Sing Halleluja: Menschen loben Gott – auch in der Popmusik

von Andreas Witt

Sing Halleluja“ heißt ein erfolgreicher Ohrwurm von „Dr. Alban“ aus dem Jahr 1993.

Die Aufforderung „Sing Halleluja“ erscheint hier – wahrscheinlich ohne speziellen, religiösen Bezug – als Ausdruck reiner Lebensfreude gemeint zu sein:

Es wird eine fette Party gefeiert – und der Sänger animiert durch seinen Song die Partygäste, gemeinsam „Halleluja“ anzustimmen.

Da das hebräische Wort „Halleluja“ übersetzt bedeutet „Preist JHWH (= Preist/lobt Gott/den Herrn)“ – wird – wenn man es genau nimmt – aus der im Song besungenen fetten Fete ein fröhlicher Gottesdienst. Denn ursprünglich stammt das Wort „Halleluja“ wahrscheinlich aus der Gottesdienst-Liturgie – und es hat von hier ausgehend mittlerweile auch die Welt der Pop-Musik erobert.

1979 siegte zum Beispiel „Gali Atari & Milk and Honey“ aus Israel mit ihren Song “Hallelujah“ beim „ESC“ („Eurovision Song Contest“, früher bekannt als „Grand Prix Eurovision de la Chanson“), genauso wie 27 Jahre später die finnische Hard Rock Band „Lordi“ mit ihrem Lied „Hard Rock Hallelujah“ beim „ESC“ den ersten Platz erzielte.

Auch in diversen anderen Popsongs steht das Gotteslob „Halleluja“ im Zentrum.

Der wohl erfolgreichste, bekannteste und unzählige Male gecoverte Pop-Song über das Gotteslob „Halleluja“ stammt von dem kanadischen Sänger und Songwriter Leonard Cohen. Doch sein „Hallelujah“ ist kein Ausdruck praller Lebensfreude wie im Song von Dr. Alban, sondern klingt melancholisch und gebrochen. Der Text erzählt von einer verlorenen Liebe und enthält zahlreiche biblische Bezüge: Am Anfang des Liedes identifiziert sich der Songwriter Cohen mit König David als dem Verfasser zahlreicher Psalmen auf der Suche nach den richtigen Akkorden.

Dann spielt er in der zweiten Strophe zunächst auf die verhängnisvolle Liebesbeziehung zwischen David und Batseba an (2. Samuel 11-12), durch die David, Israels großer König, viel Schuld auf sich lädt: Denn dieser begehrt, schwängert und heiratet die schöne Batseba, die Frau eines anderen – nämlich seines Hauptmanns Urija. Als es David misslingt, Urija das ungeborene Kind als „Kuckuckskind“ unterzuschieben, lässt er Urija in der nächsten Schlacht an vorderster Front aufstellen, wodurch er ihn in den sicheren Tod schickt. Später allerdings muss David für seine Verfehlungen hart büßen – mit dem Tod des geliebten Sohnes, den er mit Batseba gezeugt hatte.  Cohen verkürzt diese Geschichte auf zwei Zeilen:

Well, your faith was strong but you needed proof. You saw her bathing on the roof. Her beauty and the moonlight overthrew ya.“ *

Leonard Cohen – 20.08.2010 – Ghent, Belgium Foto: Pieter Morlion (https://bit.ly/2Hbeb0x is licen­sed under a Creative Commons license: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Cohen benutzt diese alte biblische Geschichte als Warnung vor dem Ehebruch!

In den folgenden zwei Textzeilen spielt Cohen auf die Liebesgeschichte von Simson und Delila an (Richter 16. 4–21): eine Geschichte über Vertrauen und Betrug.
So ist Cohens „Hallelujah“ kein ungetrübtes Gotteslob, aber trotz negativer Erfahrungen stimmt er aus Dankbarkeit für ebendiese Erlebnisse sein Halleluja an. So ringt er mit sich selbst und singt er in der Schlusszeile der letzten Strophe:

Even though it all went wrong, I’ll stand before the Lord of song with nothing on my tongue, but Hallelujah.“ **

Hier klingt die schwierige Frage an, wie man angesichts von (menschengemachtem) Leid und Elend überhaupt Gott loben kann. Cohens Antwort lautet schlicht: „Halleluja“. So passt Cohens „broken Hallelujah“ sogar in die Passions- und Osterzeit, während der in der Gottesdienst-Liturgie bewusst auf das „Halleluja“ verzichtet wird: Ohne Kreuz und Leiden würde es auch keine Auferstehung geben. Denn der christliche Glaube ist keine „Happy-Go-Lucky-Religion“! Sing Halleluja!

* „Dein Glaube war stark, doch du brauchtest Beweise. Du sahst sie baden auf dem Dach. Ihre Schönheit und das Mondlicht überfluteten dich!“

** „Und auch wenn alles schief gegangen ist, werde ich vor dem Gott des Gesangs stehen mit nichts auf meiner Zunge, als ein Halleluja.“