Nachruf Wolfgang Jöhlinger

Wolfgang Jöhlinger * 22.07.1921 in Berlin † 8.7.2017 in Würselen
Wolfgang Jöhlinger, von 1954 bis 1966 Landesmarkführer der CPD – Landesmark Rheinland, starb kurz vor Vollendung seines 96. Lebensjahres.
„Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“(Jes. 43,1); so überschreibt seine Familie die Todesnachricht.
Dieses Wort ruft uns Wolfgang zum Abschied zu und wir hören seine nie laute, aber deutliche Stimme. Ein biblisches Wort, das über seinem Leben gestanden hat.

Das Fürchten muss er noch früh erlebt haben, denn sein Konfirmationsspruch war im Jahre 1937, mitten in der Herrschaft der Nationalsozialisten, sorgsam und mit Bedacht ausgesucht: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle (Matth. 10,28).
Wolfgang stellte vor Abgabe seiner umfassenden Lebensdaten an das VCP-Bundesarchiv sein privates und sein Pfadfinderleben in Form einer „Materialsammlung“ zusammen. Das war Wolfgang. Keine Autobiografie, nein, nur Materialsammlung. Mehrfach berichtete Annelie Rau, die frühere VCP-Bundesarchivarin, wie er sich tagelang in einer Ecke des Bundesarchivs zurückzog, um dann sorgsam seine Ergebnisse zu übergeben. Ein Schatz von Materialien.
Aus der Fülle eines reichen, gesegneten Lebens seien beispielhaft genannt: er war Siedlungs- und Stammesführer, Gauführer, Landesmarkführer, Kreuzpfadfinderbruder, Ausbilder, Freund, Ratgeber, Motivator, alles praktizierte Eigenschaften in CP und im VCP; er war Steuermann, Segler, niederländischer Ehrenpfadfinder, Presbyter, Synodaler, Schriftsteller, Vorbild, Wegweiser und -begleiter und – nicht zu vergessen – treusorgender Ehemann, Vater, Opa und Uropa.

Von den zahlreichen Verdiensten oder Ehrungen spricht Wolfgang in seiner ihm eigenen Art lediglich von „Anerkennungen“. Sie seien genannt: Bundesverdienstkreuz, Ehrenzeichen des DRK, Goldenes Wasserwacht-Ehrenzeichen des Bayerischen Roten Kreuzes, Ehren-Steuermann von Scouting Nederland und noch im Jahre 2005 den Ehrenamts-Preis der Stadt Aachen.

Engagements im Deutschen Roten Kreuz – und vordem bei den Pfadfindern –sie waren ein bedeutender Lebens- und Freizeitinhalt.

Wolfgang hat seine letzte Reise angetreten und mit ihm verabschieden wir uns von einem der wahren „Urgesteine“ des evangelischen Pfadfindens. Erinnert sei an einige Beispiele: Seine mehrwöchige Teilnahme als rheinischer Pfadfinderführer mit fünf anderen Deutschen an einem Seminar für Jugendleiter 1949 in England; eingeschlossen ein einwöchiger Boys Brigade-Offizierslehrgang. Die mutige, weit über die Landesgrenzen bekanntgewordene Schlauchbootfahrt mit 16 Jungs des Diasporastammes „Gustav-Adolf“ mit dem „See-Elefant“ von Köln nach Basel. Welch eine Unternehmung!

Er führte die Landesmarklager 1954, 1956, 1958 und war Teillagerführer des 1960 durchgeführten Bundeslagers in Fridingen im Donautal. Lebendige Erinnerungen gibt es an das Landesmarklager in Dahle 1962, in dem er in überdimensionalen Gummistiefeln bei regnerischem Wetter die Geschicke steuerte.
Dankbar ist der VCP auch für die materielle, großzügige Förderung unterschiedlicher Projekte: Großzerlang, Archiv, VCP-Arbeit vor Ort. Unvergessen ist sein Eintreten für die koedukative Arbeit, dessen Anfänge er in der Wölflingsarbeit sah. Auch über Widerstände hinweg.
Er hat sich aktiv in die Arbeit des Archivkreises Nordrhein eingebracht und noch in hohem Alter Fahrten ins Bundesarchiv nach Kassel mitgestaltet. Gleichwohl war er stets an den Entwicklungen des Jugendverbandes interessiert, war den nachfolgenden Generationen zugewandt ohne zu belehren und hat wohlwollend unterstützt. Noch im Winter 2015 hat er es sich nicht nehmen lassen, am Adventstreffen des VCP-Nordrhein teilzunehmen.
Streit war ihm fremd. Richtungsweisende Worte in Auseinandersetzungen, die er mit Humor unterstrich, waren uns hilfreicher Rat in schwierigen Lebenssituationen. So ist er sicher Vielen von uns in Erinnerung – und das generationenübergreifend. Er lebt bei uns weiter und wir wissen mit ihm, dass ihn Gott bei seinem Namen gerufen hat.
Kurt Picard,

Susanne Heinrich, 14.07.2017