Gefühl, die Zielgruppe wird erreicht?

Wir sind sicher, dass wir hilfreich sind. Wir können natürlich nicht alle Probleme lösen, aber eine erste Anlaufstelle sein und darauf hinweisen, wo es weitere Hilfe gibt. Das sehen wir als wichtige Funktion von KiKA an.

Schauen sich die Kinder und Jugendlichen lieber die Sendung im Fernsehen an oder erhält der Kummerkasten online mehr Zulauf?

Die TV-Sendung und das Online-Angebot verfolgen unterschiedliche Ansätze.  Deutlich mehr Kinder und Jugendliche sehen die Sendung im Fernsehen, aber online sind die Kontakte natürlich intensiver.

Sind auch die Pfadfinder bekannt? Was halten Sie davon?

Natürlich, in unseren vielen Programme haben wir schon öfter über Pfadfinder berichtet. Dass sie nicht nur alten Damen über die Straße helfen, sondern in vielen wichtigen sozialen und ökologischen Bereichen aktiv sind, wissen wir und unsere Zuschauer.