Pfadfinden ist auch in Simbabwe eine Friedensbewegung

Das Motto des diesjährigen Thinking Days thematisiert internationale Partnerschaften beim Pfadfinden und ihren Beitrag zum Frieden in der Welt.„Gemeinsam sind wir stark! Durch Partnerschaften können wir Frieden schaffen.“

Der jüngste internationale Partner des VCP ist Simbabwe. Im September 2014 unterzeichnete der VCP eine Partnerschaftsvereinbarung mit den Girl Guides Association of Zimbabwe (GGAZ) und der Scout Association of Zimbabwe (SAZ).

Vorbereitet wurde die Partnerschaft unter anderem von der Fachgruppe Afrika. Josephine Zana und Vera Steinberg waren bei den Verhandlungen und bei der Unterzeichnung der Vereinbarung dabei. Esther Koch, Referentin in der Bundeszentrale hat sie zu ihren Erfahrungen und Plänen befragt.

Esther: Wie kam es zu der Partnerschaft mit Simbabwe?

Josephine:Ursprünglich plante der VCP eine Partnerschaft mit Sambia. Der Impuls stammte von Phillip Wagner, der in der vorherigen Bundesleitung Mitglied war und in Sambia arbeitete. Aus verschiedenen Gründen kam eine Partnerschaft mit Sambia aber nicht zustande. Aber die Idee mit einem afrikanischen Land eine Partnerschaft einzugehen war geboren. Das Afrika Büro von WOSM schlug uns dann Simbabwe vor.

Vera: Ich konnte 2010 an dem Moot in Kenia teilnehmen. Dort fanden die ersten Gespräche mit Vertretern der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) statt. Es war aber Wunsch des VCP, nicht nur mit dem WOSM Verband in Simbabwe, sondern auch mit dem WAGGGS Verband eine Partnerschaft einzugehen. Mit diesem fanden 2011 die ersten Gespräche statt. Weitere Gespräche fanden auf dem Jamboree in Schweden statt.

Josephine: 2011 besuchte dann eine VCP Delegation Simbabwe.

Esther: 2010 fanden die ersten Gespräche statt. 2014 wurde der Vereinbarung der unterschrieben. Warum dauerte das so lange?

Josephine: Der Unterzeichnung der Vereinbarung ging eine lange Diskussion voraus. Entscheidend war für uns die Frage, wie eine gleichberechtigte Partnerschaft aussehen kann. Wir wollten nicht, dass die Partnerschaft ein Entwicklungsprojekt wird, in dem – plakativ gesprochen- der reiche Norden gibt und der arme Süden empfängt. Erwartungen in der Richtung waren anfangs durchaus da. Wir haben dann gemeinsam überlegt: Wie können wir voneinander profitieren und lernen?

Esther: Zu welchen Ergebnissen seid ihr gekommen? Was werden die Inhalte der Partnerschaft sein?

Vera: Die Pfadis in Simbabwe machen sehr gute pfadfinderische Angebote in Schulen. Darüber möchten wir im VCP gerne mehr wissen. Umgekehrt möchten unsere neuen Partnerinnen und Partner gerne von uns mehr über das Thema Internetpräsenz erfahren. Dies ist nur ein Beispiel. Es gibt noch viel mehr Themen.

Josephine: Ja, und damit werden wir schon bald beginnen. Im Mai wird eine VCP Delegation nach Simbabwe fahren. In der Delegation wird auch ein Mitglied der FG Netzstecker sein. Gemeinsam wollen wir unter anderem auch in den Austausch kommen, was im Internet möglich ist.

Esther: Gibt es neben dem Besuch im Mai in Simbabwe schon weitere Pläne für die Zusammenarbeit?

Josephine: Gemeinsam mit der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) wollen wir am dritten UNGUVU Projekt teilnehmen.

Esther: UNGUVU Projekt?

Josephine: Das UNGUVU Projekt ist ein multilaterales Projekt zwischen Afrika und Europa WOSM. Es fanden bereits zwei Teile statt, an dem sich auch der VCP beteiligt hat. Im dritten Teil, wird eine Teilnahme nur mit einem Partnerverband möglich sein. Es geht darum, dass die jeweiligen beiden Partner ein gemeinsames Projekt in Afrika umsetzen. Was genau es sein wird, müssen wir mit der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) noch entscheiden.

Esther: Bislang findet die Partnerschaft ja nur auf Bundesebene statt. Wo wird die Partnerschaft für die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in den Stämmen und Orten interessant?

Josephine: Genau diese Frage wird auch Thema bei unserem Besuch in Simbabwe sein. Eine Idee ist es, Kontakte zwischen Pfadis mit gleichen Berufen in Simbabwe und Deutschland zu vermitteln, so dass sie miteinander in den Austausch kommen und überlegen, wie sie sich eventuell Projekte realisieren können. Außerdem plant die FG Afrika ein Wochenende für Ranger und Rover zum Thema Afrika. Es wird auch um Simbabwe gehen, aber nicht nur. Nach dem Wochenende sollen die Ranger und Rover überlegen, was sie zum Thema Afrika machen wollen. Das kann eine Wanderung durch Marokko sein, aber auch ein Projekt mit Simbabwe.

Vera: Außerdem möchten wir gerne simbabwische Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu den Sommerlagern 2016 einladen. Hierfür suchen wir noch Gruppen sowohl im VCP als auch in Simbabwe.

Esther: Josephine, du bist in Simbabwe aufgewachsen. Was kannst du von dort berichten?

Josephine: Die Menschen sind dort sehr offen und warmherzig. Und es wird gerne und viel zelebriert. Egal was: Geburtstage, Schulabschlüsse aber auch Beerdigungen. Es wird immer in großer Runde gefeiert, aber auch getrauert. Die Gemeinschaft hat einen großen Stellenwert in Simbabwe. Es dort nicht ungewöhnlich, dass mehrere Generationen noch unter einem Dach leben und auch die Nachbarschaft ist oft Teil der Familie.

Esther: Vera, warst du selber schon in Simbabwe?

Vera: Nein, aber in verschiedenen anderen afrikanischen Ländern, wie Kenia, Sambia, Tansania, Marokko, Ägypten und Südafrika. Mir fiel auch die ansteckende Fröhlichkeit der Menschen dort auf. Erkannt habe ich auf meinen Reisen aber auch, dass allen Menschen weltweit das gleiche wichtig ist: Sie streben nach Sicherheit und Glück.

Esther: Wo liegen die Unterschiede im Pfadfinden im VCP und Simbabwe?

Josephine: Dort wird weniger auf Austausch untereinander wert gelegt, sondern es geht viel ums gewinnen. Es finden Koch- und Campingwettbewerbe statt und die Gewinner einer Region treten wiederum auf Regionsebene gegeneinander an. Aber Pfadfinden findet dort nur an der Schule statt, d.h. es muss auch ein Ergebnis sichtbar sein.

Die Gruppenleitungen sind oftmals die Lehrerinnen und Lehrer, dies bedeutet natürlich einen höheren Altersunterschied als bei uns. Und Pfadfinden hört leider nach der Schule oft auf. WAGGGS hat noch einige Angebote für junge Frauen.

Und die Angebote sind noch deutlich geschlechtsspezifischer als bei uns. Als ich noch in Simbabwe Pfadfinderin war, haben wir Mädchen gekocht und Fenster putzen gelernt. Die Jungs haben das Feuer gemacht.

Vera: Bei unseren Verhandlungen zu dem Partnerschaftsvereinbarung wurde auch deutlich, dass in Simbabwe ganz andere Hierarchien herrschen. Was der Chief sagt, hat viel mehr Gewicht. Im VCP arbeiten haben wir eine viel höheres basisdemokratisches Verständnis.

Esther: Das klingt insgesamt nach einem ganz anderen Pfadfinden als wie wir es im VCP kennen. Freiwilligkeit, Führen im Dialog scheinen demnach keine Prinzipien im simbabwischen Pfadfinden zu sein?

Josephine: Ganz so ist es nicht. Das Angebot Pfadfinden ist an simbabwischen Schulen eines von vielen, zwischen denen die Kinder wählen können. Sie nehmen also schon freiwillig teil. Und bei allen Unterschieden in den Arbeitsweisen und Strukturen: Die Themen sind oft gleich. Auch in Simbabwe versteht man sich als Friedensbewegung und beschäftigt sich sehr mit Ökologie und Nachhaltigkeit.

Auch das Rollenverhältnis ändert sich. Kulturell spielt die klassische Rollenverteilung in Simbabwe zwar noch eine Rolle, aber in WOSM ist das nicht mehr so das Thema.

Esther: Wie fandet ihr es, am Partnerschaftsvereinbarung mitzuarbeiten?

Vera: Spannend. Ich habe viel gelernt. Ich hatte schon das Gefühl, dass ich sehr vorsichtig und diplomatisch sein musste. Das mag an meiner Rolle als junge Frau liegen, dass es für die Simbabwer ungewöhnlich ist, dass wir als Frauen so viel mitentscheiden dürfen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Josie und ich keinen Woodbadge haben. International hat er viel mehr Bedeutung als bei uns im VCP. Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

Esther: Welche Rückmeldung habt ihr von den Simbabwern bekommen?

Josephine: Sie waren überrascht, dass wir Mitglieder der Fachgruppe Afrika so jung sind und trotzdem so viel Verantwortung bekommen haben. Die Vertreterinnen von WAGGGS fanden auch die Rollenverteilung gut, dass wir Frauen so viel Mitspracherecht haben.

Wir haben den Vereinbarung ja während des Fachgruppentreffens unterschrieben. Das System der Fachgruppen hat ihnen auch sehr gut gefallen. Sie wollen jetzt auch Fachgruppen in Simbabwe etablieren. Dann haben wir als FG Afrika ein Pendant in Simbabwe mit dem wir zukünftig arbeiten können.

Vera: Und die Burg Rieneck hat ihnen sehr gut gefallen!

Esther: Ich bedanke mich herzlich für das Interview.

Habt ihr Lust bekommen, mehr über Simbabwe im speziellen und Afrika im Allgemeinen zu erfahren? Die Fachgruppe Afrika hat letztes Jahr die Handreichung Afrika herausgegeben. Dort finden sich viele Infos und Hintergrundwissen zu dem Kontinenten und außerdem zahlreiche Ideen, das Thema Afrika in vor Ort in Gruppenstunden und Lagern umzusetzen. Wer mehr über die Partnerschaft mit Simbabwe erfahren will und Interesse an einer Begegnung mit Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus Simbabwe hat, kann gerne mit der Fachgruppe Afrika Kontakt aufnehmen: fg.afrika@vcp.de