Spiele-Test: Das Pfadfinderspiel

Kompass-Spiele, Krefeld, 2010
Autor: Jens Karkosz
2–4 Spieler*innen, ab 10 Jahre, ca. 30 Minuten

Im „Pfadfinderspiel“ werdet ihr zu Pfadfinder*innen und macht das was Pfadis so machen. Gemeinsam geht ihr aufs Sommerlager, müsst Zelte aufbauen, Feuer machen und vieles mehr. Dabei steht ihr immer wieder vor neuen Herausforderungen, die ihr alleine oder mit euren Mitspieler*innen lösen müsst. Nach und nach stattet ihr euren Pfadi mit der nötigen Ausrüstung und unterschiedlichen Fähigkeiten aus. Wie bei den Pfadfindern üblich geht es am Ende nur um eins: die meisten Abzeichen zu sammeln. Bei dem Abenteuer kann aber auch so einiges schiefgehen.

Zu Beginn bekommt jeder vom euch eine  Pfadfinder*in-Karte. Im Laufe des Spiels müsst ihr euren Pfadi ausstatten. Nacheinander seid ihr am Zug. Wenn ihr an der Reihe seid, zieht ihr eine Vorbereitungskarte und ergänzt eure Handkarten. „Allzeit bereit!“ Nun geht es los und ihr deckt eine Lagerkarte auf. Unter dieser Karte steckt eure Aufgabe. Es kann eine klassische Pfadiaufgabe sein, z.B. „Alleine ins Lager zurückfinden“. Je nach Schwierigkeit der Aufgabe könnt ihr sie alleine Lösen oder braucht Hilfe. Ihr könnt natürlich auch versuchen euch zu drücken. Eine erfolgreich gelöste Aufgabe bringt euch eine Belohnung ein. Unter den Lagerkarten kann euch aber auch ein Ausrutscher begegnen. Hier müsst ihr versuchen auszuweichen. Als letzte Möglichkeit kann eine Ausbildung unter der Lagerkarte auftauchen. Wenn ihr dies macht, lernt eurer Pfadi dazu und kann in Zukunft schwierigere Aufgaben lösen. So entwickelt ihr eure*n Pfadfinder*in immer weiter und sammelt Abzeichen. Wer zuerst sechs Abzeichen hat gewinnt das Spiel.

„Das Pfadfinderspiel“ zieht das Thema konsequent durch. Die Karten und die Spielidee sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Es ist sofort erkennbar, dass der Autor selbst Vollblutpfadfinder ist. Die Aufgaben, Ausrutscher, etc. stammen aus der persönlichen Erfahrung und geben einen ironischen Einblick in das Leben eines Pfadfinders. Das Spielprinzip entspricht einem s.g. „Dungeon Crawler“, bei dem ihr in jeder Runde wieder neu Unbekanntes entdeckt und neue Aufgaben bewältigen müsst. Als Kartenspiel kennt man das Prinzip aus der „Munchkin“-Reihe. „Das Pfadfinderspiel“ läuft nach genau demselben Spielprinzip. Auch die ironische Art mit dem Thema Pfadfinden umzugehen erinnert an „Munchkin“. Teilweise wird der Bogen hier aber etwas überspannt; z.B. ist der Wechsel des Geschlechtes des Spielcharakters als Strafe in einem Spiel, das sich ja auch an Jungendgruppen richtet grenzwertig. Auch das Spielen mit Klischees geht manchmal zu weit; z.B. bedient ein kleines schwarzes Kind auf einer Karte mit dicken roten Lippen und krausen schwarzen Haaren leider jeden Stereotyp. Hier hat es „Munchkin“ in einem Fantasysetting eben doch deutlich leichter. Dennoch ist „Das Pfadfinderspiel“ ein schönes Spiel und das nicht nur für eingefleischte Pfadfinder*innen. Die Karten sind mit viel Liebe gezeichnet und gestaltet. Ihr solltet euch allerdings nicht vom sehr verklausulierten Textmonster der Spielanleitung abschrecken lassen. Hier hat der Verlag nachgelegt und bietet nun eine sehr verständliche Spielhilfe. Damit steht dann dem Pfadilager nichts mehr im Weg. In diesem Sinne: „Gut Pfad!“

5 Pöppel vergibt Oliver Mahn

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