Tagebuch einer FSJlerin – Teil I

Rebecca „Becci“ Haugwitz berichtet von ihrem Arbeitsalltag in der Bundeszentrale…

Wo fängt man nur an, zu berichten…?

Nun bin ich schon seit fünf Monaten FSJlerin in der VCP-Bundeszentrale. Das letzte Mal hab ich zu Beginn, im September, auf dem Blog von mir lesen lassen. Ab jetzt habe ich vor, öfter zu schreiben, um euch einen Einblick zu geben, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr beim VCP so aussehen kann. Viele junge Menschen, die nach dem Abitur ein Jahr im Ausland verbringen, schreiben im Internet über ihre Erfahrungen. Warum sollten wir „Daheimgebliebenen“ das nicht auch tun? 😉

Heute möchte ich erzählen, woran ich nun konkret arbeite. In den nächsten Artikeln wird es dann eher darum gehen, was mich so beschäftigt, welche Schwierigkeiten ich zu überwinden habe, wo ich viel gelernt habe und was mir Freude bereitet hat…

Im Moment gibt es für mich drei große Aufgabenfelder: Der Kirchentag, das Bundeslager und die Bundeszentrale. Letzteres fasst allerdings eher viele verschiedene Aufgaben zusammen, während die anderen beiden große Projekte sind.

Verschwenden beenden!

Auf dem Kirchentag biete ich gemeinsam mit ein paar Leuten aus dem VCP Schleswig-Holstein die „Oase zur Weiteren Verwendung“ an. Dort wollen wir Lebensmittel retten und verwerten, indem wir Arme Ritter mit Kompott zubereiten oder aus Gemüse Curry kochen. Außerdem werden wir Upcycling-Ideen präsentieren und eventuell auch Workshops dazu anbieten, wie man zum Beispiel aus Europaletten coole Möbel bauen oder aus Dosen und Gläsern schicke Lichter basteln kann. Die Inhalte des Programmpunktes stehen also schon, nun gilt es aber noch, das „Drum & Dran“ zu organisieren. Es muss zum Beispiel dafür gesorgt werden, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden können, unsere Zelte müssen eine sichere Konstruktion bilden und die Ausstellung „Niemand isst für sich allein“ muss neu instand gesetzt werden, um den ganzen Kirchentag mit all seinen Besuchern zu überstehen. Das ist zwar ganz schön viel, aber die Kommunikation mit dem Kirchentag läuft sehr gut und ich habe ein tolles Team hinter mir, das mich unterstützt.

Auf die Plätze gegen Hetze!

Während des Bundeslagers wird die Projektgruppe „Auf gute Nachbarschaft“, in der ich hauptamtlich mitarbeite, die Akademie „Auf die Plätze gegen Hetze“ anbieten. Dafür müssen Workshops geplant und Mitarbeiter gefunden werden. In den Workshops soll es darum gehen, gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden und das Demokratieverständnis zu fördern. (Wenn da jemand Interesse hat, kann er sich gerne unter rebecca.haugwitz@vcp.de bei mir melden!)

Vom Stifte befüllen und Briefe verschicken

Hier in der Bundeszentrale habe ich viele verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel unterstütze ich Diane bei der anp, betreue die Bundesleitungssitzungen, kümmere mich um die VCP-Bibel… da kommt immer viel zusammen. Oft sind auch „blöde“ Aufgaben dabei, die sonst keiner gern machen möchte. Einmal musste ich einen ganzen Tag lang alle Stifte in den Moderationskoffern ausprobieren und dann mit frischer Tinte auffüllen, an einem anderen Tag landete ein riesiger Stapel Rechnungen auf meinem Tisch, die alle gefaltet, in Umschläge gesteckt und verschickt werden mussten. Ich schwöre, ich werde niemals meinen Mitgliedsbeitrag per Rechnung bezahlen. 😉 Aber so schlimm ist das dann auch wieder nicht, irgendwer muss das alles ja machen und ich habe wohl noch am ehesten Kapazitäten dafür auf meiner To-Do-Liste. Sonst komme ich auch viel herum, in der letzten Woche war ich beispielsweise in Berlin, Düsseldorf und in Plön, Schleswig-Holstein. In Düsseldorf war der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag, wo der rdp einen Stand hatte. Dort konnte ich vielen Menschen erklären, was wir Pfadfinder eigentlich so tun und was dabei so viel Spaß macht.

Dialog im Dunkeln und Bücher satt… die Buchmesse in Leipzig

Natürlich besuche ich auch FSJ-Seminare. Wenn man ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, sind diese Seminartage Pflicht. Wie viele das sind und wie sie eingeteilt werden, ist von Träger zu Träger unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel Träger, bei denen die Freiwilligen sich ihre Seminartage weitestgehend selbst aussuchen können, weil es viele Wahl-Seminare gibt. Das hat natürlich den Vorteil, dass man sehr flexibel und Herr über seinen eigenen Kalender ist. Außerdem kann man sich so die Seminarthemen aussuchen, die einen am meisten interessieren. Träger meines FSJ ist die Diakonie Hessen, dort stehen die Seminare für alle fest und es gibt nur ein einziges Wahl-Seminar. Auch das birgt seine Vorteile. Ich muss mich nicht selbst darum kümmern, dass ich die vorgeschriebene Anzahl an Seminartagen einhalte, außerdem sind wir immer in derselben Gruppe unterwegs, wodurch man sich mit der Zeit besser kennenlernt und sich eine gute Gruppendynamik entwickelt. Dass ich mir die Themen meiner Seminare nicht aussuchen kann finde ich auch gar nicht schlimm, so beschäftige ich mich auch mal mit Dingen, von denen ich sonst nie etwas gehört hätte. Am Ende soll man sich ja dort weiterbilden. Die Auswahl der Wahl-Seminare war sehr breit gefächert, ich denke, dass jeder von uns Freiwilligen etwas Passendes für sich gefunden hat. Meines hat mich nach Weimar und Erfurt auf die Spuren des Nationalsozialismus und dann zur Buchmesse nach Leipzig verschlagen. Für mich war das perfekt und ich habe sogar sehr viel Neues gelernt.

Ein anderes Seminar hat mich aber zum Beispiel nach Frankfurt am Main geführt, dort haben wir die Ausstellung „Dialog im Dunkeln“ besucht. Dabei wird man in einer kleinen Gruppe durch verschiedene Räume begleitet, in welchen es stockfinster ist. Man sieht wirklich überhaupt gar nichts. Die Guides sind selber tatsächlich blind oder sehbehindert, sie kennen sich also bestens mit solchen Situationen aus. In der Gruppe folgt man ihnen dann durch einen Wald, über eine Straße und sogar in eine richtige Bar. Dieser Perspektivwechsel hat mich wirklich nachhaltig beschäftigt. Zum einen war ich davon beeindruckt, wie findig und aufmerksam die Guides waren und wie viele Gefahren und Hindernisse im Alltag lauern können. Zum anderen überraschte es mich, mit wie viel Humor man mit den Behinderungen umgehen kann. Seitdem achte ich in der Stadt oft darauf, wie behindertengerecht zum Beispiel Straßenübergänge oder Läden gebaut worden sind. Solche Erfahrungen hätte ich ohne die Diakonie niemals gemacht, eigentlich ist der soziale Bereich so gar nicht meins, zumindest nicht zum Arbeiten. Die Seminare erfüllen also durchaus ihren Zweck und erweitern meinen Horizont.

So sieht es im Moment in meinem Arbeits-„Alltag“ aus. Falls ihr Fragen oder Wünsche habt, worüber ich noch schreiben soll, dann meldet euch gerne bei mir.