Ladenhüter? Radieschen!

anp1403_cafe2Das Café zur heiteren Verschwendung, pardon, weiteren Verwendung war ein echtes Highlight. Super Stimmung, guter Kaffee… und das Tauschregal.

So etwas hätte man auch gerne zuhause – wie vieles, was es nur auf VCP-Bundeslagern gibt.
Aber wie kam es dazu?

anp fragt Tim Singelmann

anp: Wer kam auf die Idee mit der Tauschbörse?

Grundidee unseres Cafes war – neben der Ausstellung zum Thema Lebensmittelkonsum – einen Raum anzubieten, wo Gruppen ihre übrigen Lebensmittel kreativ weiter verwenden können. Diese Idee entstand in unserem Vorbereitungskreis. Sicher nicht ohne Vorbilder, denn z.B. in Kopenhagen gibt es ein Restaurant, das ähnlich wirtschaftet.
Dass unser Tauschregal so dringend angefragt wurde, hätten wir auch nicht erwartet und haben dementsprechend auf dem Lager reagiert und den Schwerpunkt auf das Konzept “Regal” gelegt.

anp: Wer hat denn da getauscht?

BT_lebensmitteltausch_Akl_IMG_0844Ganz unterschiedliche Personen getauscht. Eine gewisse Stammkundschaft hat sich schnell gebildet. Dies waren zumeist Verantwortliche aus den Kochgruppen, die zum Teil unglaublich viel Erfahrung mitbrachten und “einfach mal so” reinschauten, ob nicht noch was Feines im Regal liegt. Oft sind die Gruppen, die den Müll entsorgen sollten auch bei uns vorbei geschickt worden, nach dem Motto “bevor ihr das wegwerft, schaut ob ihrs beim Cafe loswerdet”.
Zwischendrin kamen auch immer wieder Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die ganz konkrete Wünsche hatten. “Hast du noch Nüsse fürn Tschai heute Abend?” oder “Ich brauch ganz schnell Frühstück für 50 Personen, wir haben eine Gastgruppe da.” Meistens konnten wir helfen. Auch sehr früh morgens und spät abends. Sogar am Besuchstag konnten wir Gäste dafür begeistern, etwas mit zunehmen.

anp: Was ging gut weg, was waren Ladenhüter?

Besonders beliebt war Obst. Wir haben wenig erhalten und das was da war, ist sofort wieder raus gegangen. Ansonsten sind Grundnahrungsmittel wie z.B. Kartoffeln, Nudeln usw. immer wieder in Mengen aufgelaufen, aber oft auch restlos abgeholt worden. Ladenhüter? Salat, Brot, Rettich, Radieschen! Dies lag aber an der Überversorgung mit diesen Produkten. Es kamen immer wieder Pfadfinderinnen und Pfadfinder die mal ein Laib Brot brauchten. Nur halt nicht in den großen Mengen, die wir vorgehalten haben.

anp: Musste viel weg geworfen werden?

Ja, wir haben auch wegwerfen müssen. Ob es aufs Lager gesehen viel war, ist schwer zu sagen. Einige Lebensmittel haben wir zum Beispiel gar nicht erst annehmen können, etwa Frischmilch oder Fleisch. Das haben die Gruppen selbst entsorgen müssen. Die Mengen, die wir trotz allem abends in unsere Tonne gesteckt haben, fühlten sich auf jeden Fall viel an. Es ist schon schwer, sechs Kisten Salat und eine (Müll-) Tonne Brot weg zuwerfen.

anp: Würdet ihr das wieder machen? War die Tauschbörse ein Erfolg?

Für uns war sie ein voller Erfolg! Allerdings nur in Verbindung mit dem Café, in dem Lebensmittel zu Tagesgerichten verarbeitet werden konnten, und dass eine Anlaufstelle angeboten wurde. Über das praktische Tauschen darf auch nicht die theoretische Auseinandersetzung, in unserem Fall die Ausstellung, fehlen.
Und ja, alle aus unserem Team sind von der Idee so angezündet worden, dass wir es wohl wieder anbieten würden.

anp: Kann man daraus Hinweise für die Mitarbeitendenverpflegung ableiten?

Schwer zu sagen. Da im Vorfelde nicht zu überblicken ist, was rein kommt und was fehlen wird, muss sehr schnell reagiert werden. Ob eine Mitarbeiterverpflegung für hunderte von Personen so realisiert werden kann, halte ich zur Zeit noch für fraglich. Aber wir werden genau in diese Richtung weiter denken.

anp: Danke, Tim – für deinen Einsatz und das Interview.

Heiter verschwenden? – Weiter verwenden!

Mit diesem Motto warb das „Café zur weiteren Verwendung“ für das eigene Angebot. Zwar stand auch dieses Café unter Volldampf, doch ging es dabei weniger um die industrielle Revolution sondern mehr um den VCP-Themenschwerpunkt der Nachhaltigkeit. Neben dem Herzen des Cafés, der Lebensmitteltauschbörse gab es direkt gehandelten Kaffee – bewusst konnte hier genossen werden: Mit dem Wissen um den eigenen Konsum durfte der Kaffee (inklusive einer Spende an ein Entwicklungsprojekt) auch gerne etwas mehr kosten als bittere Filterbrühe. Dazu gab es nicht nur Infos zu fairen Kaffeeanbau sondern auch leckere Mahlzeiten – allesamt zubereitet aus dem, was auf dem Lager an Lebensmitteln übrig geblieben war. Pfadis denen das dann nicht schon genug Nachhaltigkeit war, besuchten die angeschlossene Ausstellung „Niemand isst für sich allein“, die zu den Themen Fleischkonsum und Lebensmittelverschwendung informierte.