Pfadfinden in der Nacht

von Lukas Zintel

Wie lassen sich Pfadfinden und die Nacht verbinden? Gehören auch wir zur Spezies der Nachtschwärmer*innen? In einigen Bereichen des Pfadfindens spielt das Dunkle oder die Nacht eine zentrale Rolle: Zum Beispiel bei den Ritualen zur Aufnahme in die Ranger*Rover-Stufe.

Nachts auf dem Lagerplatz

Wir hören durch das Knacken des kleinen Lagerfeuers ein leises Rascheln am anderen Ende des Lagerplatzes. Wir, das sind drei müde Jungs, die heute Nacht von vier bis sechs Uhr auf das Lager aufpassen sollen. Stolz sind wir, als man uns auslost für den Nachtwachendienst. Gemeinsam mit unserem Gruppenleiter sitzen wir nun um das wärmende Feuer in der Großjurte.

Aber was bedeutet dieses Rascheln? Ist es nur ein Tier das am Lagerplatz vorbeihuscht, oder doch eines der anderen Gruppenkinder, das nachts raus muss? Wir gehen nachschauen, sehen aber nichts. In einer Gruppenstunde vor dem großen Sommerlager haben wir gelernt, dass wir keine Taschenlampe brauchen, um im Dunkeln zu sehen. Es geht auch gut ohne. Wir drehen eine Runde um die Zelte und versichern uns, dass alles ruhig und in Ordnung ist. Zurück am Lagerfeuer legen wir etwas Holz nach, es soll ja einen warmen Tee und warmen Brei zum Frühstück geben. Dafür soll die ganze Nacht das Feuer in Schach gehalten werden. Gegen 5.45 Uhr wecken wir die nächsten drei aus unserer Gruppe. Sie sollen dafür sorgen das unser Feuer weiter brennt und haben die Aufgabe den Stamm rechtzeitig zum Frühstück zu wecken. Sie bereiten auch Tee und Brei für das Frühstück vor.

Aber warum müssen wir so fernab von daheim auf das Lager aufpassen? Ist es vielleicht nur ein Teil der Proben, die wir für unsere Aufnahme machen müssen? Hinterher wissen wir, es ist genau das. Es wird geschaut ob wir diese verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen können. Am Ende des Sommerlagers werden wir dann auch in die nächste Stufe aufgenommen. Eine feierliche Aufnahme kurz nachdem es Dunkel wurde. Unsere Nachtwache war für uns ein Erlebnis und auch unsere Gruppenkinder durften Jahre später diese Erfahrung machen.

Die Ranger*Rover-Wache

Was ist die Wache?

Die Wache ist eine der typischsten Arbeitsformen für Ranger*Rover, da sie den wesentlichen Inhalt der Stufe aufgreift: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem eigenen Handeln. Die Wache gibt Raum und Zeit zur Selbstreflexion und ermöglicht, über sich selbst sowie über die eigenen Lebensvorstellungen nachzudenken und dabei ein positives sowie kritisches Bewusstsein sich selbst gegenüber zu entwickeln. Dabei greift die Wache das Bedürfnis der 16- bis 20-Jährigen auf, sich selbst besser kennenzulernen und sich Ziele für die eigene Weiterentwicklung zu setzen.

Aus der Handreichung: Die Wache – Aus der Reihe: Ranger*Roverarbeit im VCP

Am Anfang der Wache steht die Wachfrage: Worüber wollen wir in der Nacht nachdenken? Der gemeinsame Start mit der Gruppe erfolgt in der Abenddämmerung. Anschließend wählt jede*r für sich einen Platz, an dem sie*er die Nacht bis zum Morgengrauen allein verbringen wird. Der gewählte Ort sollte die Möglichkeit bieten, es sich mit Schlafsack, Isomatte und Decken gemütlich zu machen. Optimalerweise kann man ein kleines Feuer entfachen, dessen Wärme und Geborgenheit beim Nachdenken zur Seite steht.

Wie ist eure Ranger*Rover-Wache abgelaufen? Oder habt ihr es etwas anderes gemacht, beispielsweise einen Späher*innenlauf? Berichtet uns gerne davon, wir veröffentlichen eure Berichte in unserem Blog vcp.de/pfadfinden

Späher*innenlauf

Langsam wird es dunkel und wir haben uns am Gemeindehaus eingefunden. Heute Nacht werden wir unseren Späher*innenlauf absolvieren. Die Ranger*Rover-Beauftragten im Stamm haben sich für jede*n von uns etwas ausgedacht: Wir werden einzeln in einem Umkreis um einen bestimmten Ort ausgesetzt, aber keine*r von uns weiß, wo genau. Wir bekommen jeweils einen Zettel und haben nun die Nacht über Zeit, den dort angegebenen Ort zu erreichen. Einziges Hilfsmittel ist eine Karte und ein Kompass, kein Smartphone! Aber wo auf der Karte befinden wir uns? Das gilt es nun erst einmal herauszufinden. Unser*e R*R-Mentor*in hat uns auch noch zwei Fragen mitgegeben, über die wir nachdenken sollen, während wir auf dem Weg sind. Es ist eine ruhige und sternenklare Nacht. Man sieht und hört viel vom nächtlichen Wald. Es ist viel Zeit zum Nachdenken auf dem Weg, der vor uns liegt, die Gedanken um die zwei Fragen und das Laufen halten wach. Am Ende kommen wir alle fast gleichzeitig am Ziel an und sind erleichtert, diese Aufgabe auf unserem Weg in die nächste Stufe gemeistert zu haben. Nach einer Reflexionsrunde und Gesprächen mit unseren Mentoren*innen geht es aber endlich ins Bett, den Schlaf nachholen.